Arbeit, der Heuernte, zu welcher der wundervolle Tag herausforderte. Oberall ringsum auf den Rainen zwischen den geschnittenen Mähdern, wie die einmähdigen Bergwiesen zum Unterschied von den zweimähdigen Ohmdwiesen der Täler heißen, bewegten sich die Doppelgespanne der Rinder. Die wenigen noch ungeschnittenen Wiesenstücke zeigten sich zum größten Teil aus Felsmattenarten zusammengesetzt. Auch die selteneren Arten verblühter Orchideen und die tonangebenden Gräser, wie die Bergtrespe und die Kammschmiele unterscheiden sie dem Kun- digen sofort von den saftigen Talwiesen. Von nahen Esparsettefeldern tritt dieser langtraubige, rote Schmetterlingsblütler in die Wiesen ein, wenn er nicht ursprünglich darin heimisch ist. Schafweiden, die kümmerlichste und eintönigste Kulturformation der Alb, treten hier zurück, während ich noch vor kurzem an der oberen Fils und südlich vom Hohenstaufen viele Stunden lang von einem Hirten zum andern ge- wandert bin.
Mein Weg war schattenlos. Zwischen hochbeladenen Heuwagen, auf denen Frauen und Mädchen neben ihren feiernden Rechen ruhten, ge- bräunte Gesichter, die mir alle von oben herab ein lautes Grüeß Gott gönnten, zog ich in das Dörfchen Genkingen ein, um sonnenmüde und schattenfroh ins erste kleine Wirtshäuschen einzufallen. Nichts schöneres als das Vorgefühl der Rast, mit dem man den Rucksack auf die Ofen- bank wirft! Der Wirt war draußen in den Mähdern, die Wirtin saß strickend am alten, sauberen Holztisch. Ihr Bübchen machte die ersten Sprachübungen. Das schwäbische Albdeutsch aus dem Munde eines kleinen Burschen, kaum die Mutter versteht es.„Das Naseweisle spricht, als wenn einer von den Welschen da wäre“. Ein alter Bauer setzté sich mit seinem Hechinger Bier neben mich und begann eine laute Unter- haltung. Laut sprechen sie hier oben alle und ein anderes, rauheres, allemannischer gefärbtes Schwäbisch als die im Unterland. Ist es doch altalemannischer Boden. Konnte ich in der Wortflut auch nicht mit- schwimmen, so hörte ich doch aus einzelnen Entrüstungsrufen heraus, daß es sich um die unverschämten Forderungen fremder Heuer handelte, die sich das Unberechenbare der schönen Witterung, die viele Hände verlangt, zu nutze machten. Eine kleine Schar junger Hochzeitsgäste, die sich abseits der großen Bauernhochzeit, welche oben in der Rose gefeiert wurde, ein Stündchen auf eigene Faust vergnügen wollte, trat lachend und schwatzend in die niedere Stube, Bauernburschen und Bauerndirnen im Sonntagsstaat, die Mädchen mit bunten Kränzen im schwarzen Haar. Die Braunaugen der Jüngsten, der Schwung ihrer Lippen, die feine Form der Nase muteten mich wie ein Sieg der Schön- heit über die Arbeit an, die ihre derben Hände verrieten. Alle Minuten ans offene Fenster springend, rief sie jedes vorüberfahrende Gespann an, wobei aus ihrem Lachen eine stolze, kindliche Freude über die Feier-


