Aufsatz 
Die Politik König Wenzels gegenüber Fürsten und Städten im Südwesten des Reiches : 1. Teil. Von seiner Wahl bis zum Vertrag zu Heidelberg
(1384)
Entstehung
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Im Chron. Mog.(pag. 210, 211) erzählt uns der Chronist von den schweren Verfolgungen und Be- drückungen, die in den Jahren 1383/84 der Clerus von Mainz und auch der anderer Stifter von der Pessima liga, dicta: der bundt zu erdulden hatte. Was half es den Bischof, daß der König im Interesse jenes alle Privilegien der Stadt Mainz widerrief, welche dem Erzbischof und der Geistlichkeit schädlich sein könnten(Lindner Bd. I., S. 212), wenn die Stadt im Vertrauen auf ihre Bundesstädte es wagen konnte, auch die gewöhnlichsten Rechte des Clerus mit Füßen zu treten? Darum entspricht es nur der Stimmung des Erzbischofs und des Clerus, wenn das Chron. Mog. vom Ende des Jahres 1383 meldet:Wentzelaus rex Romanorum tenens partem Urbani Romae presi- dentis minime curavit scisma nec quicquam utile egit pro regno Romano, sed mansit Pragis in Bo- hemia vacans suis voluptatibus.¹)) Erzbischof Adolf mag es also gewesen sein, der einen in seinem Sinne regierenden König in seiner Nähe haben wollte; aber selbst wenn wir annehmen, daß er versucht habe, die übrigen Fürsten für seinen Wunsch zu gewinnen, so ist sicher, daß er keinen Anklang fand. Der Briefschreiber aber, der selbst Kleriker war, konnte recht leicht die heimliche Fürstenzusammenkunft in Mergentheim im Januar 1384(R. A. I. Nr. 237) und die Kriegsvorberei- tungen der Fürsten als gegen den König gerichtet ansehen und demgemäß nach Hause berichten. War er doch ein blutjunger Frankfurter,(Quidde a. a. O. S. 29), ein Kind der alten treuen Reichs- stadt, dem das reiche politische Getriebe in dem Zwitterwesen der rheinischen Bundes- und Bischofs- stadt zu manchen irrigen Vermutungen Anlaß gegeben haben mag.

¹) Chron. Mog. pag. 210. Der Chronist fährt fort:Clerus Maguntinus et aliarum civitatum de confe- deratione dicta.. quam cives dictarum civitatum inter se fecerunt, maximam persecutionem plasphemiam et in- juriam patitur, de quo longum esset scribere. 3