Aufsatz 
Joannes a Jesu Maria : ein Mystiker der katholischen Kirche / von Krebs
Entstehung
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Um so leichter ist es daher auch erklärlich, dafs an sein Leben sich eine Reihe legenden- hafter Ausschmückungen angeknüpft haben. Dieselben bestehen sowol in der Erzählung von Ereignissen, die noch in die Zeit seines Lebens fallen sollen, als auch besonders in dem Be- richt von wunderbaren Erscheinungen nach seinem Tode.

Zu den erstgenannten Vorfällen gehört die in Weissagungsform gefaſste Vorher- bestimmung seiner Zukunft, wie dieselbe schon in seiner frühen Jugend durch die Schwester seiner Mutter, Theresia Espanola, erfolgt sein soll,*) und ebenso die Offen- barungen über seinen Todestag, von denen berichtet wird, dals er selbst sie empfangen habe.**) Noch merkwürdigere Legenden beziehen sich aber auf die Zeit nach seinem Tode.

So wird erzählt, daſs er kurz, nachdem er gestorben und begraben war, seinem Freunde Dominicus a Jesu Maxria erschienen sei, umleuchtet von dem himmlischen Glanze der Heiligen, und daſs er ihm die fröhliche Botschaft von seiner Aufnahme in die ewige Herrlichkeit gebracht habe. Demselben Dominicus sei er auch später noch öfters erschienen und habe freund- schaftlichst mit ihm verkehrt.

Ferner wird von einer Karmeliterin aus einem Kloster Theresianischer Reform in Polen erzählt, daſs sie in ähnlichen Anfechtungen sich befunden habe, wie die waren, unter denen auch Joannes a Jesu Maria zu leiden hatte. Da habe sie sich seiner erinnert und in demütiger Weise ihn um Hülfe in ihrer Not gebeten. Und bald darauf sei ihr Joannes im Heiligen- glanze erschienen und habe sie wunderbarlich in ihrer Trübsal getröstet.

Eine weitere Erscheinung ähnlicher Art wird noch von einem anderen Karmeliter berichtet. Dieser, ein sehr frommer Mann, habe einst 80 heiſst es in dem Oratorium der Novizen inbrünstig gebetet. Da sei er in den Zustand der Verzückung gefallen und habe einen pracht- vollen Altar gesehen, auf dem eine grolse Menge von goldenen Kronen und kostbaren, mit Gold und Edelsteinen durchflochtenen Blumenkränzen aufgehäuft gewesen seien. Zur Linken des Altars aber habe Joannes gestanden, von himmlischem Glanze umgeben, die Hand wie zum Schutze über den Altar mit seinen Kronen und Kränzen ausstreckend. Dabei habe vom Himmel herab eine Stimme gerufen:Dieser ist es, der die Kronen der Novizen bewacht.

Am wunderbarsten ist aber das, was von dem Leichname des Joannes überliefert wird. Derselbe soll nämlich unverweslich sein.

Als man nämlich so wird erzählt zwei Jahre nach dem Tode des Joannes aus irgend einem Grunde das Grab desselben, das sich an einem sehr feuchten Orte befand, öffnete, erschien der Körper ganz mit Schimmel und Fäulnis überdeckt. Doch bald zeigte es sich, dals nur die Kleider von dem Moder zerstört waren. Denn als man die Reste derselben entfernt und den Körper gereinigt hatte, erschien derselbe gänzlich unverletzt, unzerstört, wie lebend, so dals alle, die dabei standen, in Thränen ausbrachen und Gott priesen, der dieses Wunder gethan und dem Leibe des Joannes dieselbe Unverweslichkeit verliehen hatte, wie manchen Heiligen. So- gleich berichtete man die merkwürdige Entdeckung nach Rom an Dominicus a Jesu Maria, der gerade das Amt des Praepositus Generalis bekleidete. Dieser eilte schleunigst nach S. Silvestri und bestimmte, nachdem er sich von der Wahrheit des Wunders überzeugt und die Gnade Gottes gepriesen hatte, dals die Leiche künftig in einem feingearbeiteten Sarkophage von Holz an der Seite des Oratoriums stehen sollte.

*) Vervl. S. 2. **) Vergl. S. 19.