Aufsatz 
Die Politik König Wenzels gegenüber Fürsten und Städten im Südwesten des Reiches : 1. Teil. Von seiner Wahl bis zum Vertrag zu Heidelberg
(1384)
Entstehung
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erledigen. Dies geschah denn auch wenige Tage darauf. Am 4. Februar 1381 wurde Adolf, da er doch einmal im Besitze des Erzbistums war und mit zäher Ausdauer es festhielt, vom Könige als Erzbischof von Mainz anerkannt, die Privilegien wurden bestätigt;¹) als Gegenleistung erkannte er natürlich Urban VI. an, nahm von ihm die Provision und trat in den Urbansbund vom Februar 1379 ein.) Von Urban bestätigt, vom Könige anerkannt, hielt Adolf am 28. April d. J. einen glänzenden Einzug in Mainz und ward von Klerus und Volk feierlich und freudig empfangen.¹) Ludwig von Meißen erhielt das Erzbistum Magdeburg, Erzbischof Peter von Magdeburg das Bistum Olmütz. Ludwig starb aber bereits am 17. Februar 1382.4)

Dieser Ausgang der Mainzer Angelegenheit läßt uns den Zustand des Reiches wahrlich nicht im günstigsten Lichte erscheinen. Bis ins achte Jahr hatte ein Mann, gegen den sich Papst und Kaiser erklärt hatten, ein Erzbistum mit Gewalt behauptet und es schließlich erreicht, daß das weltliche und das geistliche Oberhaupt ihn anerkannten unter der Bedingung, daß er sie aner- kannte! Ubrigens ist die Politik Wenzels in diesem Punkt nicht viel verschieden von der seines Vaters, der bei Besetzung der Bistümer ebenfalls darauf verzichtete, andere Ziele zu verfolgen, als die, welche persönliche Interessen oder äußere Notwendigkeit ihm vorschrieben.) Bei der Be- urteilung der Haltung Wenzels müssen wir aber um so vorsichtiger sein, als wir oben gesehen haben, von welchem Einfluß die Kurfürsten auf seine Entschließungen waren. Wenzel durfte sich nicht allzuviel Gutes versprechen von diesem Fürsten, den er bis jetzt als Rebellen behandelt, für ihn war die Hauptsache, daß das Erzbistum Mainz sich der Partei Urbans anschloß; die Kurfürsten aber mochten recht wol geneigt sein, den energischen und mächtigen Nassauer in ihr Collegium aufzunehmen.

War der Abfall von Mainz schon ein harter Schlag für die französische Partei, so mußten sich ihre Aussichten noch mehr trüben in Folge der engen Verbindung Deutschlands mit England, die jetzt bevorstand. Auf diesem Nürnberger Reichstage nämlich erteilte der König drei Gesandten die Vollmacht zum Abschluß eines Bundesvertrages für sich und seine Erben an der Böhmischen Krone mit Richard II. von England; der Vertrag, der am 2. Mai d. J. im Westminster-Palast zu London beschworen wurde, hatte sich u. A. auch die Ausrottung der Schismatiker zur Aufgabe gesetzt.) Mit den Gesandten aber hatte sich zugleich auch der Cardinal Pileus nach England begeben, um mit dem englischen Parlamente zu unterhandeln wegen einer Heirat des englischen Königs mit Wenzels Schwester Anmna.*) Die Verhandlungen waren von Erfolg: noch vor dem Ende des Jahres 1381 langte Anna in London an.)

¹) R. A. I, Nr. 166 171. ²) a. a. O. Nr. 162. ³) Chron. Mog. S. 205.»Et sic ab ambobus papis fuit confirmatus«, fügt der Chronist behaglich hinzu. 4) Chron. d. d. Städte VII, S. 280/281. Chron. Mog. S. 207. ) Kröger, der Einfluss und die Politik Kaiser Karls IV. bei der Besetzung der deutschen Reichsbistümer. 1. Teil. Diss. Münster 1885.) R. A. I, S. 281. ¹) Pauli, Auszüge zur Reichsgeschichte unter Wenzel und Ruprecht aus einer englischen Quelle, Forsch. z. d. G. XVII, S. 614. Ein Vertrag Karls IV. mit dem Landgrafen Friedrich von Meissen aus dem Jahre 1373, wonach dessen Sohn, damals allerdings erst 3 Jahre alt, Karls Tochter Anna heiraten sollte, blieb hierbei völlig unberücksichtigt. Wenck, die Wettiner im 14. Jahrhundert. Leipz. Diss. 1877, S. 22. Dass zu gleicher Zeit von Frankreich um Anna geworben wurde, wie Wenck a. a. 0. S. 82 angibt, konnte ich nicht finden.) Palacky, Geschichte von Böhmen; Bd. III, S. 24.