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genommenen Bewegungsrichtung zu verharren ſucht und jener Kraft entgegenwirkt, iſt die Centrifugal⸗ kraft. Sie iſt alſo nicht als eine urſprüngliche Kraft anzuſehen, ſondern blos als eine Folge der Trägheit der Körper. Eine Kraft iſt ſie aber dennoch, weil ſie einer andern das Gleichgewicht hält und nach dem Geſetz: actio est par reactioni, welches Newton als das dritte Geſetz der Mechanik bezeichnet, der Centripetalkraft genau an Größe gleich und ihr entgegengeſetzt.
Ein kleines Experiment wird uns über das wirkliche Vorhandenſein und Wirken dieſer Kräfte belehren. Schwingt man einen an einem Faden befeſtigten Körper im Kreiſe, ſo liegt die Kraft, welche ihn nach dem Centrum zieht, in der Feſtigkeit des Fadens, welche ſich mit der Centrifugalkraft in das Gleichgewicht ſetzt und eben dadurch als Centripetalkraft wirkt. Da nun der Faden geſpannt iſt, ſo geht hieraus hervor, daß der Körper einen ebenſo ſtarken Zug auf das Centrum der Bewegung ausübt, als der iſt, welcher ihn aus der geradlinigen Bewegung ablenkt. Überwiegt die Centrifugalkraft die Centripetalkraft, ſo reißt der Faden, und der Körper bewegt ſich in ſeiner augenblicklichen Tangenten⸗ richtung geradlinig fort; im umgekehrten Falle ſtürzt der Körper nach dem Centrum hin.
Hieraus iſt erſichtlich, daß die Centrifugalkraft derjenige Widerſtand iſt, den der bewegte Körper infolge ſeiner Trägheit der Änderung ſeiner Bewegungsrichtung entgegenſetzt. Durch die Aufhebung der Centripetalkraft verſchwindet auch die Centrifugalkraft; denn hierdurch wird die Bewegung anderer Art und der Körper ſucht ſich in der Richtung ſeiner Bewegung von der Drehaxe zu entfernen.
Die tangentiale Kraft des Körpers muß der lebendigen Kraft desſelben proportional ſein. Denn, wenn ein Körper in gerader Linie ſich bewegt, ſo iſt die Kraft, mit welcher er in dieſer fortgeht, gleich ſeiner lebendigen Kraft. Da nun dieſe Kraft, ſich zufolge der Trägheit des Körpers geradlinig fortzu⸗ bewegen, auch bei der drehenden Bewegung beſtändig vorhanden iſt, ſo muß die Centrifugalkraft der lebendigen Kraft des Körpers direct proportional ſein.
Leicht leuchtet auch ein, daß dieſelbe im umgekehrten Verhältniſſe zum Krümmungsradius an irgend einem Punkte der Bahn ſteht; oder wenn wir uns eine Kreisbahn vorſtellen, daß ſie im um⸗ gekehrten Verhältniſſe zum Radius der Bahn ſteht; denn je ſtärker die Bahn gekrümmt, je kleiner alſo der Radius iſt, um ſo mehr entfernt ſich ein Körper bei einem und demſelben Wege von derſelben.(Fig. 3.)
Durch dieſe Betrachtung hätten wir demnach einen Ausdruck für die Centrifugalkraft im Kreiſe von der Form E= mo*:
d. h. die Centrifugalkraft eines Körpers iſt direct proportional der lebendigen Kraft desſelben und um⸗ gekehrt proportional dem Radius ſeiner Bahn. Den mathematiſchen Beweis für die Richtigkeit werden wir ſpäter liefern.
In Bezug auf die Centripetalkraft wollen wir an dieſer Stelle noch bemerken: Eine jede Centri⸗ petalkraft muß als eine beſchleunigende Kraft aufgefaßt werden. Denn ſie wirkt nicht blos einmal, etwa durch einen Stoß, ſondern durch einen fortdauernden Druck oder Zug, ſich nur mit der jeweiligen Ent⸗ fernung des Körpers von ihrem Wirkungspunkte ändernd, ebenſo wie die Schwerkraft in der Nähe der Erde.
Es beſteht indeſſen ein weſentlicher Unterſchied zwiſchen den Wirkungen der Centripetalkraft und der Schwerkraft. Wird ein Körper von dieſer Kraft beeinflußt, ſo wird ihm durch dieſelbe eine wirkliche Geſchwindigkeit verliehen, die mit der Zeit anwächſt, nach Verlauf einer Secunde die Größe der Kraft erreicht und durch die fortdauernde Wirkung jede Grenze überſteigen kann. Bei der Centripetalkraft hin⸗ gegen iſt der Erfolg der Wirkung keine Geſchwindigkeit, ihr Wirken auf jedem Punkt der Bahn des Körpers liefert keine Geſamtwirkung, ſondern jedes Wirken derſelben im nächſtfolgenden Momente wiederholt nur das Spiel im vorhergehenden, welcher erlangte Erfolg ſonſt durch die Eigenbewegung des Körpers wieder aufgehoben würde.
Sie bewirkt daher während ihrer geſamten Wirkungsdauer nur eine ſtete Richtungsänderung der Bahn.


