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stunden an einem so arbeitsreichen Tage klang, und mit allerliebster Neckerei wußte sie jedermann von ihrer Stimmung zu überzeugen. Die Burschen, die Neckarwein bestellt hatten, wiesen die offenen Schoppen zurück. Heute wollten sie Flaschen haben. Einer unter ihnen, der Alteste und Ruhigste, ein echter schwäbischer Langkopf, fiel mir durch den freundlichen und glücklichen Ernst seiner Mienen und Reden auf. Die Wirtin erzählte mir mit einem gewissen Stolze, er sei erst vor einigen Wochen aus dem südwestafrikanischen Feldzug heimgekehrt. Auf meine Frage versicherte er, wie froh er sich fühle, daß sein schwerer Dienst nun zu Ende sei. Ich las dabei in seinen Augen ein bewußteres Heimatsgefuhl als in all der Lustigkeit der anderen.
Allzulange hatte die Freude an dem liebenswürdigen Völkchen meine Rast ausgedehnt. Auf dem Wege zum Roßberg genoß ich vom Rande eines Buchengehölzes noch einmal den Anblick des schon im achten Jahrhundert als Klostergut erwähnten Dörfchens. Den leisen, wohltuenden Rhythmus des Bodens wiederholend, lag die geschwungene Kette der strahlend weiſßen Häuschen und niederen roten Dächer da, inmitten die stumpfe, rote Dachpyramide des Kirchturms. Alles war sauber und trat scharf und körperlich aus den satten Farben des Ge- ländes heraus, über das sich ein tiefes Blau spannte.
Die innere Alblandschaft ist freilich nicht überall so heiter. Drüben auf der Geislinger und Weißensteiner Alb wohnt dem Eindruck, viel- fach durch die Dürftigkeit des Bodens verstärkt, eine gewisse Herbe und Öde inne. Und auch an dieser jetzt so heiteren Stelle mag in Sturm- und Wintertagen, wenn das entzügelte Wetter ungehemmt über die Hochfläche fegt, wenn der alte Wode mit seinen Wolkenrossen über die Heide jagt, der Gedanke an die„Rauhe“ Alb näher liegen als heute. Der Schwabe gebraucht diesen Beinamen selten und nur für Sonder- gebiete. Als Bezeichnung für das ganze Gebirge ist er sicher ungerecht. Ist doch nach meteorologischen Feststellungen die Durchschnittswärme in diesen Höhen von 800 m und darüber merkwürdig groß. Und ist doch für den Schwaben die Albfläche, die zur Hälfte Ackerland trägt, die Kornkammer seines Ländchens, die nicht nur den Hafer, sondern vor allem den Dinkel reift, dessen Felder zu den ältesten Kennzeichen schwäbisch-alemannischer Siedelungen gehöõren.
Der Randwandrer der Alb wird, wenn ihm klare Luft vergönnt ist, immer etwas vom Gefühl des Uhlandschen Hirtenknaben erleben, vom glücklichen Gefühl des Herabschauens. Ich stand auf dem Roßberg, dessen widerstandsfähiger Kalk sich kuppenartig dem Flächenrand aufsetzt, und sah unter mir das schöne, grüne Neckarland mit seinen Rebhügeln und Obsthainen, Wäldern und Feldern, Städten und Dörfern. Warmer Sonnenglanz lag über allem. Aus den Fernen dämmerten bläulich die Ränder der Odenwaldausläufer und des Schwarzwaldes herein.


