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Beilage.
Der Brief Welders.
Es bleibt noch eine Urkunde genauer zu betrachten, die wir mit Absicht in der zusammen- hängenden Darstellung unerwähnt ließen, um gleich im Voraus zu zeigen, daß ihr Inhalt keinen wesentlichen Factor in der natürlichen und logischen Entwickelung der Dinge bildet. Wir meinen den Brief Welders an einen Ungenannten, d. d. Mainz, 5. Februar 1384,(Janßen, Fr. R.-C. Nr. 37, R. A. I. Nr. 236), in dem es heißt:„und wisse, das ich in großer heimelikeit virnomen han alz von viranderunge am riche wegin von eczlichin herren den fursten zu tunde, und wullen einen kung in Dutsche lande han. und sint frunde uz Nurberg hie und weren vaste irschrocken und sagent„daz wirt stosse gebin und uns stedtin nu vaste schedelich sint“. und meinent, iz kome von dem der nu nit hie is, und eczwaz swach am libe, jedoch alliz ergert. und sagent ouch„is is des augenknippers schult“. und sint herteclich verschrocken. und wullent nache Beheim schicken zum kung. und wullent zu alle iren heimlichen schicken und dez irfarn“. Es ist selbstverständlich, daß dieser Brief geeignet ist, die volle Aufmerksamkeit des Forschers auf sich zu ziehen. Was zunächst die Datirungsfrage anbelangt, so glaubte Menzel(Histor. Zeitschrift XXXVII. S. 169 ff.), in Anbetracht des Inhalts die Datirung Janßens anzweifeln zu müssen und den Brief ins Jahr 1386 setzen zu sollen; seine Bedenken und Gründe sind nicht stichhaltig. Lindner(Histor. Zeitschrift Bd. 39, S. 323 fl.) und Quidde(a. a. O. S. 28 ff.) sind der Ansicht, daß das Datum 1384 bis jetzt nicht als unrichtig erwiesen ist. Den Forschern nun, die an Janßens Datirung festhalten, hat der Brief zu den weitgehendsten Folgerungen Anlaß gegeben. Weizsäcker(R. A. I. S. 422, II. S. 21 Anm. 12) und Voiß(S. 29— 31) schließen aus dem Briefe des Kaplans, daß im Monat Februar des Jahres 1384 eine gegen Wenzel gerichtete Verschwörung der Fürsten bestand; ja sie gehen so weit, den Erzbischof Adolf von Mainz als den Anstifter und den Pfalzgrafen Ruprecht I. als den Thron-Can- didaten dieser revolutionären Bewegung zu bezeichnen. Was die Vermutung in Betreff des Kur- fürsten Ruprecht betrifft, so hat schon Lindner(G. d. d. R., Bd. I. S. 217) betont, daß sie jeder sachlichen Begründung entbehrt; der von Voiß(a. a O. S. 31) angeführte und von Weiz- säcker(R. A. II. S. 21) sogar einer Belobigung für würdig erachtete Hinweis auf„ambitionem illam familiarum Wittelsbachiae ac Nassoviae, quae non iam erant oblitae, totius Germaniae se te- nuisse principatum“(!) ist doch keine historische Begründung. Aber wie verhält es sich mit der Verschwörung an sich? Das Gerücht von einer solchen wird uns mitgeteilt: war das Gerücht begründet? Lindner bejaht die Frage(a. a. O. S. 217), doch ohne besondere Gründe anzu- führen; Quidde(a. a. O. S. 30— 33) sucht auch zu beweisen, daß der Bericht Welders auf Wahrheit beruhe. Aber seine Beweisgründe stehen auf sehr schwachen Füßen; er beruft sich auf das Bündnis Wenzels mit dem Herzoge Wilhelm von Berg vom 10. Dezember 1384, worin der Her- zog erklärt:„were auch sachge dat sich emant tgaen yn wulde opwerpen und yn wulde hinderen an dem rychge und auch allen sinen landen und luden, wae he de hait, dae sol ich ene helpen und raeden“;(a. a. O. S. 32); ferner beruft er sich auf die von Ebrard,(„Der erste Annäherungs- versuch König Wenzels an den Schwäbisch-Rheinischen Städtebund“) veröffentlichten Urkunden, wonach Wenzel Ende 1384 mit den Städten über ein Bündnis unterhandelt(also nicht ge-


