Aufsatz 
Die Politik König Wenzels gegenüber Fürsten und Städten im Südwesten des Reiches : 1. Teil. Von seiner Wahl bis zum Vertrag zu Heidelberg
(1384)
Entstehung
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Kapitel I.

Wenzel als Alleinherrscher. Der Reichstag zu Frankfurt. Kirchenspaltung und Reichsstände auf diesem ersten Reichstage.

Karl IV. starb am 29. November 1378. Wenzel war jetzt Alleinherrscher und berief sofort einen ersten Reichstag nach Nürnberg, der jedoch später aus unbekannten Gründen nach Frank- furt a. M. verlegt wurde.¹) Der Zusammentritt der Reichsstände verzögerte sich bis zum Februar 1379.2) Fürsten und Städte waren in Frankfurt vertreten.¹) Unter den anwesenden Fürsten be- merken wir vor allen die vier rheinischen Kurfürsten: den schon genannten Ruprecht I. von der Pfalz, und die Erzbischöfe Kuno von Trier, Friedrich von Köln und Ludwig von Mainz. Kuno von Falkenstein war seit 1362 Erzbischof von Trier;¹) er war begabt mit Einsicht und Kraft. Seit 1366 zugleich Coadjutor für Köln, ordnete er die verworrenen Verhältnisse dieses Erzstifts mit energischer Hand.) Ferner gelang es ihm, als der Kölner Stuhl 1368 ledig wurde, seinem Neffen, dem jungen Grafen Friedrich von Saarwerden, das Erzbistum zuzuwenden. Dieser wurde im Jahre 1370, erst 22 Jahre alt und zur Zeit noch Student in Bologna, auf Kunos Betreiben vom Kölner Kapitel postulirt und vom Papste Urban V. bestätigt.6) Karl IV. war seiner Zeit aus leicht begreiflichen Grün- den gegen diese Familienpolitik Kunos und suchte vergeblich die Bestätigung Friedrichs zu hinter- treiben.) Dann aber änderte er seine Politik mit Rücksicht auf die Wahl Wenzels, erkannte Friedrich an und unterstützte ihn in dem Kampfe, den dieser mit der Stadt Köln führte.¹) In Mainz herrschte seit dem Jahre 1373 Streit um das Bistum. Das Domcapitel hatte einstimmig den Speirer Bischof Adolf, Grafen von Nassau gewählt, während der Papst auf Bitten Karls das Erzbistum dem Bamberger Bischof Ludwig von Meißen zuerteilte:*) Adolf hatte sich sofort in den

¹) R. A., I, Nr. 126 128. ²) Der Reichstag war ursprünglich nach Nürnberg ausgeschrieben(R. A., I, Nr. 126, 127). Der König fand sich selbst dort ein, verlegte aber, laut eines Aufforderungsschreibens an Straß- burg,»nach Rat der Kurfürsten, Fiürsten und Städte des Reichs« den Tag nach Frankfurt a. M.(Nr. 128), obwol man mit der Behandlung der Reichsangelegenheiten schon begonnen hatte(R. A., I, Nr. 133). Der Grund der Verlegung ist nicht ersichtlich; er war wol nur äußerlicher Natur.»Weil aber die Reichsfürsten lieber in Frankfurt zusammenkommen wollten, so schrieb er den Reichstag dahin aus«, sagt Pelzel, Gesch. der Böhmen, Bd. I, S. 275, ohne Beweise dafür anzuführen. ³) R. A., I, Nr. 141. ¹) Görz, Regesten der Erzbischöfe von Trier, Bd. I, S. 97. ⁵³) Kröger, der Einfluß und die Politik Kaiser Karls IV. bei der Besetzung der deutschen Reichsbistümer, I. Teil, Diss. Münster 1885, S. 81. ³) Kröger, a. a. O. S. 82. Fecker, Friedrich von Sarwerden, Erzbischof von Köln und Herzog von Westfalen, 1. Teil, Diss. Münster 1880, S. 8, 9.*) Kröger, a. a. 0O., S. 87. Fecker, a. a. O. S. 10.) Böhmer-Huber, a. a. O. Nr. 5473; Ennen, Gesch. der Stadt Köln, Bd. II, S. 719.*) Chronikon Moguntinum, i. Chr. d. d. Städte, Bd. XVIII, S. 188. Vergl. Handloß, Adolf I., Erzbischof von Mainz, Graf von Nassau, und sein Gegner Ludwig, Bischof von Bamberg, Markgraf von Meißen, I. Teil, Diss. Breslau 1872, S. 16 ff.