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Weiterhin müſſen wir noch als eine der Centripetalkraft allgemeine, wichtige Erſcheinung hier anführen, daß dieſelbe bei den verſchiedenartigſten Vorgängen ſich entwickeln kann. Wir dürfen nicht ſofort annehmen, daß bei einer Centralbewegung die Centripetalkraft, obgleich ihr Wirken nach dem Attractionscentrum gerichtet iſt, ihren Sitz unbedingt in dieſem Punkte habe. Wir können daher bei jeder gleichförmigen Bewegung eines Körpers im Kreiſe zunächſt nur ſagen, daß eine Centripetalkraft vor⸗ handen iſt, durch deren Einwirkung dieſe Bewegung vor ſich geht, während wir den Urſprung und Sitz derſelben erſt ermitteln müſſen.
Bewegt man den Arm, ſchwingt man ein Pendel, ſo iſt es die Cohäſuüon der Molceüle des Körpers, welche jene Kraft hervorbringt und leiſtet; wäre ſie nicht vorhanden. ſo würden ſich die Molecüle des Körpers bei der Drehung trennen und von einander entfernen.
Um ein anderes Beiſpiel zu geben, denken wir uns einen auf einem Schleifſtein feſtſitzenden, Waſſertropfen. Wird der Stein in Rotation geſetzt, ſo wird der Waſſertropfen ſo lange haften, als⸗ noch die Centripetalkraft von der Centrifugalkraft nicht überwogen wird. Man wird leicht einſehen, daß jene Kraft hier durch die Adhäſion an dem Steine geleiſtet wird.
. Gelangt eine Kugel durch eine gewiſſe Anfangsgeſchwindigkeit von A nach B, ſo wird ſie dier Kreisbahn 48 D E.. durchlaufen, wenn ſie von außen her in jedem Moment in der Richtung nache dem Centrum M zu Stöße von gleicher und geeigneter Stärke empfängt(Fig. 4).
Werfen wir ſchließlich noch einen Blick auf die um die Sonne kreiſenden Planeten. ſo finden wir, daß bei dieſer Bewegung die Centripetalkraft durch die Anziehung der Sonne bewirkt. wird, die ſich im Centrum der beſchriebenen Bahnen befindet.—
Zum Schluſſe dieſes§ ſei bemerkt, daß man in früheren Zeiten und wohl hier und da auch jetzt noch, eine andere Anſicht über die Centrifugalkraft antrifft, als wir dargethan haben. Denn während wir das Vorhandenſein der Centrifugalkraft außer Zweifel ſehen, ſo giebt es manche Phyſiker, welche dasſelbe leugnen und ſie für eine bloße mathematiſche Idee erklären. Ihre Anſicht iſt: Jeder einmal bewegte Körper ſetzt ſchon vermöge ſeiner Trägheit ſeine einmal angenommene Bewegung in derſelben Richtung und mit derſelben Geſchwindigkeit fort, ohne dazu noch einer neuen Kraft zu bedürfen. Nun ſind beiſpielsweiſe die Himmelskörper von dem Weltſchöpfer im Anfange mit einer allmächtigen Kraft angeſtoßen und müßten zufolge der Trägheit ihrer Maſſe nach einerlei Richtung und mit derſelben Geſchwindigkeit bis in Ewigkeit fortlaufen, wenn ſie nicht auf jedem Punkte ihrer Bahnen durch eine Kraft nach einem außerhalb derſelben liegenden Punkte gezogen würden, wodurch eine Central⸗ bewegung entſteht.
Von jener Kraft nun, welche den Körpern die erſte Bewegung verlieh, wird ganz abſtrahiert, und es wird nur der Centripetalkraft ein wirkliches Vorhandenſein zuerkannt. Dieſe Kraft würde den Körper, wenn er in Ruhe wäre, in Bewegung verſetzen, da ſie ihn aber in Bewegung findet, ſo ändert ſie nur die Richtung derſelben in allen Punkten. Eine Centrifugalkraft, eine Folge der Trägheit des Körpers oder vielmehr der aus ihr folgenden, ſchon vorhandenen Bewegung, iſt bei dieſer Bewegung nicht notwendig und auch nicht als eine Kraft zu betrachten.
Gegen dieſe Anſicht wird als wichtigſter Gegenbeweis angeführt: Wenn auch die Himmelskörper durch eine allmächtige Kraft vom Schöpfer in Bewegung geſetzt ſind, ſo würde nach jener Anſicht nur folgen, daß ſie durch die Einwirkung der Centripetalkraft beſtändig dem Centrum in einer Schneckenlinie ſich nähern würden. Damit aber die Bewegung in einer krummlinigen Bahn vor ſich gehe, muß not⸗ wendig eine andere Kraft ebenſo ſtetig wirken als die Centripetalkraft, jedoch im entgegengeſetzten Sinne. Dieſes thut die Centrifugalkraft.—
Wie wir in§. 1 bemerkten, ändert ſich bei jeder Centralbewegung die Centripetalkraft mit den verſchiedenen Abſtänden des Körpers von dem Attractionscentrum; d. h. die Centripetalkraft P iſt immer eine gewiſſe Function vom Radius vector r. Um nun unſere nächſten Unterſuchungen ganz


