Aufsatz 
Das preußische Zollgesetz vom 26. Mai 1818 und der preußisch-hessische Zollverein vom 14. Febr. 1828
Entstehung
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Ihrigen alles tun wird, was die Entrüstung über Verrat und gebrochene Treue ihm eingibt. Mit fester Stimme erwiderte der Großherzog:Wenn der Kaiser mit seinem Gewissen es vereinbaren kann, so zu handeln, wie Sie sagen, so werde ich mit meinen Untertanen zusammen untergehen, ich mit ihnen, sie gewiß nicht ohne mich! Wie es kommen soll, überlasse ich der Vorsehung Gottes. Der Franzose eilte davon; bevor er in den Wagen stieg, rief er noch mit geballter Faust nach den Fenstern des Großherzogs hinauf: Tu me le payeras, mon prince!

Durch den Zusammenbruch des Napoleonischen Kaisertums war dem Lande das angedrohte Schicksal erspart geblieben; der Anschluß an die Verbündeten be- deutete aber einen großen Fortschritt für das Großherzogtum; da ihm sein Fortbe- stand als souveräner Staat durch den Vertrag von Dörnigheim(2. Nov. 1813) von den Großmächten gewährleistet worden war, begann in den folgenden Friedenszeiten ein rascher Aufschwung des Handels und Aufblühen zu Wohlstand, besonders nachdem es in dem Jahre 1820 in die Reihe der konstitutionellen Staaten eingetreten war. Da war das preußische Zollgesetz gekommen, das das Land schwerer traf als irgend ein andres. ¹19) Namentlich Oberhessen und das sogen. Hinterland 1648 an Hessen- Darmstadt gefallen mit Biedenkopf, Battenberg, wurde es 1866 an Preußen abge- treten litten schwer unter dem preußischen Zolltarif. Das Land war fast nur von Gewerbetreibenden bewohnt, die die Hausindustrie in großem Umfang pflegten; grobe Tücher, Teppiche, Wollenwaren fanden ihren Absatz namentlich in Westfalen und in den anderén Gebieten, die seit 1815 an Preußen gefallen waren. Das preu- Bische Zollgesetz machte den armen Leuten ihren Absatz in die altgewohnten Ge- genden zur Unmöglichkeit, da der karge Verdienst an den eingeführten Waren durch den Zoll, der auf ihnen lag, wieder aufgehoben wurde; da sie nur Handwerker waren und ihnen jede kaufmännische Kenntnis abging, waren sie auch nicht im stande, sich neue Märkte aufzusuchen. Auch die armen Leineweber auf dem Vogelsberg um Als- feld und Lauterbach wurden nicht minder hart durch die neuen Zölle betroffen, der Mainzer Handelsstand erklärte sich unfähig, die Last der neuen preußischen Zollstellen länger zu tragen: das Land ging schweren Finanznöten entgegen. Schon verlangten im Landtage einzelne Abgeordnete eine Verständigung mit Preußen, zumal eine von Pfarrer Frank veröffentlichte Denkschrift den Nachweis führte, daß der Warenzug des Landes vorzugsweise durch Preußen gehe. Immer klarer wurde dem trefflichen Finanzminister du Thil, der Hessen-Darmstadt auf den Ministerkonferenzen in Wien vertrat, die Erkenntnis, daß nur durch Anschluß an Preußen das Land vom Untergang gerettet werden könne. Im Jahre 1820 lud er zwei gleichgesinnte Minister von Baden und Nassau, die Freiherrn von Berstett und von Marschall in seine Wohnung ein und einigte sich mit ihnen wegen Begründung eines gesamten deutschen Zoll- vereins auf folgende Punkte: 1. Alle Binnenzölle werden aufgehoben. 2. Weg- und Wasserzölle werden gleichgestellt. 3. Die vereinten Gebiete umgibt eine gemeinsame Zolllinie, die gemeinsam besetzt wird. 4. Die Einnahmen werden nach Maßgabe der Bevölkerung geteilt. Sehr verständige Ideen, die auch später in die Tat umgesetzt wurden; nur standen die Minister auf dem irrigen Standpunkt,erst müsse Preußen sein Zollsystem wieder abschaffen, dann werde ein Beschluß des Bundestags zu Frank-

no) Für das Folgende vgl. Oncken, Das Zeitalter des Kaisers Wilhelm I., Bd. I S. 12 ff., Treitschke, Deutsche Geschichte 3, 630 ff., Ranke, S. W. 49/50 S. 285 ff.