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reformierten Fürſten am Ende des ſechzehnten und im Anfange des ſiebzehnten Jahrhunderts ¹). Unter dieſen Fürſten nimmt nun eine ſehr hervorragende wenn nicht die erſte Stelle der Enkel Philipps des Großmüthigen und der Sohn Wilhelms des Weiſen, der Land⸗ graf Moritz der Gelehrte von Heſſencaſſel, ein, ein Mann, welcher wegen ſeiner umfaſſenden und gründlichen Bildung nicht nur der Gelehrte unter den Fürſten, ſondern auch ein Fürſt unter den Ge⸗ lehrten jener Zeit zu heißen verdiente. Doch es iſt nicht die Auf⸗ gabe dieſer Blätter den Nachweis zu liefern, in wiefern er dieſes Namens würdig iſt ²), ſondern es ſoll durch den Verſuch einer Geſchichte der von ihm gegründeten und ſpäter zur Ritterſchule er⸗ hobenen Hofſchule nur eine Seite ſeiner Thätigkeit für die wiſſen⸗ ſchaftliche Bildung ſeiner Unterthanen und insbeſondere des Adels an das Licht geſtellt werden.
Ehe wir aber hierzu ſchreiten, erſcheint es nothwendig, einige Bemerkungen über die Erziehung und den Bildungsſtand des Adels in damaliger Zeit ſowie über die Beweggründe, welche den Land⸗ grafen bei ſeinem Unternehmen leiteten, und die Ziele, welche er dabei verfolgte, vorauszuſchicken.
Die Bildung namentlich des Landadels ſtand damals auf ei⸗ ner ſehr niedrigen Stufe ³). Eine wiſſenſchaftliche Erziehung war für ihn ſo gut wie gar nicht vorhanden. Die Eltern, meiſt roh und ungebildet und daher auch nicht im Stande ſelbſt ihre Söhne in
1) S. Barthold, Geſchichte der fruchtbringenden Geſellſchaf’, Berlin, 1848, S. 39. 43. 52 ff. ²) Von der Gelehrfamkeit des Landgrafen handelt ein beſonderes Pro⸗ gramm von W. Casparſon, Caſſel 1774. ²) Die Quelle für dieſe Charakteriſtik iſt ein in culturhiſtoriſcher Hinſicht ſehr intereſſantes Schreiben von Chriſtoph Pflug, einem Aufſeher der Hofſchule, aus Nürnberg 1601(den 29. Mai) an Landgraf Moritz ge⸗ richtet. Es iſt beſonders abgedruckt in einem Programme Casparſons über die hohen Schulen zu Caſſel in den Zeiten vor dem Collegio il- lustri Carolino, Caſſel 1783. Vgl. Chr. v. Rommel, Geſchichte on Heſſen VI, S. 433 f. 8


