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Ausgange der Stammformen, wie ſie Schmidt in ſeinem Wörterverzeichniſſe durchgeführt hat, iſt ſehr zweckmäßig. Hat der Schüler z. B. nur Verba aus der Gruppe zu lernen, melche die Ueberſchrift trägt: „Perf.—si, Sup.—sum“, ſo wird er beim Herunterſagen des a verbo nicht im Zweifel ſein können, daß claudo clausi und clausum, daß laedo laesi und laesum habe. Die Zugehörigkeit dieſer verba grade zu dieſer Gruppe dauernd zu behalten iſt er allerdings nicht imſtande; doch die Hauptſache iſt eben die, daß niemals zu einem Verbum die Stammformen falſch heruntergeſagt werden; und hat der Schüler auch nur zehnmal wiederholen hören: claudo, clausi, clausum, claudere, ſo prägt ſich der Klang dieſer Wörter ſeinem Ohre ſo feſt ein, daß er nicht leicht mehr ein„claudi“ oder„claudum“ über die Lippen bringen wird.
Wo doppelte Stammformen ſich finden, ſtellt der Lehrer mit Hilfe der Schüler feſt, welche von beiden die ältere iſt. So wird es z. B. bei pando nicht ſchwer halten nachzuweiſen, daß passum erſt aus pansum durch Aſſimilation hervorgegangen iſt.
Auch darauf mache der Lehrer die Schüler aufmerkſam, daß ihnen das Behalten des zu lernenden Sprachſtoffes leichter falle, wenn ſie ihn nicht auf einmal ſich einzuprägen ſuchten; vielmehr empfehle es ſich, nachdem man eine Aufgabe einigermaßen gründlich gelernt habe, zunächſt etwas anderes vorzunehmen und dann wieder auf die erſtere zurückzukommen. Niemals gebe er mehr als 10— 12 Wörter neu auf, doch auch nicht viel weniger; nur wenn verba mit ſchwer zu behaltenden Stammformen zu lernen ſind, laſſe er nicht mehr als 6 auf einmal memorieren. Allerdings werden die Schüler alsdann nicht imſtande ſein, während des Sextakurſus ſämtliche im Verzeichniſſe aufgeführten Vokabeln zu lernen; die Lücken können jedoch leicht in Quinta ausgefüllt werden. Der Lehrer des Lateiniſchen in dieſer Klaſſe wird aus den Wörterverzeichniſſen der Schüler ohne Schwierigkeit erſehen, welche Vokabeln noch nicht gelernt ſind, und diejenigen, deren Kenntnis ihm für die Schüler wünſchenswert erſcheint, bei ſeinen umfaſſenden Repe⸗ titionen des Sextapenſums nachlernen laſſen.
Während anfangs die Vokabeln, die den Schülern zum erſten Male entgegentreten, ſogleich bei der Ueberſetzung eines Satzes im Verzeichniſſe aufgeſucht werden, mag der Lehrer ſpäterhin, weil durch dieſes Verfahren die Aneignung des Inhalts und der grammatiſchen Formen geſtört wird, während des Ueberſetzens einſtweilen die Bedeutung der noch nicht dageweſenen Vokabeln angeben ¹) und dieſelben erſt nach Beendigung der Ueberſetzung auf einmal aufſuchen laſſen. Alle Schüler beginnen alsdann gleichzeitig das bezeichnete Wort zu ſuchen; der Lehrer läßt einen die Seitenzahl, einen andern die Spalte angeben, in der das Wort ſteht, einen dritten, an welcher Stelle es, ob oben oder unten, zu ſuchen ſei. Jedes Wort wird darauf durch einen kleinen Bleiſtiftſtich am Rande bezeichnet. Weil jedoch die Schüler die hier und dort zerſtreuten Vokabeln nicht gut aus dem Wörterverzeichniſſe lernen können, diktiert der Lehrer jedes aufgeſchlagene Wort, und die Schüler tragen es in ihre Vokabelheftchen ein. Nur ſo iſt es zu vermeiden, daß beim Einſchreiben der Vokabeln orthographiſche Fehler begangen werden. Allerdings wird es ſich empfehlen, daß der Lehrer noch von Zeit zu Zeit die Vokabelheftchen anſehe, um ſich zu überzeugen, ob alle Wörter ſorgfältig und fehlerlos geſchrieben ſind. Da ſonſt zu viel Zeit verloren gehen würde, beſchränke ſich der Lehrer auf das Diktat der lateiniſchen Wortform und weiſe die Schüler an zu Hauſe die Bedeutungen zu derſelben hinzuzufügen.
Täglich muß eine beſchränkte Zahl von Vokabeln repetiert werden, weil dieſelben andernfalls bald vergeſſen ſein würden. Dies iſt beſonders bei denen nötig, die in den letztvorhergehenden Tagen neu ge⸗ lernt worden waren. Da dieſelben ſämtlich in die Vokabelheftchen eingetragen ſind, braucht der Lehrer nur anzugeben, von wieviel Tagen her die Vokabeln zu repetieren ſeien. Von Zeit zu Zeit müſſen auch
¹) Richter, der lateiniſche Elementarunterricht, S. 24.


