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Der umgebende Raum iſt auch hier das Innere einer Kneipe, wie Teniers ſeine Bauernſzenen überhaupt gern in einen geſchloſſenen Raum legt(abgeſehen von den Kirmeſſen); und in der maleriſchen Behandlung dieſes Raumes liegt ein Hauptreiz dieſer Bilder. Auch hier wie dort iſt das Kolorit warm und kräftig und mit feiner Überlegung durch⸗ geführt. Auch ſonſt erinnert das Bild in Einzelheiten an das oben beſchriebene, und alles, was dort als weſentlich, charakteriſtiſch und als trotz der Niedrigkeit anmutend be⸗ zeichnet wurde, iſt auch aus dieſem Gemälde herauszuleſen.
Auch dieſes gehört der Jugendzeit des Malers an und iſt ganz in der Manier Brouwers gemalt, dem es ebenfalls früher zugeſchrieben wurde.
Ein drittes Bild von Teniers, das zwiſchen jenen hängt und auf dem Pilatus(in der Tracht eines Orientalen!) den Juden den gegeißelten Erlöſer zeigt(Nr. 141), iſt eigentlich ein geſchichtliches und kein Sittenbild. Und doch gehört auch dieſes hierher. Denn aus den Schilderungen der Volksmaſſen, die auf den Bildern aus der heiligen Schrift gemalt wurden, wie ſie den Wunder⸗ taten des Heilands zuſchauten, ſeiner Lehre lauſchten, das „Kreuzige, kreuzige ihn!“ ſchrieen, ſeine Kreuztragung be⸗ gleiteten oder die drei Kreuze auf Golgatha umſtanden, erwuchs die moderne Genremalerei oder das Sittenbild. So malten auch Dürer, Holbein, Kranach das deutſche Volk in der Peripherie ihrer hiſtoriſchen Bilder ebenſo, wie das Volk im Reformationszeitalter in der Poeſie dargeſtellt wird.
Riehl ſagt a. a. O. S. 5:„Die göttliche Grobheit der Sprache und Sitte des gemeinen Mannes ſollte ihre poetiſche Naturkraft bekunden; bei Spott und Hohn auf den modiſchen Anſtand und das eigenſinnige Herkommen der höheren Stände fühlten ſich die Volksſchriftſteller kannibaliſch wohl. Dieſelben von der Straße aufgeleſenen Geſtalten mit den gemeinen Geſichtern, welche teilweiſe auf den Hiſtorien⸗ und Kirchenbildern den typiſchen Chor des Volkes bilden, pflanzen ſich in dem Vordergrund der Spott⸗ und Lehr⸗ gedichte auf. Sie drohen hier als eine Schar der Rache, die den Mut und die Fauſt hat, das Unrecht der Zurück⸗ ſetzung hinter Fürſten, Ritter und Pfaffen wieder wett⸗ zumachen“.
Und nun betrachte man ſich auf unſerem Bilde die höhnende, johlende Menge, die gemeinen Geſichter und frechen Gebärden!
Die anderen Bilder von Teniers ſind in Kab. 10. Gehen wir nun zu dieſen über. Zunächſt finden wir da zwei kleine friedliche Bildchen in Nr. 142 und 143,„Der
Bauer mit dem Schubkarren“ und„Bauern beim Kegelſpiel“.
Die Handlung auf jenem iſt eine wenig beſondere und eigentümliche. Es ſchiebt da ein Bauer in blauer Jacke einen Schubkarren. Ein Hündchen läuft hinter ihm her. Links geht ein Bauer nach der Tür eines Hauſes hin, neben ihm eine Bäuerin mit einer Meſſingkanne am Arm. In der offenen Tür des Hauſes ſteht eine weibliche Geſtalt.
Die Hauptſache iſt hier die Landſchaft, und ſo wird dieſes Bild auch bezeichnet als„Landſchaft mit Bauern⸗ häuſern“. Aber wie Teniers' laudſchaftliche Kunſt— und darin iſt er wirklich groß(vgl. Roſenberg S. 86 ff.) — ganz im vaterländiſchen Boden wurzelt, ſo konnte er ſich ſeine Landſchaften auch nicht ohne ſeine Bauern denken. Und ſo gibt er uns hier ein ſchönes, idylliſches Bildchen aus dem Landleben, naiv, ohne jede empfindſame Beigabe, und dadurch beſonders anziehend und feſſelnd; anmutend beſonders durch des Malers Liebe zur Natur, zur heimiſchen Landſchaft, durch das Eindringen und Sichverſenken in ihre heiteren, ſanften Reize, was bei anderen Bildern von ihm noch ausgeprägter hervortritt. Solche winzige Bild⸗ chen mit Figuren, die eigentlich nichts bedeuten, ſind oft grade von der allergrößten Lieblichkeit und Anmut.
Ähnlich verhält es ſich mit dem zweiten genannten Bildchen, obgleich dieſes ſchon mehr charakteriſtiſche Handlung zeigt und ſo mehr in das Bereich des Sittenbildes gehört. Ein Bauer iſt eben im Begriff die Kugel zu ſchieben, ein anderer feuert ihn an, zwei ſtehen als Zuſchauer daneben. Rechts ſtehen zwei andere Bauern neben einem kleinen Kegel, auf den jener zielt. Daneben liegen zwei Kugeln, die ſchon abgeworfen ſind. Links neben dem Hauſe ſtehen drei weitere Bauern im Geſpräch. Aus der Türe des Hauſes tritt eine Bäuerin. In der Mitte des Bildes, etwas nach rückwärts, ſteht eine Bank mit Krug und Glas darauf. Rechts im Hintergrunde ſehen wir mehrere Häuſer und eine Kirche.
Auch hier haben wir eine kleine anmutige Idyllle, eine Zeichnung aus dem einfachen, natürlichen, behaglichen Land⸗ leben mit landſchaftlicher Stimmung, ungeſchminkt und ohne Idealiſierung, die aber unſer Herz gewinnt. In den Bereich idealer Kunſt werden beide Bildchen gehoben ſchon durch den harmoniſchen, warmen, goldbraunen Ton, der über ſie gebreitet iſt und ſie als Werke unſeres Teniers kennzeichnet.
Und nun wieder ein Bild ausgeprägteſten Kneip⸗ und Zechlebens aus dem niederen Volke, der„Bauerntanz vor dem Wirtshauſe“(Nr. 148). Alles iſt voll Leben und Bewegung. Die Bauern links plaudern, zechen


