Aufsatz 
Die Politik König Wenzels gegenüber Fürsten und Städten im Südwesten des Reiches : 1. Teil. Von seiner Wahl bis zum Vertrag zu Heidelberg
(1384)
Entstehung
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schlossen!) hat, gegen alledie sich wider in und daz Romesche riche secztent. Aber wir er- innern uns, daß im März 1383 die Kurfürsten und Fürsten dem Könige ein ähnliches Versprechen gegeben haben, bei welcher Gelegenheit wir schon darauf hin wiesen, was aus einem derartigen Versprechen nicht geschlossen werden darf. Was aber das Bündnis Wenzels mit dem Herzoge von Berg anbetrifft, so legt die Knlichkeit seines Wortlauts mit dem Art. 21 des Nürnberger Herrenbundes die Vermutung nahe, daß der Herzog von Berg noch nachträglich in diesen Herren- bund aufgenommen wurde. Dieser Nürnberger Herrenbund wurde durch die Heidel- berger Stallung durchaus nicht aufgehoben, sondern der Art. 16 derselben be- stimmt ausdrücklich den Fortbestand dieser Einung zwischen König und Fürsten.(R. A. I. Nr. 246, Art. 16.)

Wir halten darum die von Quidde zur Unterstützung des Berichtes Welders beigebrachten Gründe für nicht ausreichend. Da wir aber außer diesem Briefe bis jetzt nicht den geringsten Beweis dafür haben, daß die Fürsten im Anfange des Jahres 1384 die Absicht gehegt hätten, Wenzel zu stürzen, so stehen wir nicht an, die Glaubwürdigkeit des Berichtes selbst in Zweifel zu ziehen.

Menzel(a. a. O.) hat schon darauf hingewiesen, wie unwahrscheinlich, ja unmöglich es ist, daß die Fürsten, die soeben den Ausbruch des Kampfes mit den Städten befürchten mußten (R. A. I. Nr. 237), zur selben Zeit ein Vorgehen gegen den König planten; eine derartige Politik, deren notwendige Folge die Vereinigung der luxemburgisch-böhmischen Hausmacht mit den Städten sein mußte, hätte in der That den Namen eines politischen Selbstmordes verdient, und ein solcher ist weder dem schlauen Adolf von Mainz, noch dem klugen und erfahrenen Ruprecht I. zuzutrauen. Ferner, auch abgesehen davon, daß wir kein weiteres positives Zeugnis haben, und davon, daß auch nicht die geringste Spur eines solchen Gerüchtes in den reichhaltigen städtischen und speciell Nürnberger Nachrichten zu finden ist weder die Politik des Königs noch die der Kurfürsten gibt uns Anlaß zu schließen, daß eine Entfremdung zwischen ihnen eingetreten war, die bis zur Revolution hätte führen können; grade darum haben wir die Erörterung dieser Urkunde in der chronologischen Reihenfolge vermieden, um zu zeigen, daß die ganze Entwickelung der Verhält- nisse bis zur Heidelberger Stallung eine völlig natürliche ist. Der sonst so scharfsinnige Quidde muß daher auch bei dem(mißglückten!) Versuche, die Voraussetzung einer Fürstenverschwörung mit den unbestrittenen und unbestreitbaren Thatsachen in Einklang zu bringen, zu psychologischen Kunststücken seine Zuflucht nehmen.(Vergl. Quidde a. a. O. S. 38, 391!). Kurz, wir sind der An- sicht: daß das Gerücht in dem Umfange, in dem es uns in Welders Brief ent- gegentritt, unbegründet war, daß im Anfange des Jahres 1384 eine Verschwö- rung der Fürsten gegen Wenzel nicht bestanden haben kann.¹)

Und doch kann Welder seine Mitteilungen nicht ganz aus der Luft gegriffen haben. Die Notiziz kome von dem der nu nit hie is etc. wird mit Recht von Janßen und den übrigen Forschern auf den Erzbischof von Mainz bezogen.(Vergl. Quidde a. a. O. S. 29. Wer derAugen- knipper ist, kann nicht angegeben werden.) Sie gibt uns auch Aufschluß über den richtigen Kern, der dem Berichte zu Grunde liegt, und der recht wohl in einer Agitation des Erzbischofs A dolf gegen den König oder besser gegen die königlichen Vermittlungsversuche bestanden haben wird.

¹) Wir finden nachträglich, daß auch Sie glerschmidt:De Wenzeslao R. R. eiusque adversariis et depositione Jenaer Diss. 1876 S. 10, die Glaubwürdigkeit des Berichtes in Frage stellt, ohne nähere Gründe anzugeben.