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hergestellt werden müsse, wie zur Zeit des Minnesangs, wo die Poesie das Leben nach allen Seiten hin mit hehren und heitren Klangen durchdrang. Und dieser Gedanke ist es ja gerade, der so charakteristisch ist für die romantische Schule, weil er klar erkennen lässt, warum sich ihre Jünger einmütig dem Mittelalter zuwandten. Wie nun die romantischen Dichter es als eine Hauptaufgabe betrachteten, die bis dahin noch wenig gekannte mittel- alterige Poesie und ihre Formen mit dem Geiste ihrer Zeit zu verschmelzen, so war es Hundeshagens Bestreben, uns die baulichen Denkmäler des Mitttelalters verständlich zu machen, unser Interesse dafür zu wecken und sie als nachahmenswerte Vorbilder für die heutige Kunst hinzustellen. Sein Bemühen war darauf gerichtet, durch diese Vorbilder den Geschmack des Publikums zu bilden und den Fachleuten den Weg zu zeigen, der zu einem wahrhaft schönen und nationalen Stile führen könne.
Sollte es auf Grund des oben Gesagten gelingen, die Bedeutung Hundeshagens als eines Mannes nachzuweisen, der nach seinem Fühlen, Denken und Handeln zur romantischen Schule gehört, so dürfte darin die Rechtfertigung für den Versuch liegen, die jetzt nur noch wenigen bekannte Persönlichkeit wieder weiteren Kreisen nahe zu bringen. Iat sie sich doch während ihres Lebens nicht nur vielfachen und anerkennenswerten Regungen und Bestrebungen mit Verständnis und Wärme zugänglich gezeigt. sondern auch selbst vielfach angeregt und hohe Erwartungen geweckt und befriedigt, wenn auch nicht ver- schwiegen werden soll, dass die auf II. gesetzten Hoffnungen nicht in vollem Einklang mit der Erfüllung derselben stehn. Doch dieser Mangel wird nicht nur auf die Charakter- eigentümlichkeiten des merkwürdigen Mannes zurückzuführen sein, sondern wird sich nicht selten aus den wechselvollen Schicksalen, denen er unterworfen war, erklären lassen. Sehr beachtenswert ist der Umstand, dass II. mit einer Reihe der bedeutendsten Männer seiner Zeit in persönlichem und brieflichem Verkehr stand, und die Unterstützung, die ihm und seinen Arbeiten hochgestellte Personen angedeihen liessen, berechtigt zu dem Schluss, dass er von seinen Zeitgenossen mehr als gewöhnlich beachtet und geschätzt wurde. Es war, wie schon angedeutet, die Art und Weise seiner Thätigkeit, die Interesse für ihn weckte und dasselbe eine Reihe von Jahren wach erhielt.
UÜber die äusseren Lebensverhältnisse Hundeshagens dürfte das Material, welches völlige Klarheit derselben zu schaffen geeignet wäre, kaum je in der wünschenswerten Vollständigkeit zu erbringen sein. Auch ist das, was darüber zu erlangen ist, nicht gleich- mässig über die einzelnen Lebensabschnitte verteilt. Die Quellen fliessen spärlich, zuweilen sehr spärlich, und da wo sie relativ am reichlichsten fliessen, ist häufig für ein allgemeineres Interesse wenig zu schöpfen. Immerhin werden die gegebenen Anhaltspunkte ausreichen, um im Anschluss an dieselben ein einigermassen klares und vollständiges Bild von dem Wollen, Können und Vollbringen des interessanten Mannes zu geben.
Ielfrich Bernhard Hundeshagen wurde am 18. September 1784 als Sohn des Hessen- Ianauischen Regierungs- und Hofgerichtsrats und Advocatus fisci Joh. Balthasar Hundes- hagen geboren. Seine Mutter war eine geborene Stein, Dorothea Charlotte mit Namen. Bernhard war das achte von 10 Kindern. Sein Vater nahm eine hervorragende Stellung


