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Doch scheint es im Großen und Ganzen mit der Anerkennung Urbans noch immer lang- sam gegangen zu sein.¹) Ja Bischof Adolf von Speier*) trat offen auf die Seite von Clemens VII. Hier war rasche Abhilfe dringend geboten, wenn nicht Deutschland durch das Schisma in zwei feindliche Heerlager gespalten werden sollte, zumal da auch Herzog Leapold von östreich den französischen Papst anerkannte.“) Der Städtebund, der wol seinen Beitritt zur Partei Urbans von seiner Anerkennung durch den König abhängig machen wollte, hielt sich schwankend. Wieder sind es zunächst die Kurfürsten, besonders der eifrige Ruprecht I., die wir zu Gunsten Urbans ent- scheidende Schritte thun sehen. Schon im September 1379 hatte Ruprecht die ihm verbündeten¹) Städte Schwabens um Hilfe gegen den schismatischen Bischof Adolf gemahnt;¹) ferner hatte er am 10. Oktober dem französischen König Karl V. ein Schreiben gesandt, das demselben die Partei- nahme des Königs und der Fürsten für Urban mitteilt und die einer Aufforderung nicht unähnliche zuversichtliche Hoffnung ausspricht, der König Karl werde ebenfalls die Partei der Anhänger Roms ergreifen.“) Am 11. Januar 1380 aber kamen, mitten im schneereichen*) Winter, die drei Kurfürsten von der Pfalz, von Köln und von Trier in derselben Angelegenheit zu Wesel zusammen. Dortselbst erläutern und verstärken sie die Frankfurter Erklärung vom Februar 1379; sie verpflichten sich zur sofortigen Waffenhilfe gegen Jedermann, besonders gegen jede Gesellschaft, die sich gegen Urban, gegen den König, das Reich und die Kurfürsten auflehne. ¹)
Wenn Voisßèꝰ) meint, die Kurfürsten hätten diesen Weseler Bund vor allem(imprimis) in eigenem Interesse geschlossen, besonders gegen Angriffe des Städtebundes oder der damals ent- stehenden Rittergesellschaften, so können wir dem nicht völlig beistimmen. Die Rittergesellschaften hatten bei ihrer Entstehung zunächst nur die Verteidigung ihrer einzelnen Mitglieder im Auge, wie Voiß selbst¹⁰) angibt. Mit dem Städtebund aber war Pfalzgraf Ruprecht seit dem 4. Juli 1379 in nähere Beziehungen getreten.¹¹1) Wir zweifeln daher nicht, daß es den Kurfürsten ernstlich darum zu thun war, sich gegen die Abtrünnigen und Lauen entschlossen zu zeigen und stehen nicht an, ihr Vorgehen als einen lobenswerten Act nationaler Politik zu bezeichnen; denn nur ein that- bereites Einverständnis des römischen Papstes mit dem deutschen Könige und den Reichsständen konnte den verderblichen Einfluß der französischen Partei verhindern und vernichten. Daß dies ge- schah, lag aber nicht nur im Interesse der Kurfürsten, sondern auch in dem des Reiches.
Aber die Thätigkeit der Kurfürsten ging noch weiter: sie schickten eine Gesandtschaft mit einem Schreiben an den König nach Prag. ¹²) In dem Briefe fordern die drei Kurfürsten den König kurz und energisch auf, bis längstens zum 4. März am Rhein eine Beratung mit den Kurfürsten abzuhalten wegen der Ubelstände, die das Schisma verursache; ¹³)„lasset Euch das Reich lieben“, fügen sie, väterlich ermahnend, bei. Noch wichtigere Aufklärung gibt uns die Instruction der Ge-
¹) Köln z. B. hat Ende 1379 in dem Schisma die Hände noch frei. Am 19. November 1379 richtet Clemens von Avignon aus eine dringende Aufforderung an die Stadt, ihn als rechtmäßigen Papst anzuerkennen. Wäre⸗Köln entschieden auf der Seite Urbans gewesen, so hätte er sich die Mühe gespart. Höchstwahrscheinlich sind ähnliche Noten an andere Städte abgegangen. Höhlbaum, Mitt. aus dem Stadtarchiv v. Köln, Heft XI, S. 66 ff. ²) S. oben S. 7,8. ³) Baluzius, Vitae Paparum Avenionensium T. I, S. 491.(Prima Vita ClementisVII.) 4) Vischer, Forsch. z. d. G., Bd. II, S. 34— 36. ⁵³) Lindner, Bd. I, S. 116. ³) R. A. I, Nr. 149. Dieser interessante Brief ist ein beredtes Zeugnis für den schlichten Sinn und die echte Frömmigkeit Ruprechts. *) Chron. Mog. a. a. O.:»Circa festum Nicolai cecidit maxima nix et postea super terram, qualis antea in XX annis non est visa.« ³⁸³) R. A. I, Nr. 152. Man beachte hier, wie die Kurfürsten ihre Stellung auffassen und betonen.*) De rege Wenceslao, pag. 11. ¹⁰) Nach Vischer, Forsch. II, S. 37. ¹1) Vischer, a. a. 0. reg. Nr. 136. ¹²) Die Urkunden ed. von Vochezer, Forsch. Bd. XV, S. 13 ffl. ¹³)»... und komet herus uf den Ryne wa iu gůt dunkt unverzogenlich, also daz ir uf mittevasten, daz ist uf den sunnentag Letare nechstkomet, uf daz lengest da seit, wan ez gross notdurft ist.« A. a. O.


