Aufsatz 
Über die Hofschule zu Cassel unter Landgraf Moritz / Hartwig
Entstehung
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Predigten angeſetzt. Zweimal wöchentlich unmittelbar vor dem Abendgebet ſollte das Buch Sleidans de quatuor summis impe- rüs ¹) geleſen und erklärt, die darin enthaltenen Geſchichten nach den Quellen ausführlicher erläutert und zu Beiſpielen für moraliſche Excurſe verwandt werden. An den vier andern Wochentagen hatten ſich die Knaben in der letzten Stunde vor dem Abendgebet gegen⸗ ſeitig aus den Tageslektionen zu examinieren(Communicatio). Endlich ſollten täglich nach den Nachmittagslektionen gemeinſame Uebungen in Vokal⸗ und Inſtrumentalmuſik vorgenommen werden.

Die erſte Claſſe(logicorum) ſollte außer in den eben aufge⸗ führten mit der zweiten Claſſe gemeinſamen Lehrobjekten wöchentlich vier Stunden in der Dialektik des Ramus und ebenſoviel in der Rhetorik des Ramus erhalten. Mit dem Unterricht in der Rhe⸗ torik wurde die Lektüre eines griechiſchen Redners oder Geſchicht⸗ ſchreibers und die Einübung der griechiſchen Formenlehre(etyino- logia) vereinigt. Neben der Dialektik wurde in jenen vier Stun⸗ den griechiſche Syntax getrieben und ein griechiſcher Dichter geleſen. Für den lateiniſchen Unterricht waren im Ganzen neun Stunden beſtimmt, von denen vier zur Lektüre des Terentius oder einer Rede Cicero's oder eines guten(tersus) Hiſtorikers verwandt wur⸗ den ſollten. Hieran ſchloſſen ſich lateiniſche Redeübungen. Zur Lektüre des Vergil oder eines andern lateiniſchen Dichters waren vier Stunden verwilligt. Endlich war eine Stunde für Repetition der lateiniſchen Grammatik beſtimmt. Für die Arithmetik blieb auch hier nur eine Stunde übrig. Die beiden Nachmittagsſtunden des Sonnabends dienten zu Disputierübungen(collatio), nach de⸗ nen die Plätze beſtimmt wurden. Die Morgenſtunden an demſelben Tag waren den Schülern zur Berbereitung für die Nachmittags⸗ ſtunden überlaſſen.

¹) Vergleiche über diefes Compendium das Urtheil L. Rankas D. Geſch. im Zialt. der Ref. V S. 491. 5