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Stimmen gegen das Naturwidrige des damaligen Lebens laut, aber es waren doch Deutſche, die in philanthropiſchem Eifer dieſe Ideen am lebhafteſten erfaßten und die⸗ ſelben durch Aufnahme von Jugendſpielen und geregelten Leibesübungen in ihre Lehr⸗ anſtalten praktiſch durchführten. Im Bewuſtſein, daß man„der Menſchenwelt nicht im Umſehen ein neues Gepräge geben“ könne, hatten dieſe Männer, unter denen Vieth und Guts Muths die bedeutendſten waren, mit ruhiger Beſonnenheit in den abgeſchloßenen Räumen der Schule ihre heilſame Thätigkeit begonnen, um dort durch Vereinigung von geiſtiger und leiblicher Pflege der Jugend den damals herſchenden un⸗ natürlichen Zwieſpalt zwiſchen Erziehung und Unterricht auszugleichen. Die in jener Zeit mit erneuertem Eifer betriebenen Studien des klaſſiſchen Alterthums legten die Verglei⸗ chung mit dem helleniſchen Erziehungsweſen nahe und die große Einfachheit der damals gebräuchlichen Uebungen(das ſ. g. Deſſauer Pentathlon beſtand aus Laufen, Springen, Balancieren, Klettern und Tragen), ſo wie die edle Anſchauung, die Guts Muths von der Gymnaſtik hatte, indem er durch ſie auf ſchöne Haltung des Körpers und Tüchtigkeit des Charakters einwirken wollte, zeugen von dem Einfluß dieſer Studien.
Freilich trugen jene Leibesübungen den damaligen Erziehungsgrundſätzen gemäß mehr den Charakter der Erholung, ſie galten als Arbeit im Gewande des Spiels, aber faſt möchte man im Hinblick auf die folgenden Ereigniſſe wünſchen*), daß das damals begonnene Werk ungeſtört zur organiſchen Entwickelung hätte gelangen können, um dann, dem idealen Wunſche der Gründer gemäß, allmählich eine volksthümliche Sitte zu werden. Dieſe Volksthümlichkeit ſollte jedoch ſchneller, aber nicht ohne Leid auf anderem Wege erzielt werden, denn die Momente, durch welche dieſelbe erzeugt ward, waren ſo gewaltiger Art, daß mit dem neuen Namen des Turnens, den die Leibesübungen damals erhielten, auch die bisherige Richtung derſelben gänzlich verändert und der Zuſammenhang mit der Schule abgebrochen wurde.
Es war die große Zeit der deutſchen Erhebung gegen unerträgliches Fremdenjoch, welche dieſe plötzliche Veränderung bewirkte. Die bisherigen, nur für Knaben berechneten Uebungen konnten natürlich nicht genügen, um in Eile eine ſchlagfertige Mannſchaft aufzuſtellen. Dieß Ziel hatte zunächſt Jahn vor Augen, der Begründer des ſ. g. deutſchen Turnens, welcher in überſchwenglichem Patriotismus jede Anlehnung an die Gymnaſtik der Hellenen verſchmähte und nur an die Leibesübungen unſerer Altvordern anzuknüpfen meinte.
Mit den Waffenſpielen derſelben hatten nun freilich die Uebungen am Reck und Barren, die in jenen Tagen zuerſt in Aufnahme kamen, nichts gemein; aber deutſch
*) Lange Seite 69.


