Aufsatz 
Über die Hofschule zu Cassel unter Landgraf Moritz / Hartwig
Entstehung
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rein Hiſtoriſche als ſolches zu thun, ſondern er wollte die ethiſchen Momente in der Geſchichte hervorgehoben haben, damit ſo auch die Lektüre ihren Beitrag zur Charakterbildung liefern könnte. Daher befiehlt er, daß den reifern Schülern die(wichtigen) hiſtoriſchen und ethiſchen Stellen nach der Lektüre eines Hiſtorikers diktiert wer⸗ den ſollten 4).

Ob und in wie weit bei der Erklärung der Dichter der In⸗ halt Berückſichtigung fand, iſt uns nicht möglich zu beſtim⸗ men. Es ſcheint jedoch, als ob dieſelben faſt nur als Beiſpiel⸗ ſammlungen grammatiſcher, rhetoriſcher, metriſcher und proſodiſcher Regeln gedient hätten. Nach Beendigung der Lektüre wurdendie Blüthen geſammelt. Hieran ſchloſſen ſich Uebungen in der Vers⸗ bildung(cestitutio versnum), zu denen die Worte eines Verſes vom Lehrer gegeben wurden, und nachahmende dichteriſche Verſuche, bei welchen ſich die Schüler möglichſt eng an das claſſiſche Muſter anſchließen mußten. Auch wurden ganze Bücher des Vergil und Horaz auswendig gelernt. Die Lektüre des Terenz hatte haupt⸗ ſächlich den Zweck die Schüler mit der Umgangsſprache vertraut zu machen. Endlich wurden auch noch von Zeit zu Zeit von den Schülern Schauſpiele, welche meiſt der Landgraf ſelbſt verfaßt hatte, aufgeführt.

Eine Aenderung der Methode des lateiniſchen und des ſprach⸗ lichen ²) Unterrichts überhaupt ſand im Jahre 1616 ſtatt. Wir werden ſchwerlich irre gehen, wenn wir dieſe Reform. mit dem Un⸗ terricht, welchen Wolfgang Ratich in genanntem Jahre an der

¹) 6433 II, p. 25. 4

²) Was in dem Vorhergehenden von der Methode des lateiniſchen Un⸗ terrichts geſagt wurde, das hat auch wenigſtens für die erſte Zeit dieſer Schulperiode ſeine Geltung in Bezug auf den griechiſchen Unterricht. In den ſpätern Jahren trat das Griechiſche, wenn es überhaupt be⸗ trieben wurde, ſehr zurück, weil Moritz zu wenig praktiſchen Nutzen von der gründlichen Erlernung der griechiſchen Sprache ſah und es für ge⸗ nügend hielt, wenn die Schüler im Stande wären das Neue Teſtament in der Urſprache zu verſtehen.