Aufsatz 
Helfrich Bernhard Hundeshagen und seine Stellung zur Romantik. Nebst 2 Beilagen.
(2 Briefe von Jacob Grimm.)
Entstehung
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bibliothek ernannt wurde. Diese neue Stellung bekleidete er kaum einige Monate, da traf ihn ein Schicksalsschlag, der im engsten Zusammenhang mit einer der grössten Katastrophen steht, welche seine Vaterstadt je betroffen haben. Bei der Beschiessung Hanaus durch Napoleon am 30. Oktober 1813, von der K. C. v. Leonhard in seinenLebensbildern eine anschauliche Schilderung giebt, war nicht nur H.'s noch in Hanau unterhaltene Privat- wohnung am Paradeplatz mit dem grössten Teil seiner Papiere und Zeichnungen in Flammen aufgegangen, sondern auch das Waisenhaus war niedergebrannt, in dessen Druckerei das mehrfach erwähnte Werk über die Burg zu Gelnhausen fertig gedruckt zur Herausgabe bereit lag. Wie H. in dem Vorwort zu jenem Werke, das erst Ende 1818 erscheinen konnte, selbst sagt, hatte er alle seine Kräfte und Mlittel zur Bearbeitung und Herausgabe desselben aufgewandt. Wenn wir das beachten und ferner sehen, welche Fülle von Arbeit H. in Wiesbaden zu bewältigen hatte, dann begreifen wir leicht, warum das Erscheinen seiner Lieblingsschöpfung eine mehrjährige Verzögerung erlitt.

Wahrend in dem eben angegebenen Fall die kriegerischen Ereignisse des Jahres 1813 für II. verhängnisvoll waren, brachte ihm im Anfang des folgenden Jahres die glücklich veränderte Lage des Vaterlandes einen vorübergehenden Wechsel in seiner Thätigkeit, der sehr ehrenvoll für ihn war, und dessen Ursache den Beweis liefert, dass H.s Fähigkeiten und Fertigkeiten an massgebender Stelle nicht gering geschätzt wurden. Nan sandte ihn nämlich zum Zweck militärisch-topographischer Aufnahmen an das deutsche General- bewaffnungskommando nach Frankfurt a. M. In dieser Stellung leistete er gute Dienste, die unter anderem durch die Ernennung zum Hauptmann der Landwehr mit der Erlaubnis, die Uniform tragen zu dürfen, belohnt wurde. Das schmeichelte seiner Eitelkeit nicht wenig, wie aus einem Brief an Rössler hervorgeht, in dem sich eine fast kindliche Freude über jene Auszeichnung ausspricht. Doch noch vor Ablauf des Jahres 1814 kehrte II. in seine frühere Stellung nach Wiesbaden zurück. Da wurde ihm eine auffallende Ent- täuschung bereitet. In seiner eben niedergelegten Stellung hatte er ein Gehalt von 1200 Gulden bezogen; jetzt sollte er nun wieder mit seinem früheren, geringeren Ein- kommen zufrieden sein. Das veranlasste ihn zu öfteren Gesuchen um Aufbesserung, die ihm denn auch im Jahre 1815 zu Teil ward, als er gelegentlich der neuen Organisation der Verwaltungsstellen zum Mitglied des Baupolizeiamts ernannt wurde. ¹¹) In einem seiner Gesuche um Gehaltsaufbesserung klagt er ausserdem über die Entziehung des mühsam ein- geübten Subalternpersonals bei der Bibliothek und Anstellung vonPensionärs von der bösartigsten Gesinnung gegen seine Person, während er in der angestrengtesten Weise thätig sein müsse. Und in der That, die Anforderungen, welche an H.'s Arbeitskraft ge- stellt wurden, waren nicht gering. Die Mannigfaltigkeit seiner Funktionen geht aus seinen Anstellungsdekreten hervor und ward noch erhöht durch andere, die ihm im Laufe der Zeit dazu übertragen wurden. Da lässt es sich begreifen, dass er ungehalten wurde, wenn man ihm die Kräfte, die er sich herangebildet hatte, entzog. Gar manchmal mag er da

¹¹) v. d. Linde a. a. O. giebt 1817 an.