Aufsatz 
Joannes a Jesu Maria : ein Mystiker der katholischen Kirche / von Krebs
Entstehung
Einzelbild herunterladen

19

lichkeit fehlte, oder wenn die, welche ihn zu pflegen und zu bedienen hatten, das Notwendige nicht schnell genug herbeizuschaffen schienen. Vielmehr war er voll von Dankbarkeit für alles, was man ihm that, und statt dals man ihn hätte trösten und aufrichten müssen, wirkte er durch sein ruhiges und freundliches Benehmen, durch seine unbedingte Gottergebenheit trotz aller Schmerzen, die er zu erdulden hatte, erhebend und tröstend auf alle die, welche sein Lager um- standen.

Daſs er nicht wieder genesen werde, wuſste er mit Bestimmtheit voraus, und zwar nicht allein, weil die Aerzte, die ihn behandelten, es ihm voraussagten, als er schon hoffnungslos da- niederlag, sondern schon ehe er das Seminarium S. Pauli zu Rom verlieſs, um sich nach S. Sil- vestri zurückzuziehen, soll er wenigstens eine Andeutung über die Zeit seines Hinscheidens erhalten haben. Bestimmt erfuhr er den Tag seines Todes wie Isidorus a S. Joseph be- richtet in S. Silvestri selbst, und zwar wird als Beweis dafür, dals ihm diese Mitteilung wirklich geworden sei, eine Bemerkung angeführt, welche Joannes a Jesu Maria einige Zeit vor seinem Tode einem anderen Klosterbruder namens Joannes Hieronymus gegenüber machte. Der damals bereits todkranke Joannes a Jesu Maria sagte nämlich, wie erzählt wird, voraus, dals bei seinem demnächstigen Leichenbegängnisse JToannes Hieronymus das Weihrauchfals tragen werde. Und in der That geschah es auch so; aber nicht etwa deshalb, weil man glaubte, Joannes a Jesu Maria habe hier einen besonderen Wunsch ausgesprochen, der dadurch erfüllt worden wäre, daſs man gerade den Joannes Hieronymus mit diesem Amte betraut hätte: vielmehr war dieser schon, wie es die Klostersitte mit sich prachte, am vorher- gehenden Samstage für die folgende Woche zum Weihrauchfaſsträger pestimmt worden, ohne dals man doch vorherwissen konnte, ob Joannes a Jesu Maria schon in dieser Woche sterben werde oder erst später, und natürlich auch, ohne dalfs der Kranke den Tag seines Todes selbst irgend jemanden vorher gesagt hatte.*)

Als Joannes sein Ende immer mehr herannahen fühlte, bat er, dals man seinen vertrauten Freund und früheren Klostergenossen Dominicus a Jesu Maria ihm als geistlichen Beistand in der letzten Not herbeikommen lassen möchte. Dies geschah auch, und der Gerufene kam auch sogleich von Rom nach Prascati, sprach dem Kranken himmlischen Trost zu, spendete ihm die Sterbesakramente und plieb unausgesetzt bei ihm, bis Joannes am 28. Mai 1615, am Tage der Himmelfahrt Christi, in dem festen Vertrauen, von nun an auf ewig mit Gott und seinem Heilande vereinigt zu werden, seine Seele aushauchte.

Dominicus erwies dem Heimgegangenen noch die letzte Ehre, indem er den entseelten Leib bestattete, die Exequien für den Verstorbenen hielt und in einer Gedächtnisrede auf ihn seine Verdienste und Tugenden feierte.

§ 6. Die legendenhafte Ausschmückung der Geschichte des Joannes a Jesu Maria und kurze Beurteilung seiner Wirksamkeit.

Der Tod des allgemein geliebten und geachteten Mannes wurde natürlich in Frascati sowohl, wie auch in der ganzen übrigen Kongregation des heiligen PElias auf das lebhafteste be- Kagt. Hatte er sich doch um den Orden so groſse Verdienste erworben, wie wenige andere.

*) Vergl. auch hierzu das in§ 6 über derartige Vorfälle Gesagte.