Aufsatz 
Über die zeichnende Methode im geographischen Unterricht / von L. Grebe
Entstehung
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Die Herstellung des Gradnetzes.

Bei Herstellung des Gradnetzes ist von jeder der üblichen Projectionsarten abgesehen und ein rechtwinkeliges Coordinatensystem an deren Stelle getreten. Es liegt für dasselbe die willkürliche, aber local annähernd richtige Voraussetzung zu Grunde, dass sich in Deutschland die Länge des Breitengrades zur Länge des Längengrades verhalte wie 3 zu 2, was absoluten Längen von bezüglich 15 und 10 geographischen Meilen gleichkommen würde.

Nun sind, wie das Kärtchen zeigt, in der Zeichnung nur geradzahlige Breitenlinien und Meridiane von Ferro an gerechnet vorhanden, sodass das das Flächenelement des Netzes bildende Rechteck bei den Dimensionen von 30 und 20 geographischen Meilen einen Flächeninhalt von 600 Quadratmeilen aufweist.

Die Zeichnung der Karte beginnt mit Herstellung des Quadrats abed, dessen Eckpunkte in die Nordsee nördlich von Gröningen, nach Stargard in Westpreussen, Bonneville in Savoyen und Fünfkirchen in Ungarn fallen. Die vier Seiten dieses Quadrats werden halbirt und die gegenüberliegenden Halbirungspunkte verbunden. So hat man wiederum vier Quadrate, welche durch den 50. Breitenkreis und 30. Meridian östlich von Ferro getrennt sind, dagegen eingeschlossen werden vom 54. und 46. Breitenkreise, sowie vom 24. und 36. Meridiane. Während nun von Westen nach Osten die Seiten der vier Theilquadrate in je drei, von Norden nach Süden in je zwei gleiche Theile eingetheilt werden, hat man nach geradliniger Verbindung gegenüberliegender Punkte die Grundlage des ganzen Gradnetzes und zwar 24 Oblonge von je 600 Quadratmeilen, mithin zwischen den genannten vier Eckpunkten 14,400 Quadratmeilen.

Sämmtliche vier Eckpunkte liegen ausserhalb der Grenzen des alten deutschen Bundes, es lässt sich aber innerhalb dieses quadratischen Flächenraums weder eine vollständige Karte des alten, noch viel weniger des neuen Deutschlands zu Stande bringen. Zudem erscheint es, ab- gesehen von der Nöthigung sowohl die Königsau wie auch Memel auf der Karte zu haben, angemessen, die Nachbarländer bis zu gewissen charakteristischen oder wichtigen Punkten über- blicken zu können, da ja neben der Kenntniss des eigenen Vaterlandes nichts von grösserer Wichtigkeit ist als zu wissen, wie dieses Vaterland mit den Nachbarländern in Verbindung steht. So ist denn die bei Calais auftretende Veränderung in der Richtung der Küste sowie das voll- ständige Vorhandensein des artesischen Höhenrückens ein Hinweis auf England. Ferner stellt die Convergenz der nordfranzösischen Flussadern gegen Paris die Wichtigkeit dieser Stadt ver- ständlich dar. Die Alpenerhebung, nordwärts begrenzt durch die Linien Regensburg-Doubs- mündung und Regensburg Waitzen, kommt zu westlichem und östlichem Abschluss in den nach Süden gehenden Stromrichtungen der Saône Rhône von der Doubsmündung an und der Donau von der Strompforte Gran-Waitzen an. Auch sind die Verbindungen mit dem Apennin und den dinarischen Ketten vorhanden und somit die Richtungen angedeutet, in denen diese Alpenausläufer in die südliche und südöstliche Halbinsel Europas eindringen. Von besonderer Wichtigkeit, um den Eingang nach Mittelitalien aufzufassen, erscheint es noch, ausser dem Nordende des adriatischen Meeres den nördlichen Theil der ligurischen Bucht zu sehen. Dass wir durch das Hereinragen von Schonen an die skandinavische Halbinsel und das Geschiedensein des baltischen Meeres vom Kattegat erinnert werden sowie dass die ununterbrochene Wasserlinie von Hamburg über Küstrin und Bromberg zum Bug das nordöstliche Hereindringen des osteuropäischen Tieflandes kennzeichnet, ist zur Abrundung eines physischen Oberflächenbildes von Deutschland sehr schätzenswerth.

Es mussten deshalb an das Grundquadrat abed noch je eine Reihe Oblonge nördlich

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