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Priester und Laien, dann gewann das ganze Gebäude zwei Seiten mehr zu Ein- und Ausgängen, einen Ort zum Altar für Gott-Sohn; man bekam einen zweiseitig heilig- beschützenden(sic!) Ort, um gelegen eine Sakristei anzulegen zur Aufbewahrung der Opfergeräte und des Kirchenschatzes; der Hauptaltar erhielt in dem Her⸗ den schicklichsten und ausgezeichnetsten Ort; hinter ihm entstand in der verlängerten Tribuna eine besondere Abteilung zum Sitz für Bischof und Chorherrn. Zuletzt wurde durch alles dies die Kirche der geweihten Gestalt des Kreuzes dhnlich und gleichfalls wie dieses von allen Völkern mit heiligem Eifer nachgeahmt. Hohe und geistreiche Erfindungen zwingen ja mit Macht schwächere Seelen zur Nachahmung!“
Der vierte Paragraph handelt von der Bedeckung der Kirchen. Diese musste in unserem Himmelsstrich so geartet sein, dass sie gegen Regen und Sonnenschein und überhaupt gegen die Einwirkungen des Klimas schützte. Die Gestaltung des Daches giebt H. Veranlassung, einige Bemerkungen über das Xussere der Gebäude, welche für die Gottesverehrung bestimmend sind, überhaupt zu machen. Danach dienen die christlichen Kirchen nicht wie die ägyptischen als Wohnung für die Priester und sind in ihrem Ausseren nicht in dem Grade wie jene bestimmt, Eindruck auf die Menge zu machen; auch sind sie nicht wie die Tempel der Griechen die Wohnstätte des Gottes.„Die christlichen Kirchen môgen dagewesen sein(Soll wohl heissen: entstanden sein), um von dem unendlichen Raume der Welt einen bestimmten Raum abzuschneiden, in dem das Volk sich versammle und vereine und hauptsächlich nach dem Vorbild seiner Priester die äusseren rohen Kräfte des Leibes in Ruhe zu setzen. den Bewegungen des Gemüts mehr Freiheit und Spielraum zu geben, den Gedanken der Gottheit andächtig in der Seele zu fassen und zu erhalten, damit die Furcht Gottes und die Hoffnung eines besseren Lebens über dasselbe käme.“ Den Schluss der Paragraphen bilden technisch be- gründende Ausführungen über den Bau und die Unterstützung des Daches.
Es ist wohl hier und auch ferner nicht nôtig, auf die Form aufmerksam zu machen, in die H. seine Gedanken kleidet. Man wird zuweilen mehr fühlen als klar erkennen, was er sagen will. Immerhin wird man ihnen aber Bedeutung und Tiefe nicht absprechen können.
Der fünfte Paragraph beschäftigt sich mit den Fenstern, deren Grösse und Verhältnis zum Gebäude von der grösseren Helligkeit, die im Lauf der Zeit die gottesdienstliche Handlung(Gebete, Messe, Benutzung von Büchern) erforderte, abhängig ist.
Im sechsten Paragraphen spricht IHI. über„die Gerippe des Gewölbes und äussere Ver- vielfaltigung der Säule“. Bemerkenswert ist, was er im Eingang des Paragraphen sagt, wo es heisst:„Wie der Blick des unbefangenen, andächtigen Kirchenbesuchers, indem er in das Gebäude eintritt, nicht allein bis zu dem geheiligten Ende desselben fortgerissen wird, sondern auch mit Vergnügen sich an dem abwechselnden Licht, Schatten und Scheinspiel der Gewölbsflächen und Säulen verbreitet, so wird den denkenden Baukünstler der Gedanke überraschen, durch Anbringung von Gliedern an den einfachen Längen und Winkel be- schreibenden Ecken und Seiten der sich berührenden Gewölbsflächen dieses Vergnügen in anhaltendes Staunen und Verwunderung zu verwandeln“. Hierauf folgen Bemerkungen, in


