Aufsatz 
Helfrich Bernhard Hundeshagen und seine Stellung zur Romantik. Nebst 2 Beilagen.
(2 Briefe von Jacob Grimm.)
Entstehung
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in seinem engeren Vaterlande ein. Er war ein Mann, der neben seiner ausgedehnten amt- lichen Thätigkeit noch Lust und Musse fand, sich literarisch zu beschäftigen. So gehörte er zu den ersten, welche der hanauischen Territorialgeschichte eine eingehendere wissen- schaftliche Arbeit widmeten. Die Neigungen des Vaters zeigen sich besonders bei zweien seiner Söhne, von denen der eine Johann Christian. der andere unser Bernhard ist. Der erstere ist als Professor der Forstwissenschaft in Giessen im Jahre 1833 gestorben. Es ist derselbe, der sich als Begründer der neueren rationellen Forstwissenschaft einen hoch- angesehenen Namen gemacht hat.

Seine Kindheit und die ersten Jünglingsjahre verlebte Bernhard im elterlichen Hause unter der Leitung eines Vaters, dessen hohe Bildung und vielseitiges Wissen geeignet waren, der lebhaften Auffassungsgabe des Knaben wirksame Anregung und Nahrung zu geben. Auch waren die Schulen Hanaus, besonders das dortige Lyceum, wohl im Stande, ihren Zoglingen eine tüchtige Ausbildung zu gewäÄhren. Für das Studium bestens vorbereitet, bezog der 18jährige Jüngling die Universität Marburg, wo er mit seinem Landsmann Jacob Grimm in den jJahren 1802 und 1803 zu den Schülern Savignys gehörte. Sein Fachstudium war das der Jurisprudenz; aber schon in dieser ersten Zeit seiner Universitatslaufbahn fällt uns die Mannigfaltigkeit und eine geradezu Unruhe erzeugende Vielseitigkeit seiner Bestre- bungen und Neigungen auf. Unwillkürlich überkommt uns das Gefühl, dass eine Kraft für die mannigfache Thatigkeit. welcher der Jüngling sich mit Enthusiasmus hingab, nicht aus- reichen dürfte, und dem vielseitigen Wollen das Können nicht entsprechen werde. Philo- sophische, philologische und naturwissenschaftliche Studien beschäftigten ihn; dabei fand er Zeit, seinen künstlerischen Neigungen zu leben, er zeichnete und malte. Doch nicht genug damit, auch das studentische Leben liess er mächtig auf sich wirken und widmete sich ihm mit jugendlichem Feuer. Er hatte sich einer Verbindung mit geheimgehaltener, wie es scheint freimaurischer Tendenz angeschlossen, in der er bald als Senior eine hervor- ragende Rolle spielte.

Vielleicht ist gerade die Zugehörigkeit zu dieser Verbindung die Ursache gewesen, dass II. Marburg im Herbst 1803 verliess. Und zwar scheint er sehr schnell abgereist zu sein. wie aus dem Brief eines Verbindungsbruders Lotz hervorgeht, der ihm den Koffer besorgte, während ihm seine Bücher von einem anderen mitgebracht wurden. Auch einige kleine Privatangelegenheiten wurden von den Freunden in Ordnung gebracht. In einem der Briefe, welche H. kurz nach seinem Abgang von Marburg von dem oben genannten Lotz erhielt, wird ihm mitgeteilt, dass die Verbindung aufgelöst seiz). Doch lässt sich aus dem Briefe nicht erkennen, warum die Auflösung erfolgte; immerhin wird man aber die plõtz- liche Abreise H.'s von Marburg mit diesem Ereignis in Verbindung setzen müssen.

Von Hanau begab er sich zur Fortsetzung seiner Studien im Jahre 1804 nach Göttingen, wo er auch noch, wie aus seinem Briefwechsel hervorgeht, im folgenden Jahre verweilte.

²) Bibl. Casselana, Mss. Hass. 287, Fol. 1 ff. Aus dieser Quelle sind zumeist die biographischen Mit- teilungen aus H.s erster Lebensperiode, die wir bis zu seinem Ubergang nach Wiesbaden rechnen, genommen, und ich unterlasse es, in jedem einzelnen Fall wieder darauf zu verweisen.