ſpricht, auf die im heftigſten inneren Kampfe begriffene Maria. Mit Widerſtreben wirft ſich dieſe endlich mit den Worten:„Fahr hin, unmächt'ger Stolz der edlen Seele,“ der königlichen Schweſter zu Füßen und bittet um ein edelmüthiges, liebevolles Entgegenkommen. Aber die Eiſeskälte, mit der Eliſabeth die rührendſten Bitten und um Schonnng flehenden Worte der Maria zurückweiſt, der verletzende Stolz und die Liebloſigkeit, womit ſie ihr ihre früheren Fehler und Verirrungen vor⸗ wirft und ihr als Katholikin allen und jeden Glauben verſagt, der beißende Spott, mit dem ſie ihre Verzichtleiſtung auf die engliſche Krone aufnimmt, der alles Maaß überſchreitende Hohn endlich, mit dem ſie die Weiblichkeit und Schönheit ihrer religiöſen, politiſchen und perſönlichen Feindin herab⸗ würdigt und verunglimpft, läßt dieſe zuletzt die bisher gezeigte Mäßigung vergeſſen, und bis auf's Höchſte empört, entgegnet ſie mit edler Würde:„Ich habe menſchlich, jugendlich gefehlt, die Macht verführte mich, ich hab' es nicht verheimlicht und verborgen; falſchen Schein hab' ich verſchmäht mit königlichem Freimuth. Das Aergſte weiß die Welt von mir, und ich kann ſagen, ich bin beſſer als mein Ruf. Weh' euch, wenn ſie von euren Thaten einſt den Ehrenmantel zieht, womit ihr gleißend die wilde Gluth verſtohlner Lüſte deckt. Der Thron von England iſt durch einen Baſtard entweiht, der Britten edelherzig Volk durch eine liſt'ge Gauklerin betrogen. Regierte Recht, ſo läget ihr vor mir im Staube jetzt; denn ich bin euer König.“— So erntet Eliſabeth in dieſer Unterredung die Demüthigung, die ſie der Stuart zugedacht.
Fünfter bis achter Auftritt. Der Tod ſcheint nun für Maria unausbleiblich; dennoch aber iſt dem ſchwer gekränkten Weibe dieſe Rache, dieſer Triumph, noch dazu in Leiceſters Gegen⸗ wart, nach jahrelanger Erniedrigung eine wahre Herzenserleichterung. Mortimer erkennt auch, daß nach dieſer Wendung des Geſprächs jeder Gnadenweg abgeſchnitten iſt, und will für ſie, indem ſeine Liebe zu ihr ſich bis zur höchſten Leidenſchaft und Raſerei ſteigert, Alles wagen, und für ihre unvorzügliche Rettung ſogar ſeinen Oheim mit eigner Hand ermorden; denn für alle begangenen und künftigen Sünden iſt ihm Ablaß ſchon ertheilt. So erwächſt der Unglücklichen durch ihre Schön⸗ heit auf der einen Seite der unverſöhnlichſte Haß, auf der andern weiß ſie ſich vor der leidenſchaft— lichſten Liebe nicht zu retten.„Bin ich geboren,“ ſagt ſie,„nur die Wuth zu wecken? Verſchwört ſich Haß und Liebe, mich zu ſchrecken?“— Mortimers Rettungsabſicht wird aber durch einen übereilten Mordverſuch gegen Eliſabeth vereitelt und dadurch die Gefahr für Maria vergrößert und beſchleunigt.
Vierter Akt.
Erſter bis vierter Auftritt. Da der Mordverſuch von einem Franzoſen ausgegan⸗ gen und noch dazu nach unzweideutigen Beweiſen von Frankreich begünſtigt iſt, ſo wird die kaum erſt geſchloſſene Verbindung Englands und Frankreichs vernichtet und die beabſichtigte Vermählung zurückgewieſen. Burleigh, der die geheimen Fäden der Verſchwörung aufdeckt, durchſchaut auch die Zweideutigkeit und Hinterliſt Leiceſters, mit der er die arglos vertrauende Königin nach Fotheringhay geführt und dem Triumphe ihrer Feindin blosgeſtellt hat. Leiceſter hält ſich für verloren, um ſo mehr, als er durch Mortimer erfährt, daß ein angefangener Brief der Maria an ihn ſich in Bur⸗ leighs Händen befinde. Da plötzlich blitzt ein Gedanke zu ſeiner Rettung in ihm auf; er läßt den Mortimer als einen Staatsverräther verhaften, den einzigen, der um ſeine Theilnahme und um ſein Einverſtändniß mit Maria wußte; ſein Fall ſoll ihm die Rettungsbrücke bauen. Da Mortimer ſich ſelbſt den Tod giebt, ſo ſtirbt mit ihm auch ſein Geheimniß.
Fünfter und ſechster Auftritt. Eliſabeth, aufs höchſte erbittert und empört über die erlittene Schmach und über den Verrath Leiceſters, der ihrem Herzen der nächſte ſtets geweſen, will ihre ganze Rache ſowohl die Maria, als auch den Leiceſter fühlen laſſen.„Sterben ſoll ſie!


