— 72—
häufige Repetieren, das Zurücktreten des bloſen Auswendiglernens ohne Verſtändnis, das Beſtreben den Schülern Arbeit und die Un⸗ luſt daran zu erſparen, endlich die Art der Stilübungen, alles das ſtimmt mit den Forderungen Ratichs überein ¹). Dagegen vermiſſen wir die Berückſichtigung einer der berechtigtſten und dringendſten For⸗ derungen Ratichs und ſeiner Anhänger, welche dahin gieng, daß der Mutterſprache durch beſondern deutſchen Unterricht zu ihrem Rechte verholfen werden müſſe ²). Ein Fortſchritt in dieſer Hinſicht zeigte ſich inſofern, als man empfahl das Ueberſetzen in die deutſche Sprache den andern Stilübungen vorausgehen zu laſſen.
Ob die Vorſchläge der Räthe die Billigung des Landgrafen fanden, und ſomit die Grundſätze Ratichs in dem Jahr 1617 in dem Unterricht der Hofſchule für die letzte Zeit dauernd zur Gel⸗ tung gelangten, läßt ſich aus den wenigen erhaltenen Schriftſtücken jener Zeit nicht erſehen.
Der Unterricht in den„logiſchen Künſten“ Dialektik und Rhe⸗ torik wurde bis zum Jahr 1616 ganz nach der Methode des Ramus ertheilt. Abgeſehen von allem andern kann man dies ſchon daraus erſehen, daß für dieſe beiden Gegenſtände nur die Lehrbücher des Ramus und ſeines Freundes und Mitarbeiters Omer Talon ⁵³) zu
2) Vgl. Raumer, Geſch. der Päd. II S. 19 ff. und Niemeyer, W⸗ „RNatich, Halle 1840— 1843. ²) Moritz erklärte ſich ſpäter entſchieden für den Unterricht in der deutſchen Sprache. In Cap. II der Schulordnung von 1618 wird geſagt: Zum fünfften ſol aller anfang des Unterrichts von demjenigen ſo den Schü⸗ lern am leichteſten zu faſſen und verrichten iſt genommen werden dero wegen man zur Lateiniſchen Sprach nicht ſchreiten ſoll man habe dann unſere angeborne deutſche Sprache zuforderſt nach notturft und genug⸗ ſamb gelernet u. ſ. w. Der Landgraf begann ſelbſt eine deutſche Gram⸗ matik zu ſchreiben. S. v. Rommel VI S. 422. Auch zeigte er ſein Intereſſe für die deutſche Sprache in ſeiner eifrigen Betheiligung an der Fruchtbringenden Geſellſchaft, welche ſich die Reinigung und Beſ⸗ ſerung der deutſchen Sprache zum Ziel geſetzt hatte. ³) S. über dieſen Mann Waddington, Ramus S. 32 f. 64 f.


