Nun noch eine dritte Gruppe im Hintergrunde. Da ſitzt im Schatten, das Geſicht nach uns gekehrt, ein finſter dreinſchauender, ſchwarzgekleideter Mann, an deſſen Hut ein Zettelchen ſteckt mit der Aufſchrift„Paſtor“. Höchſt mißmutig ſchielt er nach dem Rommelpothelden hinüber. Ihm gegenüber ſitzt, den Rücken nach uns gekehrt, ein junges Mädchen in rotem Rock und dunkeler Jacke und dem damals üblichen Kopfputz; daneben noch, im Profil ge⸗ ſehen, ein junger Mann mit wallenden Locken und einem Federhut, der in ſtillem Behagen vor ſich hinſieht, und eine ältere Frau, die lachend nach den Lärmern hinüber⸗ blickt. Es iſt das die ſolideſte Gruppe, aber ſchon dadurch, daß ſie an dem Feſte teilnimmt, nicht ohne Intereſſe da⸗ für; und auch der Paſtor, obgleich ihm das Treiben etwas zu wüſt wird, bleibt doch dabei.
So haben wir drei getrennte, unterſchiedene Gruppen, die doch wieder eng untereinander verbunden ſind.
Etwas wüſt ſieht es auch auf dem Boden aus. Da liegen rechts umhergeſtreute Eierſchalen, links am Boden ſteht ein ſchöner irdener Krug mit Medaillons, deſſen Deckel geöffnet iſt, daneben eine Bratpfanne, eine Zinn⸗ ſchüſſel mit einem Löffel darin und auf dem Geſtell, auf dem der Bohnenkönig ſteht, ein kleiner dreiarmiger Leuchter mit langem Griff. Sollen dieſe letztgenannten Gegenſtände andeuten, daß der kleine Bohnenkönig, nachdem er ge⸗ trunken, ſein Breichen eſſen und ihm dann zu Bett geleuchtet werden ſoll?
Üübrigens ſind wir hier in einem feineren Hauſe als bei den beiden zuvor beſprochenen Malern, wohl wie auf manchen Bildern Steens in der„guten Stube“ eines wohl⸗ habenden Bürgerhauſes, ganz wie bei dem Bohnenfeſte von Jordaens. Das zeigt ſchon der getäfelte Fußboden, der ſchöne vorhin erwähnte Krug, die ſchöne, bunte Tiſchdecke, das Geſtell, auf dem der Bohnenkönig ſteht, wenn wir dieſe mit den Gegenſtänden auf den Bildern von Teniers und Oſtade vergleichen. An der Wand hängt eine Landſchaft in barockem Goldrahmen, von der Decke herab ein großer, ſchöner Vogelkäfig.
In allem iſt die Vollendung der maleriſchen Aus⸗ führung zu bewundern. Farbenſtimmung und Beleuchtung, auch durch das Fenſter im Hintergruude, durch das man den abendlichen Himmel ſieht, ſind maleriſch ſchön und heben auch hier das Gewöhnliche in das Reich idealer Kunſt.—
Das Feſt hat ſeinen Höhepunkt erreicht, der Wein beginnt ſchon ſeine Wirkung zu tun, und während der kleine König trinkt, wird ihm zu Ehren von den drei oder vier„Muſici“ die tollſte, herzzerreißendſte Karnevalmuſik ge⸗ macht. Gegeſſen und getrunken wird dabei immer weiter.
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Das beweiſt ſchon die Magd mit der großen Schüſſel voll Waffeln.
Iſt es die Familie des Malers ſelbſt, die hier mit Freunden und Bekannten das Bohnenfeſt feiert? Es ſcheint ſo; und wir haben auch ſonſt manche Bilder ſeiner ſtets bunt bewegten Häuslichkeit. Dazu nahm er gern die Modelle zu den Figuren ſeiner Bilder aus dem Kreiſe der eigenen Familie. Die behäbige Mutter im Vordergrunde ſcheint Steens Frau zu ſein. Es ſind dieſelben von einem ſonnigen Lächeln erhellten Züge, die wir ſonſt auf Bildern ſeiner Frau ſehen, nur hat hier der Wein ſeine Wirkung geübt, die ſonſt lieblichen Züge etwas aufgeſchwemmt und die Augen verſchwommen gemacht.— Sie ſtarb ſchon im nächſten Jahre.
Und welche Perſon iſt Jan Steen ſelbſt? Der Rommel⸗ potſpieler ſoll Züge von ihm zeigen. Oder ſollen wir ihn uns lieber denken in dem behäbigen, hinter dem Tiſch ſitzenden Manne, der, feuchtfröhlich im ganzen Geſicht, er⸗ ſchreckt und lachend zurückfährt vor der entſetzlichen Muſik jenes? Ähnlich ſieht er auf anderen Selbſtbildniſſen aus, wo er auch neben ſeiner Frau ſitzt.
Kräftig läßt der von Laune überſprudelnde, ſtets friſche und originelle Kopf in dieſem Bilde ſeinem derben Humor die Zügel ſchießen, nicht ohne einen Anflug von Bosheit und Satire in der Darſtellung des in den Winkel gedrängten Paſtors. In andern Bildern geht er ſtark über den Humor hinaus zu Hohn und Sarkasmus, hinaus über die Grenzen, die dem Anſtand und der wahren Kunſt ge⸗ ſteckt ſind. Und das mag es geweſen ſein, was ihm bei den ſo ſtark humoriſtiſch und ſatiriſch beanlagten Engländern— Ähnlichkeit mit ihm zeigt William Hogarth, der fünfzig Jahre nach ihm malte und gewiß Bilder von ihm kannte— mehr Sympathie verſchafft hat als bei den Deutſchen. Infolge⸗ deſſen wanderten die meiſten Bilder von ihm nach Eng⸗ land, und die großen Galerieen Deutſchlands beſitzen nur ſehr wenige von ihm.
Jan Steen hat das geſamte Stoffgebiet der nieder⸗ ländiſchen Genremalerei mit Ausnahme des Soldaten⸗ bildes beherrſcht. Im Bauernbilde dem jüngeren Teniers verwandt, übertrifft er dieſen an Kraft, Mannigfaltigkeit und Tiefe der Charakteriſtik und der friſchen Urſprünglich⸗ keit des Humors. Außer an dieſen erinnert er in den Höhepunkten ſeiner Kunſt an Brouwer, Jordaens, dann an Terborch, Dou und Metſu. Seine Univerſalität kenn⸗ zeichnet am beſten Karl Lemcke, wenn er ſagt:„Er um⸗ faßt das ganze Gebiet des Komiſchen ſeiner Zeit, vom Derb⸗Gemeinen, Unflätigen, Karikierten durch alle Weiſen der Jovialität und Freude, des Jubels und Trubels in


