Aufsatz 
Skandinavien im geographischen Unterricht der Quarta
Entstehung
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Zweiteilung der Halbinsel und ihre Begründung in der Bodengestaltung wird durch die Fragen: In wieviel Teile zerfällt Skandinavien nach der Niederschlagsmenge? Welches sind die beiden Teile? und: Worin liegt die Ursache der verschiedenen Verteilung der Niederschläge? scharf hervorgehoben.

Bei der Ableitung der Niederschlagsverhältnisse benutze ich die Regenkarte*) im Atlas nicht. Sie wird erst jetzt herangezogen, um den Schülern die Ergebnisse der Gedankenarbeit zu bestätigen und zu veranschaulichen. Mit dem Lesen der Karte wird zugleich eine Wiederholung der Niederschlagsverhältnisse verbunden.

Die Temperaturverhältnisse eines Landes sind durch drei Faktoren, durch seine Lage zum Aquator, durch seine Lage zum Meer und durch seine Boden- gestaltung oder besser ausgedrückt durch seine Höhenlage bestimmt. Diesen bekannten Satz Jasse ich zunächst wiederholen. Er zeigt dem ÜUnterricht den einzuschlagenden Weg; er muß auf die Bedeutung jedes dieser drei Faktoren für die Temperaturverhältnisse eingehen. Aus Gründen, die sich später ergeben, geschieht das aber immer in einschränkender Form. Der Einfluß der Lage Skandinaviens zum Aquator auf die Temperatur des Landes wird unter Bezugnahme auf Deutschland in folgender Weise abgeleitet. Ich lasse den früher erwähnten mittleren Parallelkreis Skandinaviens noch einmal angeben und ziehe zum Vergleich den 50. Parallel- kreis, den mittleren Deutschlands, heran. Dadurch ergibt sich, daß Skandinavien ungefähr 13 Breitengrade nördlicher liegt als Deutschland. Die Frage: Was für Temperaturen müßte also Skandinavien nach seiner geographischen Breite haben? führt zu dem Schluß, daß Skandinavien entsprechend seiner Lage zum Aquator ein bedeutend kälteres Land als Deutschland sein müßte.

Die Lage eines Landes zum Meere ist insofern von Bedeutung für die Temperatur, als es von der Entfernung des Meeres abhängt, ob das Land Küsten- oder Binnenklima hat. Die Frage: Was für Temperaturen müßte Skandinavien nach seiner Lage zum Meere haben? muß, da Skandinavien eine Halbinsel ist, die Antwort ergeben, daß Skandinavien unter dem Einfluß des Ozeans durch höhere Temperaturen ausgezeichnet sein müßte. Aber das hohe westliche Gebirge wirkt dem günstigen Einfluß des Meeres entgegen. Das wird durch die Frage festgestellt: Wodurch ist aber ein derartig günstiger Einfluß des Meeres wieder aufgehoben? Daran schließt sich die Frage: Was für ein Land müßte also Skandinavien nach seiner Lage zum Aquator, zum Meere und nach seiner Höhenlage sein? Die Antwort, daß Skandinavien ein kaltes Land sein müßte, ist vorläufig als das Ergebnis des Unterrichtes zu betrachten. Bei seiner Ableitung ist die Temperaturkarte**) nicht benutzt worden. Das geschieht erst jetzt.

Aus dem Verlauf der Oo- Januarisotherme ergibt sich, daß Skandinavien im Verhältnis zu seiner geographischen Breite zu warm ist. Diese merkwürdige Erscheinung findet ihre Erklärung in dem Einfluß des Golfstromes.

Zur Ableitung dieser eigentümlichen Temperaturverhältnisse benutze ich die in die Temperaturkarte eingezeichneten Isothermen; denn sie sind sehr geeignet, den Schülern diese Verhältnisse anschaulich zu machen. Mit der Entstehung und dem Zweck der Isothermen sind die Schüler schon vertraut. Nur zur Wiederholung lasse ich daher die Entstehung der Jahresisothermen nochmals schildern. Besser aber als durch die Jahresisothermen ist die Eigenart der skandinavischen Temperatur- verhältnisse durch die Oo-Januarisotherme veranschaulicht. Nach kurzem Eingehen auf die Entstehung dieser Wärmelinie, die den Schülern von der Behandlung des Klimas Rußlands her bekannt ist, wird ihr Verlauf verfolgt. Dabei finden die Schüler, daß die Oo-Januarisotherme die Lofot-Inseln berührt, dann der Westküste Skandinaviens entlang läuft, um in südlicher Richtung Hamburg und München nahezu zu berühren. Diesen Verlauf der 0o-Januarisotherme muß der Unterricht deutlich hervorheben;

*) S. 77. ) S. 77.