Aufsatz 
Zur Geschichte der Schaumburg und der Burg Hohenrode : Festrede am Allerhöchsten Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs / geh. von Hartmann
Entstehung
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denn der Pertzog ſolche gefangene jhme ſelbſt alſe der Veloͤther allein zueignen wollen/ die Graffen aber alß Graf Adolff von BHolſtein/ G. Bernhardt von Ratzeburgk/ G. Bern⸗ haroͤt von der Wolpe/ vnd der von Balermünde/ lieſſen ſich düncken/ weil ſie auff jr eignen Dnkoſten dem Pertzogen zugezogen/ es ſolken die jennigen/ die ein Jeder mit ſeiner eigen Handt gefangen/ billich auch deſſelben ſein/ ſich an jhnen jhrer auffgewandten Pn⸗ koſten zu erhalen. Piemit aber Vertzog Beinrich nicht zufrieden /Zonder alle gefangene allein fur ſich haben wollen/ deme G. Guntzel von Buerin ſeine Gefangene auch vngewegert folgen laſſen. Denn es hekte jn der Vertzog auch auf Buerin zuvor zu einem Graffen vnd groſſen Verrn gemacht/ Aber Graff Adolff/ welchem Beine furwendung noch enk⸗ ſchüldigung bey dem Pertzogen helffen wolte/ führete ſeine gefangene([deren bei 22. geweſen) wieder des Pertzogen willen mit ſich in Bolſtein vnd hiemik macheke er jhme den erſten unwillen bey dem Bertzogen.

Ob den so entstehenden Hass Graf Gunzel von Schwerin geschürt habe oder ob der Erzbischof von Köln Adolf gegen den Herzog gereizt habe, lässt der Chronist unentschieden, aber er erzählt von diesem Hasse und seinen verderblichen Folgen: Dadurch der Vertzog ſo verbiktert worden/ daß er Graf Adolffen vberzogen/ vnd die Peuſer Plone/ vnd Segeberg/ eingenohmen/ vnd wieder gemachke vertrage und Bundnuß/ den Graffen mik ſeiner Nraw Mukter auß Bolſtein verjagek daß ſie ſich in die Graffſchaft Schawenburgh begeben müſſen. Auff dieſe und andere mehr dergleichen gewalkſame ein⸗ griffe des Bertzogen ward Reyſer Nriederich bewegk/ daß er auff vielfaltige vorgehende Clage der anderen Jürſten vnd Skende/ Vonderlich der Bachſiſchen Biſchoffe/ mit aller macht Anno 1182. in Bachſen zog/ vnd dem Bertzogen ein Hauß nach dem andern vnd endklich dz gantze Braunſchweigiſche Tandt einnahm.

In diese Zeit, in die Gegend des Jahres 1181, fällt die Zerstörung der Burg Hohen- rode. Als Graf Adolf, von dem Herzog aus Holstein vertrieben, in die Grafschaft Schaumburg geflüchtet war, bekämpfte und vernichtete er die Burg seines früheren Kampf- genossen und nunmehrigen Gegners, des Grafen von Rode, der auf der Seite des Herzogs geblieben war, sei es aus Rache, sei es um seiner eigenen Sicherheit willen.

Die kurzen Angaben, welche wir aus dem Leben des Grafen Adolf bisher ver- nommen haben, sind uns von dem Chronisten der Grafschaft, dem Magister Cyriacus Spangenberg in seinemChronicon Vnd Biſtoriſche Beſchreibung/ der löblichen alken Graff⸗ ſchaft Schawenburg erzählt worden. Dieser Magister aber hat sich die Geschichten von dem ersten Abt des Klosters S. Mariä, S. Johannis und S. Aegidii zu Lübeck, einem Zeitgenossen unseres Grafen, erzählen lassen. Die Chronik des Arnold von Lübeck ist die Hauptquelle für andere Chronisten, so auch für den Geschichtsschreiber der Wuns- torfischen Grafen, den Helmstedter Professor Polykarp Leyser. Dieser Gelehrte giebt den Grafen von Rode ihren Namen von ihrem Stammsitz Rode, welchen er in die Nähe des Dorfes Cronsbostel bei Wunstorf verlegt. Ein Zweig des Geschlechtes habe die Burg Lauenrode(Lowenrode oder Lewenrode gegenüber dem damaligen Dorfe Hannover) gebaut und führe daher auch einen Löwen im Wappen. Ganz spärlich nur findet sich der Name des hier in Frage stehenden Grafen. So heisst es bei Leyser in bezug auf die Schlacht auf dem Halrefelde: Der Herzog habe alle Gefangenen für sich beansprucht.