Aufsatz 
Skandinavien im geographischen Unterricht der Quarta
Entstehung
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Beilage zum Jahresbericht der Groszherzoglichen Realschule zu Oppenbeim. Ostern 1909. 69 5

I.

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H. Heymann,

der Quarta.

Geographie oder Erdkunde ist die Wissenschaft von der Erde sowie von der Wechselbeziehung zwischen der Erde und ihren Bewohnern. So leitet Kirchhoff seineGeographie(Baumeisters Handbuch XII) ein und gibt damit dem geographischen Unterricht den Stoff und zugleich die Richtlinien, die er einzuhalten hat, wenn er seiner Aufgabe gerecht werden will. Denn diese besteht darin, daß er den Schülern eine Vorstellung geben soll von dem geologischen Aufbau der Erdrinde und der damit in engem Zusammenhang stehenden Gestaltung der Erd- oberfläche, die wieder für die Anordnung der Gewässer bestimmend ist. Daraus und aus der Lage eines bestimmten Teiles der Erde, sei es ein einzelnes Land oder eine einzelne Landschaft, muß der Unterricht das Klima des betreffenden Teiles ableiten. Der geologische Aufbau, die Bodengestaltung, die Bewässerung und das Klima, das sind die Faktoren, die die Entwicklung der Pflanzen- und Tierwelt bedingen. Und dieselben Faktoren und nicht minder die Pflanzen- und Tierwelt man denke nur an die Nutzpflanzen und die Haustiere bilden ja die Grundlage, auf der sich das ganze Kulturleben des Menschen aufbauen muß.

Der Unterricht muß diesen Stoff nun so durcharbeiten, daß er, weniger Wert auf die Namen von Gebirgen, Flüssen, Städten usw. legend, den ursächlichen Zusammenhang in einer dem Schüler faßlichen Form erkennen und hervortreten läßt. Das geschieht am besten durch Urteilen und Schließen, durch Selbsttätigkeit. Deshalb muß die Unterrichtsmethode fragend-entwickelnd sein. Denn so wird der Schüler zum Nachdenken gezwungen; er findet die ursächlichen Zusammen- hänge selbständig. Das selbstgewonnene Ergebnis erhöht in erster Linie sein Können und wird leichter zum dauernden Besitz.

Wenn es so dem geographischen Unterrichte gelingt, in den Schülern das Verständnis für das mannigfaltige, aber doch gesetzmäßige Spiel der Wechsel- beziehungen zwischen der Erde und ihren Bewohnern und besonders dem Menschen zu wecken, dann hat er seine vornehmste Aufgabe gelöst. Dann darf er gewiß sein, daß er an der Geistesbildung der Schüler nicht geringeren Anteil hat als jeder andere Unterricht.

Der Forderung, daß der Schüler den ursächlichen Zusammenhang in der Geographie erkennen soll, muß schon die Anordnung des Unterrichtsstoffes entsprechen. Der Unterricht muß also immer zuerst die Verhältnisse behandeln, die andere bedingen und für die sie die Erklärung geben. Die Betrachtung eines Landes beginnt mit der Feststellung der Lage zum ganzen Erdteil und der zunächst liegenden Länder. Sodann werden die Grenzen bestimmt. Daran schließt sich die Besprechung der Bodengestaltung und der geologischen Verhältnisse, soweit diese dem Standpunkt der Klasse entsprechen. Durch die Bodengestaltung wird die Ausbildung und die Laufrichtung der Gewässer bedingt. Aus der geographischen Lage und der Bodengestaltung ist das Klima abzuleiten. Klima, Bewässerung und

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