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die Wiſſenſchaften einzuführen, fühlten auch kein Bedürfnis denſel⸗ ben eine andere Erziehung angedeihen zu laſſen, als ſie ſelbſt ge⸗ noſſen hatten. Seine Jugend verlebte der Adel auf ſeinen Gütern, nur auf Vermehrung ſeines Grundbeſitzes bedacht, ohne zu erwä⸗ gen, daß, wie Pflug ſagt, derſelbe ſeinen Vorfahren virtutis causa, cujus cultu nobilibus viris nihil prius et antiquius jure esse debet, zu Theil geworden ſei. Andere, welche ſich wenigſtens einer gewiſſen literäriſchen Bildung rühmen konnten, ſorgten zwar dafür, daß ihre Söhne, wenn ſie nur von den einfachſten Elementen eine oberflächliche Kenntnis erlangt und den lutheriſchen Katechtsmus, wenn auch nicht begriffen, doch auswendig gelernt hatten, einige lateiniſche Phraſen herſtammeln lernten. Aber damit war auch die allgemeine Vorbildung abgeſchloſſen, und die Knaben wurden nun mit Beiſeiteſetzung alles anderen zum Studium des Rechts ange⸗ halten, ohne daß ſie doch bei ihrer mangelhaften Vorbereitung die für das Verſtändnis desſelben erforderliche Reife beſaßen. Die Folge dieſer Erziehung war die, daß der Adel, zum Theil verbauert und roh, zum Theil wenigſtens einer tieferen intellektnellen Bildung bar auf das ganze Staatsweſen einen um ſo verderblicheren Einfluß übte, je bedeutender die Rolle war, welche ihm durch die ſocial⸗ politiſchen Verhältniſſe der damaligen Zeit und durch ſeiiſen Ein⸗ fluß auf Stadt und Land zugewieſen war.
Am meiſten traten die Folgen hiervon bei den Landtagen her⸗ vor. Es fiel hier den Fürſten oft außerordentlich ſchwer, mit ihren Vorſchlägen durchzudringen, weil der Adel, auf welchen es haupt⸗ ſächlich ankam, ohne Verſtändnis für Staats⸗ und Kirchenangelegen⸗ heiten, allen Verbeſſerungen meiſt von vornherein abhold, ſich nicht durch die in den Sachen liegenden Gründe, ſondern durch den Bei⸗ fall der Menge, die ſelbſtſüchtigen Rathſchläge anderer und ſeine eignen Sonderintereſſen beſtimmen ließ.
War es nun bei ſolchen Zuſtänden zu verwundern, daß ein Fürſt wie Landgraf Moritz, ausgerüſtet mit einem ſo hellen und
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