haufig, ja wir finden sogar, dass ideale Beziehungen mit unerquicklich realen Verhältnissen parallel gehen. Es ist bei der Charakterisierung des Mannes nicht unwichtig. hierauf hin- zuweisen. Eine gewisse Unklarheit des Fühlens und Denkens spricht sich in seinem Wesen aus. So finden wir in seinen Briefen und Schriften nicht selten neben schönen und tiefen Gedanken geschraubte, daher dunkle und zuweilen auch phrasenhafte Wendungen. Immer- hin aber muss betont werden, dass seine Begeisterung für alles Schöne und Erhabene trotz mancher unbegreiflicher Fehltritte die Oberherrschaft behält. Vielleicht darf man den in H.s Wesen hervortretenden Widerspruch als Vorbote des tragischen Geschickes betrachten, das ihn am Ende seines Lebens ereilte.
An dieser Stelle müssen zwei Nachrichten, die sich auf H. beziehen, erwähnt werden. Sie fallen in die Jahre 1807 und 1809. So verschieden sie an sich sind, so sind sie doch charakteristisch, die eine für H.s Auftreten im öffentlichen Leben, die andere für die Art seiner Beschäftigung.
In Zieglers Chronik von Hanau findet sich die kurze Notiz zum 1. XNMärz 1807: Herr Hundshagen gefänglich eingezogen, weil er den Kommandierenden gehundsfott hat. Das Vorkommnis fiel in die Zeit von Deutschlands Erniedrigung. IH. fühlte die Schmach des Vaterlandes, und in seiner sanguinischen Weise kühlte er seinen Zorn, ohne die Folgen zu überlegen und zu scheuen. Wir müssten ihn für einen glühenden Patrioten halten, wenn wir nicht durch die Ereignisse, die wenige Jahre später stattfanden, belehrt würden, dass auch im vorliegenden Falle das in IHI. lodernde Feuer nicht aus solchem Material Leben und Nahrung nahm, welches Waàrme strahlt und Glut bewahrt. Bei der Besprechung des Verhäaltnisses, in dem H. zum Grossherzog von Frankfurt, Karl von Dalberg, stand, werden wir auf das eben Gesagte zurückkommen müssen.
Die andere Nachricht findet sich in einem Briefe W. Grimms an seinen Bruder aus Berlin vom 3. X. 1809, worin er diesem erzählt, er habe„einen Dr. Wolfhard aus Hanau getroffen, der auch Dichter ist und neulich ein Märchen herausgegeben hat mit Rand- zeichnungen von Hundshagen, die das Schlechteste sind, das ich gesehen“. Das hier an- geführte Märchen ist jedenfalls die„Gunde“, die in Hundshagens Korrespondenz aus dieser Zeit erwähnt wird. Aus derselben geht übrigens doch hervor, dass W. Grimms Urteil über die künstlerischen Leistungen H.'s durchaus nicht allgemein war. Von sehr berufener Seite aus erhielt II. Aufmunterung und Unterstützung bei seinen Arbeiten auf dem Gebiete der Kunst. Joh. v. Müller, der damals westfälischer Minister war, interessierte sich lebhaft für II.'s Arbeiten, die sich auf die Denkmale altdeutscher Baukunst erstreckten, und machte auch hervorragende Zeitgenossen, unter ihnen Goethe, auf seinen Schützling aufmerksam.
II. hatte im Jahre 1808 seine erste bekannte wissenschaftliche Arbeit über die Kapelle zu Frankenberg⁴) bei Marburg herausgegeben. Dieses Werkchen, das nur 12 Folioseiten
⁴¹) Der Titel lautet: Der alten gothischen Kapelle zu Frankenberg Grundriss, Aufriss und Durchschnitt, nebst Gedanken über die sogenannte gothische Kirchenbaukunst. Herausgegeben durch Bernhard Hundeshagen, der Staatskunde Beflissener, jetzt Hofgerichts-Advokat zu Hanau. Frankfurt am Main 1808, bei Johann Chistian Hermann.
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