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Stunden und vielleicht nicht einmal durch alle Classen hin genossen hat und er sich alsdann vielleicht dem Lehrfach widmen sollte, sei es nach der Seite der Sprachen oder in mathematisch- naturwissenschaftlicher Richtung, so wird ihm bei gänzlicher Vernachlässigung geographischer Studien auf der Universität sowie mangelnder facultas auch häufig gegen seinen Wunsch dieser Lehrgegenstand, und zwar, was das Schlimmste ist, mit nur wenigen Stunden, anvertraut. So entsteht denn die Frage, ob durch den geographischen Unterricht auf den höhern Schulen der Wichtigkeit des Gegenstandes und den Bedürfnissen der Zeit Entsprechendes erreicht wird. Dass diese Frage mit Nein zu beantworten ist, wird jeder Sachkenner zugeben; über die Mittel der Besserung werden aber freilich die Ansichten sehr auseinander gehen. Die Vermehrung der Anzahl der wöchentlichen Geographiestunden hat wohl die geringste Aussicht auf Verwirklichung. Dagegen liesse sich dem Unterrichtszweig dadurch aufhelfen, dass man selbst an den grössten Anstalten nie mehr als drei Lehrer in diesem Fach beschäftigte. Hierdurch würde das Vertraut- sein mit dem von Jahr zu Jahr sich gewaltig verändernden Stoff ermöglicht und die Ausbildung individueller Methoden unterstützt werden, die nach Stoff und Classenstufe sehr mannichfaltige sein können.
Wohl die wichtigste aller geographischen Unterrichtsmethoden ist die zeichnende. Ich erlaube mir zur kurzen Würdigung derselben zunächst einige Worte anzuführen, welche Director Dr. Adolf Dronke in Trier im Vorwort zur ersten Lieferung seiner im April d. J. erschienenen „Geographischen Zeichnungen“ sagt.
„Das directe Abzeichnen der Karten nach einem Atlas nimmt einestheils bei einigermassen correcter Zeichnung sehr viel Zeit in Anspruch, und anderntheils entwickelt sich hierbei sehr schwer das Gesammtbild, da der Schüler— namentlich der untern Klassen— von der Menge des auf den Karten gegebenen Stoffes erdrückt wird. Ein Atlas muss als Hülfsmittel zum Auf- suchen der einzelnen geographischen Punkte viele Städte, Flüsse, Gebirge etc. enthalten, welche für den geographischen Unterricht direkt keinen Werth haben, welche aber den Gebrauch desselben in der Schule sehr erschweren.
Von grossem Vortheil ist es, wenn der Lehrer selbst an der Tafel das Bild der Länder nach allgemeiner Form— womöglich unter Zugrundelegung von geraden Linien— entwirft, da sich das entstehende Bild bei ständiger Erklärung der Grössen- und Bildungsverhältnisse im Gedächtnisse viel rascher und sicherer einprägt als durch blosse Anschauung der Karten.“
Mehreres zum Lobe der zeichnenden Methode des geographischen Unterrichts zu sagen dürfte bei der allgemeinen Anerkennung, die diese Methode schon längst gefunden hat, überflüssig sein. Dagegen dürfte, da die Anwendung der Methode auf verschiedene Erdräume noch nicht zu allgemein gültigen Normen gelangt ist, die Art und Weise, wie der Verfasser in der Vaterlands- kunde Deutschland in geraden Linien vorführt, für Sachverständige nicht ohne Interesse sein.
Ich übergebe daher das angeheftete Kärtchen sowie die folgenden erläuternden Worte der wohlwollenden Beurtheilung sachverständiger Collegen.
Cassel, im August 1876. L. Grebe.


