Aufsatz 
Joannes a Jesu Maria : ein Mystiker der katholischen Kirche / von Krebs
Entstehung
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16 Als er in Bologna und in Krakau Konvente gründen wollte, erhielt er von Papst Paul V. ein Breve vom 28. Februar 1612, worin ihm das Privilegium zuerteilt wurde, Klöster einzurichten, wo er auch immer wolle, ohne daſs er dabei an die durch frühere päpstliche Bullen festgesetzte Bestimmung gebunden sein sollte, wonach die Klöster der Bettelmönche nur in be- stimmten Zwischenräumen von einander gebaut werden dürften.

In Mailand liels er durch seinen Schüler Angelus a Jesu Maria*) im Jahre 1612 den Konvent St. Caroli stiften und besetzte denselben mit zwölf Mönchen.

In Rom selbst vollendete er die Einrichtung eines neuen Seminariums, in dem Ordens- mitglieder zu Missionären ausgebildet werden sollten, und er besetzte dasselbe am 7. Dezember 1612 mit Lehrern und Schülern. Ferner erwirkte er von Papst Paul V., der ihm überhaupt sehr günstig gesinnt war, daſs die neue Anstalt durch eine Bulle vom 7. März 1613 mit mehreren Privilegien ausgerüstet wurde, und daſs sie den Namen des h. Paulus tragen durfte.**) Dieser Name wurde freilich später in einen anderen, nämlich in S. Maria della Vittoria, umge- wandelt.

Aber nicht allein für die Ausbreitung seines Ordens durch neue Konvente sorgte Joannes während seines Generalats, sondern er war auch darauf bedacht, dals eifrig Mission getrieben wurde. Deshalb sendete er tüchtige Leute besonders nach Persien zur Bekehrung der Ungläubigen aus und erhielt von dem Papste ein Breve vom 29. November 1612, welches der Karmeliter- mission sehr zu statten kam. In demselben wurden nämlich die unter den Persern wirkenden Ordensbrüder von der Jurisdiktion der apostolischen Visitatoren eximiert.

So konnte also Joannes, als am 19. April 1614 die Zeit, in der er das Amt eines Prae- positus Generalis zu verwalten hatte, abgelaufen war, auf eine sehr erfolgreiche Dienstperiode zurückblicken. Aber seine Körperkraft war auch durch die angestrengte Wirksamkeit, die dieses Amt wie die vorhergehenden von ihm gefordert hatten, gänzlich gebrochen, und so faſste er denn, nachdem er in der Person des Ferdinandus a S. Maria einen Nachfolger erhalten hatte, den Entschlufs, sich von allen Amtsgeschäften zurückzuziehen und allein noch dem Verkehre mit Gott zu leben. Dazu schien es ihm aber nicht rätlich, in S. Maria della Scala zu bleiben, wo er gewils immer wieder von neuem wäre in Anspruch genommen worden, wo er es auch wohl kaum dauernd über sich gewonnen hätte, aller Lehrthätigkeit gänzlich zu entsagen.

Deshalb siedelte er aus dem Kloster, in dem er so viele Jahre gelebt und gewirkt hatte, nach dem Konvente S. Pauli später S. Maria della Vittoria genannt über.

Hier war er nun frei von allen anstrengenden Arbeiten, wie sie die Verwaltung der Ordensämter mit sich brachte, und er hatte daher reichlich Zeit, sich literarisch zu be- schäftigen. Eine Frucht seines dortigen Aufenthaltes ist seineDisciplina monastica, worin er die einzelnen Artikel der karmelitischen Mönchsregel bespricht und mit Zugrundelegung der Erfahrungen, die er als Ordensgeneral gemacht hatte, Ermahnungen an dieselben anknüpft.

Allein auch hier war es ihm nicht einsam genug, er sehnte sich nach einer grölseren Zu- rückgezogenheit, als das geräuschvolle Rom sie ihm überhaupt bieten konnte, und so beschlols er, diese Stadt gänzlich zu verlassen.

*) Vgl. S. 8. Anm. **) Vgl. Magnum Bullarium Romanum(Luxemburger Ausgabe von 1727) Tom. III. pag. 349.