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So erzählt Isidorus a S. Joseph und fügt noch hinzu, dals er sich selbst durch eigene Anschauung von der Unverweslichkeit des Leichnams Gewilsheit verschafft habe.
Mehr als zwanzig Jahre nämlich nach dem Tode des Joannes wurde in Gegenwart und unter Aufsicht des Isidorus a S. Joseph, wie dieser selbst berichtet, an dem Sarkophage eine Reparatur vorgenommen, und dabei mulſste die Leiche auf kurze Zeit aus ihrem Behälter herausgehoben werden. Dies gab dem Isidorus Gelegenheit, sie aufmerksam zu betrachten.
Da war der Körper fast völlig unversehrt. Nur an der kleinen Zehe des einen Fuſses fehlte ein Glied und ebenso waren von Nase und Lippen die äufsersten Enden nicht mehr vorhanden. Das Fehlen dieser Teile erklärt sich aber, wie Isidorus behauptet, leicht. Denn das Glied der kleinen Zehe war von einem solchen, der den Joannes verehrte und jedenfalls eine Reliquie von ihm haben wollte, gewaltsam entfernt worden, während dasjenige, was an Nase und Lippen fehlte, durch die Unvorsichtigkeit eines Menschen, der von dem Gesichte einen Abdruck— ver- mutlich in Wachs— nahm, sich losgelöst hatte. Im Ubrigen fehlte nichts. Das Gesicht zeigte eine wunderbare Lebhaftigkeit; die Farbe war nicht schwarz oder braun, sondern aus weils, gelb und rot gemischt; das Fleisch war nicht verhärtet, sondern weich, und wenn man den Finger darauf preſste, so gab es dem Drucke nach, kehrte aber, sobald der Finger entfernt war, wieder von selbst in die alte Lage zurück. Dabei war kein Leichengeruch wahrzunehmen, und das Ge- wicht des Körpers war ein merkwürdig geringes.
Dazu versichert noch Isidorus, dals der Körper in keiner Weise einbalsamiert oder durch Anwendung von sonst einer menschlichen Kunst vor Verwesung geschützt worden sei. Solche Mittel wären, wie er ausdrücklich erklärt, bei dem Orden überhaupt nicht üblich gewesen und in diesem bestimmten Falle sicher nicht angewendet worden; vielmehr sei die Unverweslichkeit des Körpers ein Wunder der göttlichen Allmacht, welches Joannes durch seine Tugenden sich verdient habe.
Dem gegenüber ist aber zu sagen: wenn wirklich Isidorus a S. Joseph den Leichnam des Joannes a Jesu Maria so gesehen hat, wie er ihn schildert,— und es ist kein Grund vorhanden, ihn einer bewufsten Unwahrheit zu zeihen,— so unterliegt es keinem Zweifel, dals der Körper dennoch einbalsamirt war, daſs aber Isidorus nichts davon wuſste, weil man ihn versichert hatte, daſs das Gegenteil der Fall sei, und weil er, wie die unbeschuhten Karme- liter überhaupt, zu der Annahme sehr geneigt war, dals in dem Leben des Joannes a Jesu Maria übernatürliche Ereignisse sich zugetragen hätten. Offenbar sind überhaupt aus dieser Neigung heraus alle die Legenden entstanden, mit denen, und zwar schon sehr bald nach seinem Tode, die Geschichte des Joannes ausgeschmückt worden ist. Und man kann es auch kaum läugnen, dals diese Legenden ein ganz pestimmtes Ziel verfolgen. Seinem Orden erschien nämlich Joannes um seines frommen, ascetischen Lebens willen als ein Heiliger: was lag mithin näher, als dals man auch seine Heilig- oder Seligsprechung wünschte? Daher soll er auch jedesmal, wenn er nach seinem Tode irgend jemandem erschienen ist, umstrahlt vom Glanze der Heiligen dagestanden haben, daher heilst es von seinem Körper, daſs derselbe unverweslich sei.
Aber die Hoffnung der unbeschuhten Karmeliter, ihren JToannes als Heiligen anerkannt zu sehen, ging nicht in Erfüllung. Die katholische Kirche hat offenbar niemals die Wunder, welche mit seiner Person in Verbindung gebracht wurden, als wirkliche Wunder anerkannt. Denn hätte sie das gethan, wenigstens, bevor Isidorus a S. Joseph über Joannes a Jesu Maria schrieb, so hätte er es gewils zur weiteren Bestätigung seiner Aussagen in seiner Schrift angeführt.


