Aufsatz 
Der lateinische Unterricht in der Sexta
Entstehung
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ſelben in diebefehlende. Warum in den meiſten Temporibus eine Handlung nicht als befohlen ausge⸗ ſagt werden kann, und wie es kommt, daß die Tempora der Zukunft dieunbeſtimmte Ausſageweiſe ent⸗ behren, müſſen die Schüler wo möglich ſelbſt herausfinden. ¹)

Sind die Modi von sum jeder für ſich gelernt, auch in der Weiſe, daß die Schüler die Bedeu⸗ tung voranſtellen und mit der 3. Perſon Pluralis beginnen können, ſo laſſe der Lehrer die unter dieſelben fallenden Formen auch ſo üben, daß bloß eine beſtimmte Perſon, z. B. die zweite Perſon Singularis und Pluralis durch alle Tempora und Modi angegeben wird. Dann gebe er den Singularis und ebenſo den Pluralis für ſich auf oder laſſe die entſprechenden Formen in den verſchiedenen Modi desſelben Tempus gleich nach einander herſagen. Zuletzt nenne er die Bedeutung einer lateiniſchen Form und fordere ſchlag⸗ fertige Angabe der letzteren. Iſt das Verbum finitum gründlich geübt, ſo prägen ſich die Schüler auch die Formen des Verbum infinitum ein. Worauf es beruht, daß die unter die Modi fallenden Formen ſämtlich nach Perſonen beſtimmt ſind, und daß die mit gleichen Endungen verſehenen die Thätigkeit ſtets als von derſelben Perſon ausgehend bezeichnen, wird den Schülern verſtändlich, wenn der Lehrer ihnen mitteilt, daß in den Endungen die verſtümmelten Reſte der perſönlichen Pronomina enthalten ſind, daß z. B. das m von sum ein Reſt des Pronomens der 1. Perſon iſt.

Schon eine flüchtige Betrachtung der Formen von sum und amo ergiebt, daß dieſe auf 3 ver⸗ ſchiedene Stämme zurückzuführen ſind. Es iſt nicht notwendig, daß in dem Paradigma der Grammatik die vom Präſensſtamme abgeleiteten Formen von denen des Perfektſtammes, und dieſe wiederum von denen des Supinſtammes durch den Druck unterſchieden werden, wie dies Bertling) durchgeführt hat. Vielmehr wird der Blick der Schüler für die Unterſcheidung der Formen grade dadurch außerordentlich geſchärft, daß ſie bei ihrer Einteilung gezwungen ſind ſelbſt herauszufinden, auf welchen Stamm jede zu⸗ rückgeht. Durch zuſammenfaſſende Repetitionen der von jedem Stamme herzuleitenden Formen werden die Schüler bald dahin geführt, daß ſie bei jeder ſogleich anzugeben wiſſen, von welchem Stamme ſie ge⸗ bildet iſt. Schon bei der Einübung der 2. und beſonders der 3. Konjugation trägt dieſe Sonderung der Formen nach den Stämmen gute Früchte; denn durch ſie ſind die Schüler gewöhnt ſtets von dem a verbo auszugehen. Deshalb werden ſie ſich z. B. bei der Bildung der Perfektformen von doceo nicht blindlings nach der Analogie von deleo richten, und auch die Abwandlung der Verba der 3. Konjugation wird ihnen, ſobald ſie die Stammformen ſicher wiſſen, keine Schwierigkeit mehr machen.

Den Konjunktiv laſſe man im Deutſchen ſtets durch Hilfszeitwörter umſchreiben, da die Formen dafür von denen des Indikativs nicht ſcharf genug zu ſcheiden ſind. 2) Wo dem Schüler in den Sätzen des Elementarbuchs das Perfekt oder Futurum exaktum entgegentritt, wird bei der Überſetzung ſtets die aus der Grammatik erlernte Bedeutung angewandt. Doch ſtelle der Lehrer mit Hilfe der Schüler feſt, daß man im Deutſchen ſtatt des Futurum exaktum das Perfekt oder Präſens braucht,*) und daß an die Stelle des Perfekts hier meiſt das Imperfekt tritt.

Die Erlernung der vom Präſensſtamme gebildeten Formen des Paſſivs bietet keine Schwierigkeit, wenn man ſie vorher mit den entſprechenden aktiviſchen vergleichen läßt. Wo im Aktiv die Endung m vorhanden war, oder nach deſſen Wegfall die erſte Perſon auf o auslautete, erſcheint im Paſſiv ein r, ſtatt des s die Endung ris, ſtatt t tur ꝛc. Damit die Schüler die nahe Verwandtſchaft dieſer paſſiviſchen Formen mit den aktiviſchen recht deutlich erkennen, laſſe man vor der paſſiviſchen Form anfangs ſtets die

¹) Schwab, der Latein⸗Unterricht im erſten Jahrescurſe, S. 15. ²) Bertling, lateiniſche Formenlehre, Bonn 1877, S. 44.

³) Schwab, der Latein⸗yUnterricht im erſten Jahrescurſe, S. 17. ) Mohr, das lateiniſche Verbum in Sexta, S. 14.