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dem Franzöſiſchen entlehnten Zahlbezeichnungen wie Centimeter, Millimeter. Beſondere Aufmerkſamkeit wird der Bildung der Zahlwörter zugewandt, und bei der Einprägung der Ordinalia ſtets auf die ent⸗ ſprechenden Kardinalia hingewieſen.
Was die Pronomina betrifft, ſo ſind nur die zu lernen, deren Kenntnis durch das Elementarbuch gefordert wird. Vor allem gilt es den Schülern deutlich zu machen, was man unter der erſten, zweiten und dritten Perſon verſteht. Man brauche deshalb ſtatt dieſer Ausdrücke mehrfach die entſprechenden, „redende,“„angeredete“ Perſon ꝛc. Auch die Bezeichnungen„Perſonal“—,„Demonſtrativ“— ec. ſind zu erklären. Die auffallende Erſcheinung, daß einzelne Pronomina mit verſchiedener Bedeutung mehrfach wiederkehren, wie z. B. qui, quae, quod, das die Schüler in der Grammatik als Relativum, Interroga⸗ tivum und Indefinitum angeführt finden, wird durch den Hinweis auf das deutſche„der, die, das“ ver⸗ ſtändlich gemacht. Dieſes urſprünglich demonſtrativiſche Pronomen wird ja auch als Artikel und außer⸗ dem noch als Relativum gebraucht.
Auch die Paradigmen zu den Konjugationen, deren Einübung die von sum vorhergeht, werden von den Schülern zunächſt aus dem Leſeſtoffe zuſammengeſtellt. Nur derjenige Teil des Paradigmas wird dann jedesmal nach der Grammatik geübt, der ſchon in der Lektüre angewandt war. ¹) Hier treten den Schülern vor allem die Formen des Indikativs und Imperativs entgegen; dieſe Ausſageweiſen ſind ihnen ſchon aus ihrer Mutterſprache bekannt; dann erſt folgt der Konjunktiv, deſſen Gebrauch ihnen noch fremd iſt.— Wenn der Lehrer auch annehmen kann, daß die Schüler ſich infolge des wiederholten Vorleſens und Nachſprechens die Ausſprache der Verbalformen ſchon in der Stunde ziemlich ſicher eingeprägt haben, dürfte es ſich dennoch empfehlen, daß er ſie bei ſolchen Formen, deren Accentuation ſchwer zu behalten iſt, über die betonten Silben Accente ſetzen laſſe, z. B. bei fuérunt und füerint.
Iſt der Indikativ des Präſens und Imperfekts gelernt, ſo werden die entſprechenden Formen beider Tempora auf der Wandtafel zuſammengeſtellt.2) Nun zeigt es ſich, daß der Auslaut derſelben ſtets der gleiche bleibt, abgeſehen von der erſten Perſon Singularis, deren auslautendes m im Präſens verklungen iſt. So werden die Endungen gewonnen: m, s, t, mus, tis, nt. Schon hier mögen die Schü⸗ ler auf die außerordentliche Einförmigkeit der Formenbildung im Deutſchen aufmerkſam gemacht werden. ³) Wo fortan eine Form erſcheint, deren Endung in der entſprechenden Perſon von den oben angegebenen abweicht, z. B. fui, fuisti, läßt der Lehrer die Endſilbe unterſtreichen, 4) um die Aufmerkſamkeit der Schüler beſonders auf dieſe Formen zu lenken.
Die Ausgänge der einzelnen Tempora ſchon vor dem Beiſpiele lernen zu laſſen und nun die Schüler aufzufordern, die Formen aus Stamm und Endung zuſammenzuſetzen, iſt unzweckmäßig; denn die Einprägung ſo abſtrakter Dinge würde den Schülern ungleich ſchwerer fallen als die Erlernung des Bei⸗ ſpiels ſelbſt, aus dem ja nötigenfalles die Endung immer wieder leicht abgeleitet werden kann. Auch eine Zergliederung der einzelnen Formen werde nur ſoweit vorgenommen, als ſie den Schülern das Erlernen derſelben erleichtern kann. Ueberall muß die Arbeit nach Analogien in den Vordergrund treten. 5)— Um den Schülern die Bedeutung der grammatiſchen Termini klar zu machen, überſetze ſie der Lehrer, ſoweit es angeht, und vertauſche die lateiniſchen Bezeichnungen anfangs recht oft mit den deutſchen. Er gebe Sätze, deren Verbalform der„beſtimmten Redeweiſe“ angehören, und fordere die Uebertragung der⸗
¹) Schrader, Erziehungs⸗ und Unterrichtslehre, S. 319.
²) Mohr, das lateiniſche Verbum in Sexta, S. 4.
3) Schwab, der Latein⸗Unterricht im erſten Jahrescurſe, Programm des Lyceums in Freiburg i/B. 1871. S. 14. 4) Schmalfeld, Erfahrungen auf dem Gebiete des Gymnaſialweſens, Berlin 1857. S. 119.
⁵5) Richter, der lateiniſche Elementarunterricht, S. 7.


