Aufsatz 
Zur Konzentration des erdkundlichen Unterrichts. Ein Wandertag auf der schwäbischen Alb
Entstehung
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stehe, riesige Schwammbauten des Jurameeres sind, deren ungeschichtete, schwerer zerstörbare Kallemassen über und neben den parallel geschich- teten, versteinerungsreichen Tonbänken und Kalkflözen des Gebirges hervorstehen? Die weißen Steilfelsen des Donaurandes sind ihnen eng verwandt. Es sind Korallenriffe jenes warmen Meeres, das vermutlich eine gewaltige Ausdehnung gehabt und nur Inseln, auf denen schon Palmen und Nadelhölzer wuchsen, aber noch keine größeren Kontinente umspült hat. Und diese Ammonshörner und Muscheln, die uns hier der Jurakalk aufbewahrt hat, treten in fast gleichen Formen in amerikanischen und asiatischen Gesteinen und in den Juraresten der heutigen Polar- gegenden wieder auf. Wie weitet sich von der kleinen schwäbischen Höhe unser Blick über unfaßbare Zeiten und Räume, und indem er über die einförmige Hochfläche gleitet, wandert er weiter über den Spiegel entlegener Meere, die in der Gegenwart Ahnliches wirken und schaffen mögen, wie es hier mit Augen zu sehen und mit Händen zu greifen ist. Wir ahnen einen der großen Zusammenhänge, in die wir, uns selbst rätselhafte Erdwesen, mitten hineingestellt sind. Wir ahnen aber auch den ewigen Fluß der Dinge. Solcherlei Betrachtungen werden dem Rastenden gerade an dieser Stelle erleichtert durch eine in der Nähe des Schlößchens den Albfreunden vom Herzog von Urach er- richtete geologische Pyramide, die den ganzen Gebirgsbau von den untersten Schichten des schwarzen bis zu den obersten Massenkalken des weißen Jura mit ihren schönsten Leitfossilien vor Augen stellt. Indem der Blick von der Weite der Albfläche und aus dem Innern des Gebirges zurückkehrt zur erklommenen Steilwand, taucht eine neue Frage vor ihm auf. Wie ist der Nordtrauf entstanden? Wir wissen heute, daß er allein auf die Erosionswirkung des fließenden Wassers zurückzuführen ist, und bewundern die formenerfinderische Meisterschaft dieser Kraft, die hier einen Wall geschaffen hat, der reicher gegliedert und gebuchtet ist als die verzwickteste Lobenlinie der Ammoniten, die seine Schichten bergen. Die Alb mit ihrer allmählich zur Talspalte der Donau hin einfallenden Schichtung ist der UÜberrest eines weiten, flachen Gewölbes, das mit seinen Kalkbänken das Land von Oberschwaben bis an den Rhein und darüber hinaus überspannt haben mag. Wahrschein- lich hängt die Aufwölbung der ursprünglich horizontalen Masse mit der Bildung der Alpen zusammen, der ja auch der Gebirgsbruder der Alb, der Schweizer Jura, seine starke Auffaltung verdankt. Auch mannig- fache Spaltungen und Einbrüche des Gewölbes, von denen die Bildung der Donauspalte und die der Rheinspalte die wichtigsten sind, müssen wir in die tertiäre Zeit verlegen. Damals begann aber vor allem die Zerstörung vom nordwestlichen Rande her. Es entstand eine Mauer, die sich immer weiter nach Südosten verschob. In der mittleren Tertiàk- zeit soll sie in der Stuttgarter Gegend gestanden haben. Das mit starkem