Aufsatz 
Zur Einführung unserer Schüler in die Kasseler Bildergalerie : 4. Teil.
(Das niederländische Sittenbild.)
Entstehung
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Leiden, 16 Jahre jünger als die beiden anderen, wurde in ſeiner Kunſt beeinflußt von Frans Hals und Oſtade und ſtarb vor Oſtade und Teniers ſchon im Jahre 1679.

Das Bild Nr. 297 hier im Saal IMuntere Geſell⸗ ſchaft iſt wahrſcheinlich nicht von ihm, ſondern von einem Nachahmer, vielleicht von Richard Brakenburgh. Darum übergehen wir dieſes und werden nur nachher einmal zur Hervorhebung einer AÄhnlichkeit auf dasſelbe zurückkommen.

Wir gehen alſo in Kabinet 11, wo das einzige Bild unſerer Galerie von Jan Steen hängt, dasBohnen⸗ feſt aus dem Jahr 1668, aus der beſten Zeit ſeiner künſt⸗ leriſchen Tätigkeit.

Zunächſt etwas über die Feier des Bohnenfeſtes. Es war ein namentlich in Frankreich und in den Nieder⸗ landen üblicher Brauch, am Tage der heiligen drei Könige, der ein toller Feſttag war und mit Umzügen, Mummenſchanz und Katzenmuſiken gefeiert wurde, während des reichlichen Mahles auch einen großen Kuchen zu eſſen, in den eine Bohne gebacken war. Wer das Stück mit der Bohne bekommen hatte, wurde zum Bohnenkönig ernannt, mit einer papierenen Krone gekrönt und führte den Vorſitz beim Mahle. Alle mußten ihm huldigen, er aber war dafür meiſt gehalten, die Zeche zu bezahlen. Sooft er das Glas an den Mund ſetzte, rief die Tafelrunde unter komiſchen Ehrenbezeugungen: Der König trinkt!

Es war dieſes Feſt ein ſehr beliebter Gegenſtand der Malerei. Wir haben hier in der Galerie noch ein großes Bohnenfeſt von Jordaens(in Saal II), und Jan Steen hat mehrere ſolche Bohnenfeſte gemalt.

Auf unſerem Bilde iſt ein kleiner Knabe Bohnen⸗ könig geworden. Er ſteht auf einem hohen Geſtell, die Großmutter reicht ihm eben mit heiterem Lächeln den Königs⸗ trunk, hinter ihm ſteht ein etwas älterer Bruder, der einen Korb auf den Kopf geſtülpt hat und, mit ſtrahlendem Antlitz zu jenem aufſchauend, ihn am Röckchen zupft.

In der Mitte des Vordergundes aber ſitzt die Mutter des ſpaßigen kleinen Bohnenkönigs zur Seite eines Tiſches und blickt ſelig ſchwimmenden Auges zu ihrem zu ſo hoher Würde gelangten Sprößling zurück. Sie hat offenbar des Guten ſchon zu viel getan. Rückwärts liegend auf ihrem Stuhl, hält ſie in der ſchlaff über die Rücklehne herab⸗ hängenden Rechten einen Krug, in der bereits ſchwankenden Linken ein halbgeleertes, ſchon faſt zum Verſchütten ge⸗ neigtes Glas.

In der Haltung wie auch in Farbe und Beſchaffen⸗ heit der Kleidung gleicht ihr die junge Frau auf dem vorher erwähnten BildeMuntere Geſellſchaft im Saal I, die lächelnd zum Bilde herausſchaut, in der Rechten ein

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halbgefülltes Kelchglas emporhaltend, während ſie die Linke, die den Krug hält, über die Rücklehne ihres Stuhls herabſinken läßt.

Die Mutter des Bohnenkönigs trägt einen gelbſeidenen Rock, eine emporgeſchlagene Schürze und ein weißes Tuch um den Kopf. Die Jacke aus braunrot ſchillernder Seide hat ſie läſſig über der Bruſt geöffnet, wodurch dieſe und ihr rotes Mieder ſichtbar werden.

Die vier genannten Perſonen bilden eine Gruppe, die noch etwas erweitert wird durch einen jungen Mann mit unſchönem, verzerrtem Geſicht, der, mit einem Frauenrock angetan, einem großen Trichter als Kopfbedeckung, ein Löffel⸗ brett umgehängt, einen Bratroſt, welchen er wie eine Geige hält, mit einem Schaumlöffel bearbeitet. Eine tolle Figur! Aus dem Hintergrunde lugt dann noch ein Mann mit freudigem Intereſſe nach dem kleinen Bohnenkönig hervor und ſcheint einen Stock wie eine Flöte zu handhaben.

An dieſe Gruppe ſchließt ſich eine andere im Mittel⸗ grunde des Bildes in hellſter Beleuchtung, durch die Mutter mit der vorhergehenden Gruppe verbunden. Außer ihr ſitzen noch zwei andere Perſonen an dem gedeckten Tiſche, an der rechten Seite desſelben aber ſteht die tollſte Figur des Bildes, der Narr, wie er durch die kleine Auſfſchrift am HuteSot bezeichnet iſt. Er hat über ſeiner ſchwarzen Jacke einen ſchwarz, gelb, rot und weiß geſtreiften Teppich als Mantel drapiert. Auf dem Kopf trägt er eine an⸗ ſchließende Mütze, darüber einen flachen, roten Hut mit Hahnenfeder. Mit dem linken Arm hält er einenRommel⸗ pot umſchlungen, einen Topf, deſſen Offnung mit einer ſtraffen Schweinsblaſe überſpannt iſt, und den er nun, mit fidelem, urkomiſchem Geſicht aus dem Bilde herausſchauend, mit einem Inſtrument bearbeitet. Der Lärm iſt ſo ent⸗ ſetzlich, daß der dicke, behäbige Herr, der ihm gegenüber hinter dem Tiſch ſitzt, entſetzt das Geſicht verziehend, zurück⸗ fährt, während die rechts neben dieſem ſitzende Dame, die beſſere Nerven zu haben ſcheint, ruhig lächelnd den Rommel⸗ potſpieler anſieht. Erweitert wird die Gruppe durch einen hinter dieſer Dame ſtehenden Geiger, der das Konzert ver⸗ vollſtändigt und ſich mit freundlichem Geſicht einer Magd zuwendet, die mit einer Schüſſel voll Waffeln auf dem Kopf ſich dem Tiſche nähert und laut lachend den Rommelpotſpieler anſieht.

So hat jede der Gruppen fünf Perſonen, zu denen als verbindende ſechſte die Mutter des Bohnenkönigs hin⸗ zukommt.

Zu beiden gehört auch das Hündchen, das, auf der linken Seite ſtehend, den Narren verwundert und kläffend anſieht.

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