Aufsatz 
Der lateinische Unterricht in der Sexta
Entstehung
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aktiviſche nennen, alſo amo amor, amamus amamur c. Im Konjugieren müſſen die Schüler auf die mannigfaltigſte Weiſe geübt werden. Außer den bereits bei sum beſprochenen Uebungen ſind noch folgende zu empfehlen: Man bezeichne eine Form nach dem Genus, Tempus ꝛc. und laſſe ſich dieſelbe nennen, anfangs nur von amo, ſpäter auch von anderen Verben, deren Wahl man gelegentlich auch den Schülern überlaſſen mag. Damit dieſelben ſogleich mit der Bildung beginnen können, bezeichne man zuerſt das Genus, dann das Tempus, den Modus, Numerus und zuletzt erſt die Perſon, ſtelle alſo die Frage z. B. in folgender Weiſe:Wie heißt von dem Worte, welcheserwarten bedeutet, Paſſiv, Perfektum, Konjunktiv, Pluralis, 3. Perſon? ¹) Man bilde auch einen vollſtändigen Satz und variiere denſelben ſo, daß das Verbum in immer neuen Formen erſcheint. Dabei kann der Zeiterſparnis halber von der Überſetzung der übrigen Beſtandteile des Satzes abgeſehen und nur diejenige des Verbums gefordert werden.²) Durch ſolche übungen werden die Schüler gewöhnt, nicht mechaniſch die Überſetzung zu geben, ſondern auch auf den Sinn der Form zu achten. Dann kommt es nicht leicht mehr vor, daß ſie das Futurum 1. des Aktivs mit dem Indikativ des Präſens im Paſſiv verwechſeln. Vor allem müſſen ſie aus dem Zuſammenhange des Satzes erſehen, ob das Subjekt ein thätiges oder leidendes iſt. Darüber können ſie ſich für den Fall, daß die Thätigkeit oder das Leiden bei dem ihnen gegebenen Verbum nicht ſehr deutlich hervortritt, dadurch leicht vergewiſſern, daß ſie an die Stelle desſelben ein ſolches ſetzen, bei dem der Unterſchied der Thätigkeit und des Leidens ſehr in die Augen fällt, z. B. das Verbumſchlagen.

Zwar haben die Schüler ſchon bei der Zergliederung der Formen amavi(aus amafui), amaveram (aus amafueram) ꝛc. bemerkt, daß das Verbum sum bei der Bildung vieler Formen der anderen Verba zu Hilfe genommen werden muß; doch verſtändlicher wird ihnen die BezeichnungHilfsverbum noch durch die Betrachtung der von dem Supinſtamm abgeleiteten Formen des Paſſivs. Ein Blick auf die ent⸗ ſprechenden deutſchen Bildungen zeigt ihnen, daß man hier noch in viel weitgehenderem Maße zur Um⸗ ſchreibung der Verbalformen hat ſchreiten müſſen. Da die aktiviſchen mit Hilfe des Verbumsſein gebildeten Perfektformen leicht mit den paſſiviſchen verwechſelt werden, macht der Lehrer darauf aufmerk⸗ ſam, daß man zu den paſſiviſchen, z. B.ich bin beſiegt, ſtets nochworden hinzufügen kann, wogegen dies bei den aktiviſchen, z. B.ich bin abgewichen, nicht möglich iſt. ³)

Iſt die a⸗Konjugation gründlich geübt, ſo hat die Erlernung der übrigen keine Schwierigkeit mehr. Auf die Einprägung der abweichend gebildeten Formen muß natürlich beſondere Mühe verwandt werden. Eine Vergleichung geeignet gewählter Formen verſchiedener Verba der 3. Konjugation lehrt, daß die 3 ſeither unterſchiedenen Stämme, der Präſens⸗, Perfekt⸗ und Supinſtamm, ſämtlich wieder von einem ge⸗ meinſamen einfacheren, demVerbalſtamme abzuleiten ſind. Nach Erlernung der i⸗Konjugation werden von den Paradigmen der 4 Konjugationen die entſprechenden Formen neben einander geſtellt. 1

Mit der Einübung neuer Abſchnitte des Penſums ſchreitet die Repetition der früher gelernten ſtetig voran. Damit die Schüler in der Grammatik völlig heimiſch werden, greife der Lehrer bei Gelegenheit der Lektüre die Formen, bezüglich deren er bemerkt, daß ſie vergeſſen worden ſind, heraus und laſſe von den Schülern die Paragraphen der Grammatik aufſuchen, in denen dieſelben verzeichnet ſind. Dann erſt ſtelle er ſeine Aufgabe.

Bei der Einübung der ſyntaktiſchen Regeln beſchränke man ſich auf das Notwendigſte. Die Quinta, deren Penſum ja an Umfang dem der Sexta bei weitem nicht gleich kommt, wird das Fehlende leicht er⸗ gänzen können. Zunächſt lernen die Schüler das Subjekt und Prädikat kennen, dann die verſchiedenen

¹) Lattmann, zur Methodik des grammatiſchen Unterrichts, S. 44. ²2) Mohr, das lateiniſche Verbum, S. 10. 3) Schmalfeld, Erſahrungen auf dem Gebiete des Gymnaſialweſens, S. 125.