vorteilhafteste für sie ist und bleiben wird. Um das Maß der Not voll zu machen, schloß das englische Parlament in demselben Augenblick, wo England mit seinen Manufakturwaren auf allen europäischen Märkten die einheimische Industrie erdrückte, unsere Produkte von seinen Märkten aus, indem es die Korneinfuhr des Auslands in England verbot, bis das Quarter Weizen(ca. 300 l) den hohen Preis von 80 Sh. (= 80 Mlk.) erreicht habe, ein Beschluß, der einem völligen Einfuhrverbot gleichkam.
Ohne Zweifel mußte Englands Vorgehen für alle Staaten höchst verderbliche Wirkungen im Gefolge haben. Frankreich sah sich ebenso wie Deutschland der Ge- fahr ausgesetzt, seine während der napoleonischen Kriege emporgekommene Industrie wieder von ihrer Höhe herabsinken zu sehen; um dies zu verhindern, verschärfte es noch mehr sein Prohibitivsysteme) und verbot deutschen Waren, den für sie not- wendigen französischen Markt zu beschicken. Aber auch die Holländer griffen zu ihren alten Prohibitivmaßregeln und belegten in direktem Widerspruch mit den Bestim- mungen des Wiener Kongresses, dem das Land seine Existenz verdankte, die Durchfuhr zu Wasser und zu Land mit den bedeutendsten Abgaben, während die Deutschen ihrerseits wieder alles freiließen, was die Holländer den Rhein aufwärts schickten.
„Von allen Märkten Europas, so lauteten die Klagen der niederrheinischen Fabrikanten in einer Adresse an den preußischen König Friedrich Wilhelm III. im April 1818, sind unsre Gewerbe durch Zolllinien ausgeschlossen, indes alle Gewerbe von Europa in Deutschland einen offenen Markt haben.“ Und in einer Angabe an den Staatskanzler Hardenberg klagten sie,„daß alle Länder ihre Zolllinien haben und Deutschland das einzige Land sei, wo alles frei eingehe und jede schlechte und jede verdorbene Ware ihren Markt findet“. Die Zölle, die es in Deutschland gab,„schienen nur zum Kampf gegen Handel und Wandel des Deutschen selber vorhanden zu sein.“ Denn der Handel innerhalb Deutschlands selbst hatte mit den unerträglichsten Hemmungen zu kämpfen. Von dem Bundestag, hörten wir, war eine Abhilfe im Sinne des Schutzes der nationalen Arbeit nicht zu erwarten. Noch einmal wandten sich deutsche Kaufleute und Fabrikanten, die zur Ostermesse 1819 in Frankfurt a. M. zu- sammengekommen waren, an den Bundestag, und trugen in einer Bittschrift, die Prof. List aus Tübingen verfaßt hatte, ihre Klagen über den Niedergang des deutschen Handels vor. Achtunddreißig Zoll- und Mautlinien), erklärten sie, lähmen in Deutsch- land den Verkehr im Innern und bringen ungefähr dieselbe Wirkung hervor, als
6) Prohibitivsystem ist die extreme Ausbildung des Schutzzollsystems, bei dem die Ein- fuhr der Waren, deren Produktion im Inland man befördern will, durch enorme Zölle so gut wie ver- hindert werden soll. Es ist eine natürliche Folge des Merkantilsystems, das die Theorie vertritt, dass der Reichtum eines Volkes vorzugsweise auf der Masse des baren Geldes, das es besitzt, beruht. Man wollte also vom Ausland an Produkten aller Art nur wenig entnehmen, diesem aber viel liefern und so von ihm im Wege des Handels(daher der Name Merkantilsystem) edle Metalle erlangen. Im Gegensatz zu dem Merkantilismus suchte das physiokratische System die Quelle des Nationalreichtums nicht im aus- wärtigen Handel, sondern im Grund und Boden und der Blüte des Ackerbaus: pauvres paysans, pauvre royaume sagt Quesnay. Die Physiokraten verlangten völlige Freiheit auf dem gesamten Gebiete des Handels und Verkehrs, individualistisches Wirtschaftssstem nach dem Grundsatz laisser faire et laisser aller.
7) Zoll griech. 1ε4οςα(?) oder Maut(muta, mutaticum), war ursprünglich jede Abgabe, die beim Oberschreiten einer Grenzlinie von Personen oder Sachen erhoben wurde. Schutzzölle sind dazu bestimmt, einen Einfluss auf die Gestaltung einzelner Produktionszweige auszuüben und einen Damm gegen die durch Einfuhr fremder Waren bewirkte Schädigung der einheimischen Industrie und


