Aufsatz 
Der lateinische Unterricht in der Sexta
Entstehung
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entwickelt hat. Schon hier weiſe man darauf hin, daß an ein abſichtlichesEinſchieben oderAuswerfen eines Lautes nicht zu denken iſt, daß vielmehr ſolche Lautveränderungen ganz unwillkürlich eintreten und daß ſie in der veränderten Stellung der Sprachorgane ihren Grund haben. Um den Schülern die Sache recht deutlich zu machen, führe der Lehrer Beiſpiele ähnlicher Lautveränderungen aus dem Deutſchen, na⸗ mentlich aus den Mundarten, an.

Die konſonantiſchen Stämme der 3. Deklination werden ohne Schwierigkeit von der Endung ge⸗ ſchieden. In der 4. Deklination iſt das ſtammhafte u nur im Dativ und Ablativ Pluralis zu i abge⸗ ſchwächt. Eine Zuſammenſtellung der Beiſpiele der 3. 4. und 5. Deklination zeigt die faſt völlige Gleich⸗ heit der Kaſusendungen. Daraus, daß mehrere Wörter der 4. und 5. Deklination zugleich auch nach der 2. reſp 1. abgewandelt werden, wie pinus, laurus und materies mit der Nebenform materia, erſehen die Schüler, daß die Abgrenzung der einzelnen Deklinationen keine ſo ſcharfe iſt, als ſie anfangs dachten.

Die Genusregeln werden erſt dann gelernt, wenn die Schüler ſchon bei Gelegenheit der Ueber⸗ ſetzungsübungen durch eigene Beobachtung das Geſchlecht der einzelnen Wortgruppen mit gleicher Endung gefunden haben. Schwer verſtändliche Ausdrücke in den Regeln muß der Lehrer erklären. Um ſich zu vergewiſſern, daß die Schüler dieſelbe genau verſtanden haben, laſſe er zu jeder Regel Beiſpiele anführen. Uebrigens wird, wie ſchon oben erwähnt, das Verſtändnis der Genusregeln durch die Einrichtung des Vokabulars ſehr erleichtert, indem die Subſtantiva ſämtlich nach dem Genus geordnet ſind und zwar in der durch die Genusregeln der Grammatik gegebenen Reihenfolge. Die Schüler ſind dadurch genötigt, wenn ſie ein Wort aufſchlagen wollen, zunächſt darüber nachzudenken, welches Genus es hat; gelingt es ihnen nicht, hierüber ins klare zu kommen, ſo ſind ſie außer ſtande das Wort zu finden. Man kann den Schülern die Einprägung des Geſchlechtes eines Wortes auch dadurch ſehr erleichtern, daß man es mit einem beigeſetzten Adjektiv lernen läßt. ¹) b

Nach der Deklination der Subſtantiva wird auch die der Adjektiva, ſo weit ſie bisher noch nicht behandelt war, geübt. Damit der Unterſchied zwiſchen den Adjektiven dreier, zweier Endungen und einer Endung recht deutlich hervortrete, wird auch in den Kaſus, in welchen für zwei oder drei Genera nur eine Form vorhanden iſt, dieſe doch für jedes Genus wiederholt. Auch laſſe man feſtſtellen, inwiefern ſich die Deklination der Adjektiva von derjenigen der Subſtantiva unterſcheidet.

Was die Komparation betrifft, ſo lernen die Schüler die Bildung und Bedeutung des Kompara⸗ tivs und Superlativs zuerſt aus dem Elementarbuche kennen. Dann lieſt der Lehrer die betreffenden Re⸗ geln der Grammatik vor und läßt ſie auswendig lernen. Zu jeder Komparativ⸗ und Superlativform muß auch die Bedeutung hinzugeſetzt werden; denn ſonſt kommt es leicht vor, daß die Schüler zwar imſtande ſind die geforderte Form richtig zu bilden, doch die Bedeutung des Komparativs mit der des Superlativs verwechſeln. Auch verſäume man nicht Komparative und Superlative unter Hinzuſetzung der Bedeutung deklinieren zu laſſen. Von den unregelmäßigen Komparativen und Superlativen werden nur die gelernt, die im Elementarbuche vorkommen. DieUnregelmäßigkeit dieſer Bildungen beſteht, wie der Lehrer leicht nachweiſen kann, hauptſächlich nur darin, daß die einzelnen Komparationsformen, z. B. melior und optimus, nicht auf denſelben Stamm zurückgeführt werden können, daß hier vielmehr nur einzelne Gradus ſonſt nicht mehr gebräuchlicher Adjektiva ſich erhalten haben und, weil ſie ſich der Bedeutung nach entſprechen, zuſammengeſtellt worden ſind.

Die Einprägung der als Vokabeln zu lernenden Grund⸗ und Ordnungszahlen wird den Schülern erleichtert durch den Hinweis auf die verwandten deutſchen Zahlwörter wie sex ſechs, octo acht, und die

¹) Schmid's Eneyklopädie Bd. 11. S. 584.