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war doch die edle Begeiſterung, mit der gerade die Beſten das neue Werk betrieben, deutſch war das patriotiſche Ziel, welches dabei verfolgt wurde und das genügte, um jenen Uebungen für immer lebendige Theilnahme im Herzen des Volkes zu bewahren. Daß man damals nicht nur die verſchwundene Körperkraft unſerer Vorfahren, ſondern auch die gerühmte Sittenreinheit derſelben wieder gewinnen wollte, zeugt von dem tiefen Ernſte jener Zeit; aber wie oft plötzliche Erweckung der Geiſter aus langer Erſchlaffung mit haſtiger Ungeduld und Intoleranz verbunden iſt, ſo ſchritt auch hier jugendliches Ungeſtüm unklug in den Kampf gegen herſchende Gewohnheiten und führte dadurch eine langdauernde Unterdrückung des an ſich reinen Unternehmens herbei. Tragiſch aber bleibt es für die Entwickelungsgeſchichte des als Erziehungsmittel ſo wichtigen Turnens, daß gerade der hochherzige Aufſchwung der Vaterlandsliebe Anlaß werden muſte zur Ueberhebung auf der einen und zu unſeeligen Misverſtändniſſen auf der anderen Seite.
Inzwiſchen fand auch dieſe deutſche Idee im Ausland bereitwillige Aufnahme. Die Schweizer, bei denen die alte Luſt an Kampfſpielen nie erloſchen war, förderten mit Vorliebe das mehr für Erwachſene berechnete Jahn'ſche Turnen. Die Franzoſen ver⸗ wertheten die Leibesübungen zunächſt für militäriſche Zwecke. Daß die Engländer ſich im Ganzen ablehnend gegen die Sache verhielten, liegt wol in den ſocialen Verhältniſſen derſelben, denn die Armen haben dort zum Betreiben edlerer Bedürfniſſe weder Zeit, noch Mittel, die Reichen aber beſitzen Beides im Ueberfluß, um durch die Pflege nobeler Paſſionen den Körper in friſcher Thätigkeit zu erhalten. Erwähnung verdienen dagegen Dänemark und Schweden, in deren Lehranſtalten die von den deutſchen Philanthropen ausgeſtreute Saat einen empfänglichen Boden fand und beſonders war es der Schwede Ling, der mit Geiſt und Geſchick die Ideen von Guts Muths zur Hebung ſeiner Nation weiter zu bilden ſuchte. Indem er aber mehr vom mediciniſchen Standpunkt ausgieng und eine Heilgymnaſtik ſchuf, muſte ſein Syſtem an pädagogiſchem Werthe verlieren. Gleichwol fand dasſelbe als fremdländiſches Produkt in Berlin bereitwillige Aufnahme gerade zu einer Zeit, wo bereits Adolf Spieß das deutſche Turnweſen von neuem belebt und durch vollſtändige„Einordnung in das Ganze der Volkserziehung“ für die Zukunft ſicher geſtellt hatte. Spieß theilte mit Jahn die patriotiſche Geſinnung und mit Guts Muths das warme Intereſſe für harmoniſche Menſchenbildung; aber er übertraf beide an pädagogiſcher Begabung. Neu war zwar, wie wir geſehen, die Verbindung des Tur⸗ nens mit der Schule nicht; neu war aber, daß Spieß das Turnen zu einem Lehrſtoff erweiterte, der wenigſtens bei den jüngeren Lebensaltern das ganze geiſtige, wie leibliche Leben in Anſpruch nimmt*); neu war, daß er den ſo geregelten Turnunterricht als einen,
*) A. Spieß„Blick auf den früheren und jetzigen Stand der Turnkunſt“. Dresden 1847. S. 22.


