10
denn aus ihm soll eine wichtige Schlußfolgerung gezogen werden. Das geschieht durch die Fragen: Was heißt es denn, die Westküste von Skandinavien, Hamburg und München liegen auf derselben Januarisotherme? Inwiefern ist es merkwürdig, daß die skandinavische Westküste, Hamburg und München dieselbe mittlere Januar- temperatur haben? Was für Temperaturen müßte die Westküste im Vergleich zu Hamburg und München eigentlich haben? An dieser Stelle füge ich hinzu, daß diese Temperaturverhältnisse nicht nur für den Monat Januar gelten, sondern daß auch in den anderen Monaten die skandinavische Westküste und ein Teil der übrigen Halbinsel Temperaturen haben, wie sie sonst nur südlicheren Gegenden zukommen. Das zeigt der Verlauf der Jahresisothermen. Dann stelle ich die Frage, die alles zusammenfaßt, was aus den lsothermen erschlossen worden ist: Was für ein Land ist also Skandinavien und besonders seine Westküste in bezug auf die Temperatur- verhältnisse? Skandinavien und besonders seine Westküste sind warm, d. h. warm im Verhältnis zur geographischen Breite.
Nun muß der Unterricht zurückgreifen. Aus der Lage Skandinaviens zum Aquator, zum Meere und aus der Höhenlage hatte sich ergeben, daß es ein kälteres Land sein müsse. Der Verlauf der Isothermen beweist aber, daß Skandinavien, namentlich die Westküste, tatsächlich nicht kalt ist. Die Gegenüberstellung dieser beiden Sätze führt zu der Schlußfolgerung, daß Skandinavien im Verhältnis zu seiner geographischen Breite zu warm ist.
Die nächste Aufgabe des Unterrichtes muß darin bestehen, die Ursache dieser merkwürdigen Erscheinung aufzudecken. Sie ist eine Folge des Golfstromes. Da die Schüler im Unterricht mit den Meeresströmungen noch nicht näher bekannt geworden sind, muß die Erklärung, aber auch nur zum Teil, geboten werden. Aus der Karte der Meeresströmungen*) ersehen die Schüler, daß die Meere ähnlich wie das Festland von Strömungen durchzogen sind. Das sind die Meeresströmungen. Die verschiedene Färbung deutet an, daß es kalte und warme Strömungen gibt. Eine warme Meeresströmung ist der Golfstrom, der in nordöstlicher Richtung den atlantischen Ozean durchfließt. Seine Entstehung(Name) und sein Verlauf werden verfolgt. Dadurch finden die Schüler, daß er die skandinavische Westküste in ihrer ganzen Länge trifft. Die Bedeutung dieser Erscheinung wird durch die Frage erkannt: Welche Folge hat das Auftreffen des Golfstromes, dieser warmen Meeres- strömung, auf die Westküste? Die Wirkung des Golfstromes wird durch die Tatsache erläutert, daß bis hoch in den Norden die Häfen der Westküste eisfrei bleiben. Daraus müssen die Schüler die Bedeutung des Golfstromes für die Schiffahrt erschließen. Die folgende Frage bringt dann die Erklärung der positiven Wärmeanomalie der skandinavischen Westküste: Wie können wir jetzt erklären, daß die Westküste und auch das übrige Skandinavien zum Teil im Verhältnis zur geographischen Breite zu warm sind?
Dadurch aber, daß ein hohes und breites Gebirge der Westküste parallel zieht, ist der Einfluß des Golfstromes hauptsächlich auf die Westküste beschränkt. Der Gebirgsrücken ist ihm infolge seiner Höhe entzogen; er hat also niedrige Temperaturen. Er ist aber auch die Ursache, daß der Golfstrom seinen wärmenden Einfluß nur in sehr beschränktem Maße auf das östliche Flachland ausdehnen kann. Dieses ist deshalb bedeutend kühler als die Westküste. Nach Norden nimmt es in seiner Temperatur rasch ab. Durch geeignete Fragen werden diese Verhältnisse leicht erkannt.
Der Gegensatz zwischen dem Westen und dem östlichen Flachland, wie ihn die Bodengestaltung und die Niederschlagsverhältnisse aufweisen, findet sich also auch in der Verteilung der Temperatur. Das ergibt sich im Unterricht durch die Frage: Wodurch unterscheiden sich also die Westküste und das östliche Flachland außer durch Bodengestaltung und Niederschlagsmenge?
Die Niederschlags- und Temperaturverhältnisse bedürfen nun einer Zusammen- fassung. Unter welchem Begriff vereinigt man die Temperatur- und Niederschlags-
⁴) S. 12.


