Aufsatz 
Zur Geschichte der Schaumburg und der Burg Hohenrode : Festrede am Allerhöchsten Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs / geh. von Hartmann
Entstehung
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beinahe hätte ich gesagt ein menschliches Interesse in uns wachruft und unsere Auf- merksamkeit von den geringen Steintrümmern den Menschen zuwendet, die hier gelebt und gekämpft haben.

So wollen wir uns unter den Buchen niederlassen und Einen aus unserer Gesell- schaft bitten, zu erzählen, was die alten Chroniken berichten können.

Wer hat die Burg gebaut, wer hat sie zerstört? Das sind die Fragen, die sich uns aufdrängen, das sind Fragen, die umsomehr unser Interesse in Anspruch nehmen, als die kurze Lebensgeschichte der Burg uns mitten hinein versetzt in eine der ruhm- reichsten, in dem Gedächtnis unseres Volkes am testesten bewahrten Zeiten unserer Geschichte, in die sturmbewegte Zeit der Hohenstaufischen Kaiser.

Es ist die Zeit Barbarossas, die vor uns auſsteigt, als der weltgeschichtliche Hintergrund, auf welchem sich das Leben unserer Burg einer kurz aufschäumenden Welle vergleichbar abhebt. Es ist die Zeit des gewaltigen Kampfes des Hohenstaufen mit seinem mächtigen Gegner, Heinrich dem Löwen, welche die Betrachtung der noch vorhandenen Gräben und Wälle unserem geistigen Auge vorführt. Die Schlacht bei Legnano war geschlagen, sie war für den Kaiser verloren durch den Abfall des sächsischen Fürsten. Friedrich hatte über Heinrich den Löwen die Reichsacht ausgesprochen und seine Be sitzungen zersplittert. Bayern hatte er dem Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach gegeben, das östliche Sachsen dem Grafen Bernhard von Anhalt, das westliche Sachsen erhielt unter dem Namen eines Herzogtums Westfalen der Erzbischof von Köln. Lange wehrte sich der mutige Herzog. Er eroberte Halberstadt und nahm dessen Bischof gefangen, er besiegte den Landgrafen von Thüringen und gewann gegen den Erzbischof von Köln die Schlacht auf dem Halrefelde bei Osnabrück. Als aber der Kaiser selbst sich gegen ihn wandte, verliess ihn das Glück und er unterwarf sich dem Kaiser auf dem Reichstage zu Erfurt. Er wurde nach England verbannt. Während aber der Kaiser seinen Kreuzzug unternahm, eroberte Heinrich durch einen plötzlichen Einfall in Holstein einen grossen Teil seiner Lande wieder und führte später noch einmal einen unglücklichen Kampf gegen Friedrichs Nachfolger, Kaiser Heinrich VI.

In diesen gewaltigen Kampf der kaiserlichen Macht gegen die aufstrebende Fürstengewalt, in diesen Kampf zwischen den Welfen und den Anhängern des Hohen- staufischen Hauses, welcher von so weittragender Bedeutung für die Geschicke Deutsch- lands gewesen ist, sind nun die Schicksale zweier Dynastengeschlechter verwoben, welche hier in unserem Lande ihren Wohnsitz gehabt haben. Es sind die Grafen von Holstein- Schaumburg und die Grafen von Rode. Beide Geschlechter waren Vasallen des sächsischen Herzogs. Von Beiden hatten die damaligen Häupter treu auf Seiten des Herzogs gekämpft. Ein unglücklicher Zwist aber veranlasste den Grafen Adolf von Schaumburg, zur kaiserlichen Partei überzutreten. Da standen sich nun die feindlichen Burgen gegenüber die Schaumburg und die Burg Hohenrode, nur getrennt durch den Weserstrom. Der grosse Kampf zog auch in unser Tal seine Wellenkreise und forderte einen der Nebenbuhler zum Opfer. Die Burg Hohenrode war das Opfer.

Graf Adolf III. von Holstein, als Graf von Schaumburg Adolf IV., hat sie zerstört, Graf Konrad von Rode hat sie gebaut und besessen.