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Besitz des Erzbistums gesetzt und war nicht zu vertreiben, aber Ludwig, der vom ganzen Erzbis- tum nur das Städchen Salza in Thüringen in Händen hatte, führte den Titel und die Kurstimme bei der Wahl Wenzels und war auch als Kurfürst auf diesem ersten Reichstag Wenzels anwesend.¹)
Die politische und kirchenpolitische Constellation, unter der Wenzel seine Regierung antrat, ließ an Deutlichkeit, aber auch an Wichtigkeit nichts zu wünschen übrig. Welche Erfolge auch die Politik Karls während seiner langjährigen Regierung zu verzeichnen haben mochte— das Schisma in der Kirche und die Gründung des schwäbischen Städtebundes im Reiche drohten sie zu vernichten, und er konnte sich am Abend seines Lebens nicht verhehlen, wie schwierig die Lösung dieser beiden Aufgaben war, die er zugleich mit seinem Erbe seinem Sohne hinterließ.
Im Januar 1377 hatte Papst Gregor XI. den päpstlichen Stuhl nach Rom zurückverlegt. Er starb am 27. März 1378, am 8. April wurde der Erzbischof von Bari als Urban VI. gewählt, am 18. April gekrönt.²) Aber eine Anzahl französischer Cardinäle erklärten die Wahl für erzwungen, es gelang ihnen, noch andere zu gewinnen, und bereits am 31. Oktober desselben Jahres wurde der Gegenpapst, Cardinal Robert von Genf, als Clemens VII. zum Papste geweiht— die Kirchen- spaltung war somit geschaffen.¹) Frankreich trat sofort auf die Seite von Clemens, um wieder „Seinen Papst“ in Avignon zu haben, während Englands und Deutschlands Herrscher Urban als den rechtmäßigen Papst anerkannten.¹) Aber beim Tode Karls IV. war die Anerkennung Urbans in Deutschland noch lange nicht durchgedrungen, ja die Spaltung drohte, sich auszudehnen. Eine entschiedene Stellungnahme Wenzels war also unerläßlich. Und in der That scheint die Kirchen- frage auf dem ersten Reichstage die wichtigste Stelle eingenommen zu haben. Der König von Frankreich suchte Wenzel für die Partei des Papstes Clemens zu gewinnen; in seinem Auftrag war sogar der Erzbischof von Paris zu diesem Reichstage gekommen, um König und Fürsten zur An- erkennung des„französischen“ Papstes zu bewegen.) Die Bemühungen des französischen Kirchen- fürsten waren ohne Erfolg. Vielmehr wurde vor König, Fürsten und Volk öffentlich— wol von einem der anwesenden deutschen Bischöfe—„erörtert, gezeigt und klarer als das Sonnenlicht be- wiesen, daß Urban VI. der einzig canonisch gewählte und rechtmäßig gekrönte Papst sei“.⁰) Und am 27. Februar erklärte sich Wenzel im Verein mit den Erzbischöfen Kuno von Trier, Ludwig von Mainz, Friedrich von Köln und dem Pfalzgrafen Ruprecht I. und andern Fürsten und Getreuen für den römischen Papst Urban VI. und gegen den französischen Gegenpapst Clemens VII.; zugleich gelobten König und Fürsten allen Unglauben und Irrsal des Widerpapstes Robert von Genf und seiner Parteigänger, die sich Cardinäle nennen, auszurotten und zu verhüten, so viel sie immer vermögen.“) Auch die Städte scheinen versprochen zu haben, Urban anzuerkennen; jedenfalls aber beeilten sie sich nicht, ihr Versprechen zu halten.s) Zwar heißt es in der Erklärungsurkunde’), daß König, Kurfürsten und die andern Fürsten und Städte des Reiches Urban für den allein recht- mäßigen Papst anerkannt hätten, aber was hier als vollendete Thatsache hingestellt wird, ist nur der Wunsch des Königs und der Kurfürsten, die ja auch allein die Urkunde ausstellen.“) Es sollte also die Kirchenfrage gleichsam auf einen Schlag gelöst werden durch einen königlich-kurfürstlichen Beschluß, ein Reichsgesetz, dem die andern Stände, Fürsten und Städte, Folge leisten sollen.
¹) Chron. Mog., S. 201.— Das»Mainzische Münzcabinet« des verstorbenen Prinzen Alexander von Hessen enthält 10 Münzen(9 Goldgulden und 1 Silberpfennig), die von Adolf teils als»Bischof von Speier und Admini- strator von Mainz«, teils als»Erzbischof von Mainz« geprägt sind(ohne Jahr). Münzen von Ludwig sind nicht vorhanden. ²) Lindner, die Wahl Urbans VI. 1378, in Sybels Hist. Zeitschrift, Bd. 28. ³) Lindner, Gesch. d. d. R., Bd. I, S. 85. Zur Entstehung des Schismas vergl.:»Caroli VI, Regis Francorum literae ad Bo- noniensem Academiam de tollendo Schismate sub Urbano VI«, Baluzius, Miscellanea, ed. Mansi, Lucae 1761, Bd. I, S. 446— 448. 4¹) Lindner, a. a. O. S. 90. ⁵) Chron. Mog., S. 201l. ³⁶) R. A., I, Nr. 142.*) R. A., I, Nr. 129. ⁵) S. die Verhandlungen des folgenden Reichstages; ferner: Meyer, das Schisma unter König Wenzel und die deutschen Städte, Forsch. z. d. G., Bd. XVI, S. 353— 356.*) R. A., I, S. 235, Z. 15 ff.


