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So ist der Geographieunterricht, unbeschadet der grundlegenden und praktischen Kenntnisse, die er zu vermitteln hat, auch dazu berufen, die Freude an der Natur zu vertiefen und eine enge Verbindung mit jenen künstlerischen Elementen herzustellen, die dem Schüler vor allem in Prosa und Poesie des deutschen Unterrichts entgegentreten. Der Schüler soll nicht bloß Wissen an Wissen fügen lernen, es soll ihm auch eine Ahnung davon aufgehen, daß die Natur, auch das Stück Natur, das ihn umgibt, ein großes Kunstwerk ist. Ich möchte diese wenigen Bemerkungen mit den Worten schließen, die mein teurer Lehrer Fried- rich Ratzel im Vorwort des schönen, erst nach seinem Tode erschienenen Buches„Uber Naturschilderung“ ausspricht. Er nennt es einen schönen Gedanken,„daß den Winter der rein verstandesmäßigen naturwissen- schaftlichen Aufklärung ein sonniger Frühling der Naturfreude und Naturbefreundung vertreiben könnte, in dem der blütenreiche Kranz von körperlichem und gemütlichem Erleben und von Gedanken, den wir Naturgenuß nennen, von immer mehr Menschen in allen Ländern und zu allen Tagen und immer kundiger gewunden würde; und daß dazu der geographische Unterricht beitragen sollte, der wegen seiner Trocken- heit verrufen war!“
Ich habe die Welt wohl nie so sommerlich gesehen und die Menschen so liebenswert wie heute auf der Alb. Ein dreifaches Wanderleben führe ich in diesen Tagen: unten in Tal und Stadt, hinauf- oder herab- kletternd an Steilwäldern und Felsen, oben am Nordwestrande der Hoch- fläche, die sich zwischen das hügelreiche Neckarland und die jenseits der Donauspalte beginnende Gletscherschuttlandschaft Oberschwabens als eigene trennende Welt legt. Als ich am zeitigen Morgen von Reutlingen aus, dem kalkfarbenen Gewässer der kleinen Echaz entgegen, der schönen gewundenen Gebirgsmauer wieder zuschritt, während sich die stolze Achalm mehr und mehr rückwärts entfernte, war mir zu Mut, als sei oben auf der Höhe mein Wandern erst recht daheim.
Zur Rechten sah ich, dem Kallkgebirge als Fremdling vorgelagert, den Basalttuffkegel des Georgenberges, einen jener zahlreichen Tertiär- vulkane des mittleren Albgebietes, über die uns besonders Branco's Untersuchungen so gute Aufschlüsse gegeben haben. In Pfullingen, dem alten an der Offnung des Honauer Tales liegenden Grafensitze des Pfullichgaues, traf ich auf Klosterreste, neben denen Fabriken und Brauereien von einer tätigen Gegenwart zeugten. Drüben im breit- rückigen Urselberg, einem echten Albvorsprung, lebt in einem ver- sunkenen Schlosse die schöne Ursel der Sage mit ihren Nachtjungfrauen. Sie ist den Menschen freundlich gesinnt, beschenkt die Armen mit Korn und Brot und half früher ihren Frauen und Töchtern beim


