Aufsatz 
Helfrich Bernhard Hundeshagen und seine Stellung zur Romantik. Nebst 2 Beilagen.
(2 Briefe von Jacob Grimm.)
Entstehung
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auf dem Gebiet des architektonischen Zeichnens, sowie dafür, dass II. es verstand, die einschlägigen Erfindungen zu benutzen; denn er wandte bei seinen Abbildungen die erst wenige Jahre vorher von Senefelder erfundene Lithographie selbst an, wie er in mehreren Briefen an Joh. v. Müller angiebt.

Aus dem Titelblatt des eben besprochenen Werkes können wir auch eine Notiz über IH.s damalige sociale Stellung entnehmen. Er fügt auf demselben seinem Namen hinzu: der Staatskunde Beflissener. jetzt Hofgerichtsadvokat. Welche Funktionen er als solcher hatte, lässt sich nicht bestimmt erkennen; doch können wir aus mancherlei Umständen schliessen, dass, wenn überhaupt von einer amtlichen Thätigkeit die Rede sein kann, diese eine sehr geringe war. Er bezog, wie er unter anderem in einem ausführlichen Gesuch vom 30. März 1818 an die Nassauische Regierung sagt, in welchem er um Entschädigung für Einbussen einkommt, die er infolge seiner Entlassung zu erleiden gehabt hätte, aus seiner Praxis als Hofgerichtsadvokat nur 1000 Gulden. Das ist so wenig, dass wir auf Grund dieser Angabe einen Schluss auf seine juristische Thätigkeit machen können. Seine Vermôgensverhältnisse gestatteten ihm damals, ein unabhängiges, sorgenfreies Leben zu führen, und seine Neigungen veranlassten ihn, seine Schaffenslust auf einem anderen Felde zu bethätigen als dem, worauf ihn sein Fachstudium hinwies.

Es ist erwähnt worden, dass H. sich nach seiner Rückkehr von Göttingen nach Hanau einem sehr geselligen und vielfach zerstreuenden Leben hingab. Indessen aus der Herausgabe des Werkes über die Frankenberger Kapelle schon ersehen wir, dass er sich trotz aller Ablenkungen ernster Arbeit nicht abgeneigt zeigte. Die oben erwähnte Abhandlung aber ist nicht der einzige Zeuge aus dieser Zeit von H.s wissenschaftlicher Thatigkeit. Schon in dem Jahre vor dem Erscheinen derselben hatte er mit den Vor- arbeiten zu einem kunsthistorischen Werke über die Kaiserpfalz zu Gelnhausen, seiner bedeutendsten Arbeit, begonnen. Tage, Wochen und Monate brachte er in Gelnhausen und Umgegend zum Zweck eingehender Studien zu. Im Verlauf derselben, die teils historischer, teils artistischer Art waren, empfing er die mannigfaltigsten Anregungen, die in ihm den Wunsch und Vorsatz weckten, die Objecte seiner Studien in einzelnen Werken zu behandeln. Die eingehende Beschäftigung mit der prächtigen Ruine der Barbarossaburg führte ihn naturgemäss auf die Vorgeschichte dieses Gebäudes und im weiteren Verlauf auf die Geschichte Gelnhausens. Mit Fleiss und anerkennenswerter Sachkenntnis hat er infolgedessen Auszüge aus dem Gelnhäuser Privilegienbuch und den alten Rats- protokollen der einstigen Reichsstadt gemacht und verschiedene Urkunden gesammelt. Und so hat er sogar schon den Plan zu einer geschichtlichen Arbeit über die ehemalige freie Reichsstadt Gelnhausen in der Wetterau entworfen. Der Titel ist auch bereits fertig und lautet:Erzählung vom Ursprung, Geschichte und jetzigem Zustand der Stadt und Burg Gelnhausen in der Wetterau und der daselbst noch befindlichen höchst merkwürdigen Bau- und Kunstaltertümer, herausgegeben von B. H.*

Auch die Einteilung des Werkes ist schon getroffen. Sie mag hier Platz finden zum Beleg dafür, dass IHI. sich mit dem Plan zu mancher Arbeit trug, die dann aber nicht zur