Aufsatz 
Die Politik König Wenzels gegenüber Fürsten und Städten im Südwesten des Reiches : 1. Teil. Von seiner Wahl bis zum Vertrag zu Heidelberg
(1384)
Entstehung
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Kapitel III.

Der rheinische Städtebund. Bündnis des rheinischen Städtebundes mit dem schwäbischen. Kurfürstenbund.

Auf dieselben Tage, in denen der Mainzer Bistumsstreit endgültige Erledigung fand (Fehruar 1381), gehen die ersten Spuren der Verhandlungen zurück, die zur Gründung des rheinischen Städtebundes führten.¹) Der nächste und hauptsächlichste Zweck der Vereinigung war der, sich gemeinschaftlich gegen die Rittergesellschaften zu vertheidigen.) Am 20. März 1381 wurde der Bund geschlossen, gegen den Willen des Königs;s) darum besprachen schon am folgenden Tage die Bundesstädte Mainz, Straßburg, Worms, Speier, Frankfurt, Hagenau, Weißenburg die Mög- lichkeit bezw. Notwendigkeit eines gemeinsamen Widerstandes gegen Jedermann, wer es auch sei, der sie von ihrem Bunde trennen wollte; damit konnte gewiß auch der König gemeint sein. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, daß eine urkundliche Verpflichtung in diesem Sinne zu Stande kam, während in der officiellen Gründungsurkunde des Bundes und dies ist ein charakteristisches Merkmal gegenüber dem schwäbischen Städtebunde grade die Hilfeleistung gegen den König ausdrücklich ausgenommen war. 4) Gleichwol ist festzuhalten, daß auch die weiteren Schritte der rheinischen Städte auf einen bewußten Gegensatz gegen den König und die Fürsten nicht schließen lassen; ja die rheinischen Städte traten nachweislich mit den rheinischen Kurfürsten in Unter- nandlung, um deren Hilfe gegen die Rittergesellschaften zu gewinnen.) Diese Verhandlungen schlugen freilich fehl. Einen gleichartigeren Bundesgenossen aber fanden die rheinischen Städte am Schwäbischen Städtebund: am 17. Juni 1381 vereinigte sich der rheinische Städtebund mit dem Bunde der schwäbischen Städte zu gegenseitigem Schutze.) Was auch alles auf der großen Ver- sammlung der städtischen Ratsherren zu Speier mag erwogen worden sein, ein politisches Pro- gramm, dessen Spitze sich gegen König und Fürsten richtete, ist keinesfalls festgestellt worden; der ursprüngliche Zweck der Vereinigung beider Bünde wird uns wol von dem durchaus bundes- feindlichen und feudalgesinnten Verfasser des Chron. Mog. richtig angegeben, wenn er sagt:Die Städte um den Rhein herum verbanden sich mit den freien und Reichsstädten Schwabens... in der Absicht, den Räubern, die überall herumschweiften, Widerstand zu leisten.*) Daß aber auch die allgemeinen städtischen Interessen nicht aus den Augen verloren wurden, beweist der Umstand, daß die zwei Bünde an demselben 17. Juni in einem Nebenvertrage sich zur Hilfeleistung ver- pflichten gegen Jeden ohne Ausnahme, der ihre soeben geschlossene Vereinigung irgendwie trennen wollte.) Hierbei konnte um so eher an den König gedacht sein, als den Städten ohne Zweifel bekannt war, daß Wenzel die Vereinigung beider Bünde zu hintertreiben gesucht hatte.)

¹) Eine eingehende, zum grössten Teil auf neues handschriftliches Material gestützte Geschichte der Entstehung des Bundes gibt Quidde:»Der rheinische Städtebund von 13814, Westdeutsche Zeitschr. für Gesch. u. Kunst II, 1883. ²) a. a. O. S. 332.) a. a. O. S. 327. ¹⁴) a. a. O. S. 335, 337, Beilage 2.) Quidde, a. a. O. ³) Lünig, Reichsarchiv, part. spec. IV. Contin. S. 33 35. Wir lassen es dahingestellt, von welchem der beiden Bünde die Anregung zur Vereinigung ausging; die von Quidde(a. a. O.) ausgesprochene Vermutung, dass die Initiative auf Seiten der rheinischen Städte zu suchen sei, ist ungenügend begründet. R. A. S. 306, Anm. 1 beweist nur, dass die rheinischen Städte den einmal angeregten Gedanken festhielten.*) Chron. Mog. S. 206. 8) Quidde, a. a. O. S. 341, 342, Beilage 3. ⁵⁹) R. A. I, S. 306, Anm. 1.