Aufsatz 
Joannes a Jesu Maria : ein Mystiker der katholischen Kirche / von Krebs
Entstehung
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Aufenthalt im Konvente S. Silvestri bei Frascati und Lebensende.

In dem Konvente S. Silvestri bei Frascati, dem alten Tusculum, hoffte Joannes die so lebhaft ersehnte Ruhe zu finden, und als er dieses von seinem Freunde Petrus a Matre Dei gegründete Kloster zu seiner Ruhestätte auswählte, war er sich recht wohl dessen bewulst, dals es nicht mehr lange dauern könne, bis Gott ihn zur ewigen himmlischen Ruhe abrufen werde.

Und es gab auch kaum einen Ort, der für den lebensmüden Mann dazu geeigneter gewesen wäre, dort sein letztes Stündlein zu erwarten, als gerade S. Silvestri. Denn Lage und Einrich- tung des Klosters waren eigens so gewählt, dals sie eine solche Zurückgezogenheit, wie Joannes sie sich wünschte, in vorzüglicher Weise möglich machten.

Hier wurde er nicht von solchen besucht, die geistlichen Rat von ihm erheischten, hier hatte er keine Gelegenheit mehr, an den Geschäften der Ordensverwaltung teilzunehmen, hier konnte er allein seinem Gott leben, hier war es ihm endlich möglich, nur für das Heil seiner Seele zu sorgen.

Dabei lag noch das Kloster in einer wunderbar schönen Gegend. Auf der Südseite befand sich ein Weinberg, an den sich das Haus anschlols, in welchem die Handwerker des Konvents ihre Werkstätte hatten. Dann kam ein Wald und endlich der Gipfel eines Berges, der den Konvent nach dieser Seite gegen die Winde schützte. Nach Nordosten hin erblickte man eine Reihe hoher Berggipfel, die die Gegend in reizender Weise begrenzten. Auf dem Gebirge lagen die Orte Palestrina, Tivoli u. a. Nach Westen hin gewährten hohe Bäume sowohl gegen die allzu heiſsen Strahlen der Sonne, wie auch gegen Wind und Kälte hinreichenden Schutz. Auſserdem war aber auch noch nach dieser Seite hin Rom sichtbar, welches mit seinen prachtvollen Gebäuden in der Ferne erschien, und noch weiter sah man das mittelländische Meer mit seinen bald bläulich schimmernden, bald weils schäumenden Wogen.

So war die Fernsicht nach allen Seiten hin eine wunderschöne, und der Blick auf diesen herrlichen Strich Landes muſste die Mönche, die ja daran gewöhnt waren, alles, was sie sahen, vom religiösen Standpunkte aus zu betracliten, lebhaft zum Preise der Gröſse und Güte Gottes auffordern. Dabei war das ganze Kloster so hoch gelegen, daſs oft, während alle Gefilde ringsum zu Füſsen des Beschauenden in tiefem Nebel lagen, es selbst im hellsten Sonnenglanze erstrahlte.

Innerhalb des Klosterbezirkes befand sich ein Pfad, der zwischen dicht stehenden Bäumen so herführte, dals er auch nach oben vollständig geschlossen war. Weder die Glut der Sonne, noch kühle Winde durchdrangen dieses schattenspendende Dach, und der Weg war so einsam, so weit von allen Klostergebäuden, wie auch von den Grenzen des Klostergebietes entfernt, daſs kein störender Lärm, kaum ein Geräusch das Ohr derjenigen traf, die hier wandelten.

Diesen Pfad, wo auch das Auge auf keinen zerstreuenden Gegenstand fiel, besuchte Joannes, so lange er in S. Silvestri sich aufhielt, mit pesonderer Vorliebe. Dorthin zog er sich zurück, so oft er nur konnte, um hier seinen Geist in Gott und das göttliche Wesen zu versenken. Hier trug er Gott alles vor, was er auf dem Herzen hatte. Hier empfahl er oft unter bitteren Thränen sein von schweren Anfechtungen beunruhigtes Gemüt der göttlichen Barmherzigkeit.

Gerade durch die hier angedeuteten inneren Kämpfe hatte Joannes während der gamen Zeit seines Aufenthaltes in den verschiedenen Klöstern unendlich viel zu erdulden.

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